Kulturgeschichte eines wundervollen Gefühls

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Der Altmeister des Gesellschaftskabaretts kommt nach Düren: Horst Schroth stellt am kommenden Freitag im Haus der Stadt seine kleine Kulturgeschichte des Neids vor.

Düren. Wir leben in einer Neidgesellschaft. So ist das nun mal. Da macht man nix dran. „Wir alle sind neidig”, sagt Horst Schroth, der Altmeister des Gesellschaftskabaretts. „Das müssen wir hinnehmen und uns fragen: Wie gehen wir damit um?”

Schroth selbst zum Beispiel hat kurzerhand ein ganzes Soloprogramm daraus gemacht. „Grün vor Neid” heißt es und ist am Freitag, 7. Mai, um 20 Uhr im Haus der Stadt zu sehen.

Eingebettet hat Schroth, Jahrgang 1948, seine pointierte Kulturgeschichte einer der fiesen sieben Todsünden in eine auf den ersten Blick eher tragische Rahmenhandlung: Tante Elsbeth segnet das Zeitliche, woraufhin im kleinen Familienkosmos der Hinterbliebenen der Streit ums Erbe entbrennt. Niemand gönnt dem anderen etwas, und alle zusammen sind sie extrem schlecht drauf. Selbiges soll freilich nicht für das Publikum gelten. Der im Oberfränkischen geborene und in Baden-Württemberg aufgewachsene Kabarettist stellt nämlich alle Zuschauern einen veritablen Bauchmuskelkater in Aussicht. Ganz im Ernst: Das ist kein Scherz. Schroth hat nämlich ein umfangreiches humoristisches Potenzial des Neids als wundervoll intensives Gefühl ausgemacht.

„Interessant wird es dann, wenn es um Dinge geht, die nicht materiell sind”, weiß die erfahrene Humorfachkraft. „Warum bin ich so dick und der andere so schlank?” Da wo der Spaß aufhört, fängt er eigentlich erst richtig an. Und überhaupt: Neid kann ja auch etwas durchaus Positives bewirken, findet Schroth. Neid sei eine Triebfeder, befähige den Einzelnen zu Höchstleistungen oder letztlich dazu, das zu akzeptieren, was sich nicht ändern lasse. Wie man es auch dreht und wendet: Der Neid bleibt ein im Menschen tief verwurzeltes Gefühl, eine Grundkonstante seiner Existenz. Warum sollte man darüber nicht auch mal lachen dürfen?

Ganz am Ende steht wohl die Erkenntnis des großen Neidforschers Dagobert Duck aus Entenhausen: Mitleid bekommt man geschenkt. aber Neid muss man sich schwer verdienen.
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