Kreuzau-Langenbroich - Kulturforum erinnert an Nobelpreisträger Heinrich Böll

Kulturforum erinnert an Nobelpreisträger Heinrich Böll

Von: Bruno Elberfeld
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Der Sprecher des „Kulturforums der Sozialdemokratie Regio Aachen“, Norbert Walter Peters, erinnerte in der Rektoratskirche von Langenbroich in einer Doppelfunktion an Heinrich Böll. Foto: Bruno Elberfeld

Kreuzau-Langenbroich. Am 21. Dezember jährte sich der 100. Geburtstag des rheinischen Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Das war für den Sprecher des „Kulturforums der Sozialdemokratie Regio Aachen“, Norbert Walter Peters, Anlass, in der Rektoratskirche von Kreuzau-Langenbroich eine Gedenkfeier zu veranstalten.

Das Heinrich-Böll-Haus in unmittelbarer Nachbarschaft – Böll hatte sich dort jahrzehntelang immer wieder zu Erholung und Arbeit zurückgezogen – habe nicht zur Verfügung gestanden, berichtete Norbert Walter Peters.

Die kleine Gedenkfeier in der schmucken Kirche geriet zu einer Erinnerungsfeier an einen Menschen, an einen Schriftsteller, der sich mit seinen Romanen und Kurzgeschichten, seinen Essays und Dichtungen immer wieder in das politische Geschehen einmischte. Norbert Walter Peters trat bei der Erinnerungsfeier in einer Doppelfunktion auf. Auf der einen Seite schlüpfte er in die Rolle des vortragenden Moderators, auf der anderen lockerte er mit Kompositionen aus der Zeit der Renaissance auf seiner „Vihuela de mano“ die ernsten Gedanken aus Briefen und Texten Heinrich Bölls etwas auf.

Politischer Umbruch

Konzentriert hatte sich Peters auf die Anfängen der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es war eine Zeit des politischen Umbruchs. Nicht mehr die CDU stellte die Kanzler, sondern mit Willy Brandt (SPD) war ein Mensch ins Kanzleramt gekommen, der vielen Menschen Hoffnung gab. Heinrich Böll und viele andere Schriftsteller und Kunstschaffende hatten die Wahlkämpfe der Sozialdemokratie begleitet und unterstützt.

Norbert Walter Peters konnte da aus einem riesigen Fundus schöpfen. Eines der Kriterien der Auswahl war gewiss, wie die Texte sich auf die Gegenwart herunterbrechen ließen.

Und – so das Urteil vieler Gäste – dem Veranstalter war es gelungen, Texte zu finden, die auch zu den Problemen der Jetzt-Zeit passten. 1972 schrieb Heinrich Böll, auch in seiner Rolle als Präsident des internationalen PENs, einem der bekanntesten Autorenverbände, an den damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) einen Brief.

In ihm beschwerte sich Böll über eine überfallartige Aktion an einem Fronleichnamsnachmittag von Polizisten mit und ohne Uniform. Bölls Haus, Garten und Hof und zahlreiche Gäste wurden überprüft. Böll fragte in dem Brief an Genscher nach den Gründen für diesen Vorgang.

Bölls Brief an Willy Brandt im Jahr 1971 ließ erkennen, dass der Schriftsteller große Hoffnungen in den Bundeskanzler setzte. In seiner Rede auf dem SPD-Parteitag 1972 erinnerte der Kölner Schriftsteller daran, dass es außer der rein physischen Gewalt auch eine geistig-psychische Gewalt gebe, die von gewissen Massenmedien und den Banken ausgehe. „Eigentum verpflichtet“, schrieb Böll den Tagungsmitgliedern in ihr Parteibuch. Im Blick auf die gesellschaftliche Situation in der Bundesrepublik sehe der interessierte Beobachter die Ungerechtigkeit zwischen den Reichen und den Abgehängten, fuhr Böll fort.

Fiktiver Brief

Peters las einen langen, fiktiven Brief George Bernard Shaws aus der Feder Bölls an Herbert Wehner vor. Bölls humorvolles Fazit: Das Räuspern und Husten Herberts Wehners in der Debatte, auch während der Reden anderer, sei durchaus musikalisch und von der Rhetorik her bewundernswert, die Inhalte träten dagegen in ihrer Aussagekraft hinter diese Attitüden zurück.

Nachdenkenswert der Text „Über das Schreiben“. Ein Genuss für die Hörer lieferte der Sprecher mit Bölls „Köln III Spaziergang am Nachmittag Pfingstsonntag“. Böll schilderte Eindrücke von Köln, dessen Straßen und Gässchen, wobei er immer wieder zurückblickte auf das zerstörte Köln und das Elend der Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wörter, Sätzchen, Gedankensplitter fanden sich prosaisch, oft auch lyrisch und ergreifend, zu einem Ganzen.

Und wer war Böll? Willy Brandt erinnerte nach dem Tod seines Freundes daran: „Heinrich Böll war ein großer Deutscher.“ Er habe der Würde des Menschen in Deutschland wieder einen Platz verschafft.

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