Küster ist während der Wallfahrtsoktav rund um die Uhr im Einsatz

Von: Beate Weiler-Pranter
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Jahr für Jahr holt Wolfgang Marx die Pietà für den Eröffnungsgottesdienst im Kurpark aus dem Flügelaltar. Foto: Beate Weiler-Pranter

Heimbach. Ein freies Wochenende hatte er seit 25 Jahren nicht mehr. Und wenn die Gläubigen zur Wallfahrtsoktav nach Heimbach pilgern, ist er fast rund um die Uhr im Einsatz. „Seit meiner Kommunion 1970 bin ich immer dabei“, erzählt Wolfgang Marx, der am 1. Juli sein Silbernes Dienstjubiläum als Küster feierte.

Nach all den Jahren kennt er seine Kirchen – St. Clemens und Christus Salvator – wie seine Westentasche. Zuständig ist er für alles, was sich in und um die Sakristei bewegt, für Krippenaufbau und Kirchengeläut. Langweilig ist es ihm in der Zeit nie geworden. „Viele denken, der Beruf eines Küsters bedeutet, morgens die Kirche aufschließen, die Kerzen anzünden und den restlichen Messwein auszutrinken“, amüsiert sich der gelernte Forstwirt, der 1988 seinen Dienst antrat.

Ausbildung im St.-Gregorius-Haus

Die Jugendarbeit des verstorbenen Pfarrers Joseph Olivier veranlasste den damals 27-Jährigen dazu, für die Kirche tätig zu werden. „Küster“ war zu der Zeit jedoch noch kein anerkannter Beruf. Deshalb absolvierte Wolfgang Marx – inzwischen zweifacher Vater und Großvater – am Aachener St.-Gregorius-Haus die Prüfung zum Sakristan. Seitdem ist er für das Pfarrbüro, die Küsterei und die Hausmeisterei verantwortlich.

Tag für Tag schaut er nach dem Rechten. Er füllt Opferkerzen nach, die während der Oktav besonders begehrt sind. „Das ist eine Spezialanfertigung aus einem Wachs, der weniger rußt, damit die Kirchenwände nicht so schwarz werden“, weiß der Küster und erzählt von seinen Beobachtungen einer Romreise. Dort seien inzwischen oft Plastikblumen und Elektrokerzen üblich. „Bei uns ist alles echt“, betont er mit einem Blick auf die Hortensien, die den Kirchenraum schmücken.

Eine Wallfahrt ohne Wolfgang Marx ist unvorstellbar. Seit einem Vierteljahrhundert organisiert er nicht nur den Eröffnungsgottesdienst im Kurpark. Er ist es auch, der Jahr für Jahr die Pietà aus dem Antwerpener Flügelaltar herauslöst. Mit wenigen Handgriffen wird die Skulptur dann für die Prozession auf einer Tragestele fixiert. Früher schmückte die Madonna ein hölzerner Baldachin. Heute ist das Gnadenbild mit einem Blütenkranz umrankt, der von Marx‘ Frau Brunhilde angefertigt wird. Wie tief Wolfgang Marx mit seiner Pfarre verwurzelt ist, zeigte sich am vergangenen Wochenende, als die Pietà nach dem Wallfahrtsgottesdienst unter großem Glockengeläut wieder zum Flügelaltar zurückgetragen wurde.

„Plötzlich hörte ich nur noch drei Glocken“, sagt der Küster. Nachdem ein Riss festgestellt wurde, darf die Clemens-Glocke sowieso nicht mehr angeschlagen werden. Doch nun verstummte plötzlich auch die Salvator-Glocke. „Erst dachte ich, das Zugseil sei gerissen.“ Doch nach seinem Sprint auf den Glockenturm sah Marx, dass der 1,30 Meter lange Klöppel der Glocke abgebrochen war. „Die Glocke schwang lautlos hin und her.“ Mit einem Anruf bei der Eifeler Glockengießerei konnte der Küster das Problem lösen: Die Spezialisten passten einen neuen Klöppel an, damit die Oktav am Wochenende wie geplant ausgeläutet werden kann.

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