Kulturbetrieb setzt auf Partnerschaft mit der Wirtschaft

Von: Stephan Johnen
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Dieter Powitz ist überzeugt, dass eine stärkere Zusammenarbeit von Kulturschaffenden und Wirtschaftsunternehmen Vorteile für beide Seiten und damit für die Stadt Düren bietet. Foto: Stephan Johnen

Düren. Dieter Powitz ist Realist. Der Leiter des Dürener Kulturbetriebs weiß, dass die Stadt an der Rur nicht der Nabel der Welt ist. Daran wird sich vermutlich auch so schnell nichts ändern. Powitz hat aber auch eine Ahnung, dass die „durchaus vorhandene kulturelle Strahlkraft“ beizeiten nicht bis Kreuzau oder gar Jülich reicht. Daran möchte Powitz, der seit einem Jahr im Amt ist, etwas ändern.

„Im Kreis Düren leben fast 270.000 Menschen. Die müssen wir infizieren, die müssen an Düren denken, wenn Sie etwas unternehmen möchten“, erklärt Powitz. Um dieses Ziel zu erreichen setzt er auf Partnerschaften, die – von einigen Ausnahmen abgesehen – noch geschlossen werden müssen. Er setzt auf die Unterstützung von Industrie, Handel und Gewerbe.

„Unternehmer spenden nicht, weil sie zu viel Geld haben“, weiß Powitz aus eigener Erfahrung. Der langjährige Intendant hat mehrere Festivals organisiert, bevor er an die Rur kam. Ohne sogenannte Drittmittel wären diese nie über die Bühne gegangen. „Unternehmer spenden etwas, weil ihre Mitarbeiter in der Stadt leben, in der das Unternehmen floriert.“

Jedes Unternehmen habe ein Interesse daran, dass Mitarbeiter in einem attraktiven Umfeld wohnen, leben und arbeiten, dass es viele Freizeitangebote gibt. Oder anders formuliert: Auf einem in Zukunft immer härter umkämpften Markt für Fachkräfte muss nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch das Lebensumfeld attraktiv genug sein, damit sich potenzielle Mitarbeiter dazu entscheiden, mit ihrer Familie in eine Stadt zu ziehen. Nach Düren beispielsweise.

„Dieses Feld wurde in der Vergangenheit kaum beackert“, räumt Dieter Powitz im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Bei einem Vortrag auf Einladung der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung hat er daher erstmals offensiv die Fühler ausgestreckt, um für Partnerschaften zu werben. Sei es ein Tanz-Festival, eine Veranstaltungsreihe oder nur ein einzelner Abend: Möglichkeiten, sich als Sponsor einzubringen und damit auch das Unternehmen zu präsentieren, gebe es viele.

Der Kulturbetrieb will sich also attraktiv machen? „Wir wollen uns als Stadt attraktiver machen“, kontert Powitz. „Lebensqualität trägt zum Erfolg einer Stadt bei.“ Einen Punkt, an dem Verbesserungspotenzial besteht, hat er gleich zur Hand. „Was machen wir mit dem städtischen Raum?“, fragt er. „Ist in Düren etwas los? Fühlen wir uns als Bewohner und Besucher wohl?“

Powitz ist überzeugt, dass öffentliche Kulturangebote die Aufenthalts- und Lebensqualität verbessern können, dass beispielsweise überraschende Aktionen mit freiem Zugang für das Publikum die Stadt auch für Besucher interessanter machen. Aus dem Innenstadtforum sei daher eine Kulturoffensive erwachsen. Jeder, der eine Idee hat, kann diese bei Treffen ansprechen.

„Wir schwadronieren nicht nur“, verspricht Powitz, dass erste Aktionen bald starten sollen. Die Idee: Der Kulturbetrieb und das Amt für Stadtentwicklung kümmern sich um Fragen der Genehmigung, damit Kulturschaffende an ihren Ideen feilen können. Das nächste offene Treffen findet am 16. Februar im Komm-Zentrum statt.

„Wir haben alle ein Interesse daran, dass wir die Stadt nicht nur als Ort für Geschäfte und Transaktionen begreifen, sondern als Ort für Begegnungen und kreativen Austausch.“ Powitz ist überzeugt, dass auch Händler und Geschäftsleute Interesse an einer (kulturellen) Belebung haben. „Die Alternative ist eine virtuelle Welt, in der alle nur noch zu Hause an ihren Computern sitzen.“

Eine Grundlage, um neue Partnerschaften einzugehen, ist aus seiner Sicht die Änderung der Organisationsstruktur des Kulturbetriebs. „Wir brauchen eine eigenständige Rechtsform“, sagt er. Denkbar seien ein Eigenbetrieb, eine Anstalt des öffentlichen Rechts oder eine GmbH.

„Die kulturelle Grundversorgung ist immer Aufgabe der öffentlichen Hand“, stellt Powitz klar. „Sponsoren können aber das Besondere ermöglichen, das Zusätzliche.“ Im Jahr 2016 will er damit beginnen, das brachliegende Feld zu beackern.

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