Kunst mit dem Hochdruckreiniger: Ein Porträt auf dem Sportplatz

Von: Sarah Maria Berners und Anne Winkel
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Georg Gelhausen im Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Foto: smb
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Klaus Dauven (r.) mit seinem Kollegen das weitere Vorgehen. Die Vorlage ist laminiert und gut vor Wasser geschützt.
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Die Planungsskizze für das Team: Therese de Plato war 1911 in die Klinik eingewiesen worden. Skizze: Klaus Dauven

Düren. Vor ihrer Leinwand greifen Künstler normalerweise zu Pinsel und Farbe. Klaus Dauven greift zum Hochdruckreiniger. Und Farben trägt er nicht auf, sondern ab. Seine Leinwände sind Staudämme und Mauern – und jetzt ist es der Innenhof von „Haus 5“ auf dem Gelände der LVR-Klinik. Wer aus den Obergeschossen auf den Platz blickt, blickt nun direkt in das Gesicht einer ehemaligen Patientin.

Auf die Idee, den Hof des historischen Gebäudes als Fläche für ein Kunstwerk zu nutzen, war Klaus Dauven im vergangenen Jahr gekommen, als er dort einen Workshop gab. „Mir ist aufgefallen, dass der Sportplatz eine wunderschöne Patina hat“, beschreibt Dauven.

Reinigungszeichnung

Die rote Farbe des Tartanbelages war kaum mehr zu erkennen. Über die Jahre hat sich eine Schmutzschicht gebildet, durch die natürlichen Alterungsprozesse ist eine neue Oberfläche entstanden. Aus eben dieser Patina hat Klaus Dauven nun ein Kunstwerk geschaffen. Eine Reinigungszeichnung.

Normalerweise arbeitet der Gesamtschullehrer aus Drove Naturmotive wie Tiere und Pflanzen aus Patinaschichten heraus. „Diese Motivik passte in das alte ‚Bewahrhaus‘ der Klinik aber nicht hin“, fand Klaus Dauven und entschied sich für eine ganz andere Darstellungsform: das Porträt einer ehemaligen Patientin der Klinik. Lange blätterte Dauven in einem Album, dass ihm Dr. Erhard Knauer, Vorsitzender des Fördervereins Psychiatriegeschichtliches Dokumentationszentrum und bis 2010 Leiter der Klinik, zur Verfügung gestellt hatte. Die Wahl fiel zum einen aus technischen Gründen auf dieses Bild, da nicht die Qualität aller Bilder für ein solches Projekt ausreichend war. „Viel wichtiger aber war mir der Ausdruck der Person. Sie hatte einen schönen Ausdruck. Ihr Gesicht zeigt einen gewissen Stolz und doch lässt sich darin auch ihre Leidensgeschichte ablesen“, erläutert Dauven die Auswahl.

Dieses Porträt der Therese de Plato ist nun im Großformat auf den Platz projiziert worden. Dazu hat Klaus Dauven das Foto zunächst eingescannt, bearbeitet und digital auf einem Grundriss des Platzes gesetzt. „Im nächsten Schritt sind Vermesser gekommen und haben entsprechende Punkte auf den Boden projiziert. Ich habe dann mit dem Hochdruckreiniger die Vorzeichnung gemacht, so dass wir die Zeichnung eins zu eins auf den Boden des Sportplatzes bringen konnten.“

Nass und warm

Der nächste Schritt ist eine sehr nasse, laute und druckvolle Angelegenheit – aber immerhin keine kalte. „Das Wasser, mit dem wir die entsprechenden Flächen reinigen, hat eine Temperatur von 80 Grad. Damit lassen sich mineralische Stoffe leichter lösen und wir müssen nicht frieren“, erklärt Dauven lachend. Er zieht einen Vergleich zum Spülen, wo sich Reste vom Geschirr mit heißem Wasser auch viel besser lösen ließen.

Wenn Dauven und sein Team mit den Hochdruckreinigern loslegen, müssen sie extrem gut aufpassen: „Bei dieser Arbeit dürfen wir uns nicht vertun. Wenn wir eine falsche Stelle erwischen, dann lässt sich die Patina nicht wiederherstellen. Sie sind dann verloren.“ An manchen Stellen geht das Team mit den Hochdruckreinigern sehr intensiv zur Sache, an anderen etwas sachter. Und so arbeiten sie Stück für Stück das Gesicht einer Frau aus der Schmutzschicht des Hofes. Stunde um Stunde kommen die Konturen deutlicher zur Geltung, während sich über dem Platz Wolken aus Wasser bilden.

Bekannt geworden ist Klaus Dauven mit monumentalen Zeichnungen, wie einem Wildwechsel auf der Staumauer der Oleftalsperre und dem Chungju Damm in Südkorea. Eine Frage an

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