Düren - Künstlerische Arbeit gibt viel Selbstwertgefühl

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Künstlerische Arbeit gibt viel Selbstwertgefühl

Von: Sandra Kinkel
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Ina van Sanden, Jürgen Schmitz, Manuela Küpker, Barbara Schmidt und Dennis Urhahn (von links) gehören zu den Künstlern, die ihre Arbeiten im Lebenshilfe-Center präsentieren. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Der Name ist Programm. „Über uns hinaus“ ist eine Ausstellung überschrieben, die Anfang März im Lebenshilfe-Center in Düren zu sehen ist. Die 15 Künstler arbeiten alle in der Rurtalwerkstatt (RTW) in Stockheim. Sie leben alle mit einer geistigen Behinderung. Und sie sind über sich selbst hinaus gewachsen.

Seit 2011 gibt es in der Werkstatt in Stockheim die Gruppe „Mit Kunst auf Kurs“, die von Diplom-Pädagogin Ulrike Porschke und Jens Turowski, Bildhauer, Künstler und Teamleiter der RTW, geleitet wird. Die Gruppe ist ein gemeinsames (Weiterbildungs-)Angebot von Werkstatt und Lebenshilfe Düren.

„Wir hatten vor vier Jahren den Wunsch“, erzählt Ulrike Porschke, „mit unseren Leuten mehr in Richtung Kunst zu arbeiten. So ist diese Gruppe entstanden“. Und die Begeisterung bei den behinderten Mitarbeitern war von Anfang an groß.

Die jungen Leute treffen sich einmal in der Woche für anderthalb Stunden. Jens Turowski: „Wir versuchen, verschiedene Techniken zu vermitteln wie Acrylmalerei, Linolschnitt und Radierung.“ Darüber hinaus beschäftigt sich die Gruppe auch mit Kunstgeschichte und dem Werk berühmter Maler. „Am meisten Freude“, sagt Ulrike Porschke, „macht unseren Leuten natürlich, wenn sie selbst kreativ werden können. Aber gewisse Grundlagen sind einfach sehr wichtig. Und dazu braucht es auch ab und zu theoretische Einheiten.“

Regelmäßig wird mit den Bildern der „Mit Kunst auf Kurs“-Leute ein Kalender der Rurtalwerkstätten gestaltet. Die Ausstellung im Lebenshilfe-Center ist die zweite dieser Art. „Die künstlerische Arbeit“, sagt Jens Turowski, „gibt den Leuten sehr viel Selbstwertgefühl. Sie lernen, mit Kunst ihre Gefühle auszudrücken, können sich durch ihre Bilder mitteilen. Das ist sehr schön zu sehen.“

Jürgen Schmitz, einer der Künstler, erzählt, dass Malen ihm einfach große Freude mache. „Für den Kopf ist das manchmal schon anstrengend, aber wenn ich das fertige Bild sehe, ist das für mich ein schönes Gefühl.“ Die Künstler, die ihre Arbeiten im Lebenshilfe-Haus ausstellen, haben sich für ihre Bilder auch die passenden Titel überlegt. Zum Beispiel Manuela Küpker.

Als es in der Kunststunde um das Abmalen ging, um einen Blick für Formen und Perspektiven zu entwickeln, hat die junge Frau Tassen gemalt. Zuerst mit Bleistift und später mit Aquarellfarben. „Wie mein Bild heißt, ist mir ganz spontan eingefallen“, erzählt Manuela Küpker. „Ich nenne es ‚Alle Tassen im Schrank‘. Das passt doch.“ So einfach sind die Titel allerdings nicht immer. Dennis Urhahn hat für die Ausstellung einen Dinosaurier gemalt, er mag Dinos einfach. „Mein Bild heißt ‚Andere Welt‘“, sagt der Künstler. „Weil es in unserer Welt keine Dinosaurier mehr gibt.“

Für Lebenshilfe-Geschäfsführer Wolfgang Prümm ist die Ausstellung „Über uns hinaus“ der Anfang einer neuen Kunst-Reihe. „Natürlich möchten wir mit der ersten Ausstellung behinderten Menschen eine Plattform bieten.“ Es sei aber auch geplant, dass nicht-behinderte Künstler im Lebenshilfe-Center ihre Arbeiten zeigen. „Und vielleicht“, ergänzt Wolfgang Prümm, „gibt es irgendwann sogar einmal eine inklusive Ausstellung mit Werken von behinderten und nicht-behinderten Künstlern“.

„Kunst-Urlaub“

Die Männer und Frauen der Rurtalwerkstätten freuen sich sehr auf ihre große Ausstellung. Und sie wollen danach auf jeden Fall weitermachen. Unter anderem haben sie für den Sommer eine mehrtägige Fahrt nach Holland geplant. „Wir glauben, dass es sinnvoll ist“, sagt Ulrike Porschke, „wenn wir einmal mehrere Tage hintereinander intensiv an unseren Bildern arbeiten können“.

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