Merzenich - Künftig Tempolimit auf der A4: Nur ein erster Schritt?

Künftig Tempolimit auf der A4: Nur ein erster Schritt?

Von: Sarah Maria Berners und Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
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Geschwindigkeit anpassen: Auf dem Autobahnabschnitt zwischen Merzenich und Elsdorf dürfen Autofahrer nicht mehr unbegrenzt Gas geben, sondern müssen sich an das Tempolimit 130 halten. Foto: Rose

Merzenich. Patrick Harzheim ist seit einer Nachricht von vergangenem Freitag optimistisch: Es sei ein „positives Signal“ und „ein erster guter Schritt“, dass ein vorläufiges 130-Tempolimit auf der Autobahn 4 zwischen Merzenich und Elsdorf eingeführt wird. Harzheim betrifft dieses Thema stark, denn er ist Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Merzenich.

Die Einheit also, die immer ausrückt, wenn sich auf dem Autobahnabschnitt zwischen Merzenich und Elsdorf ein Unfall ereignet.

In der Vergangenheit war das immer öfter der Fall – und immer öfter waren die Folgen verheerend. Deswegen schränkt Harzheim etwas ein: „Klar, es kann nur besser werden für uns. Dennoch bleibt abzuwarten, ob sich unsere Einsätze verringern, denn oft sind Lkw verwickelt, die von der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht betroffen sind.“

Die Frage nach der Wirkung der neuen Regelung der Bezirksregierung Köln wurde seit dem vergangenen Wochenende auch viel auf unseren Internetseiten und auf unseren Facebook-Seiten diskutiert. Einige Reaktionen geben wir im folgenden wieder.

So geht ein Kommentator auf das von Patrick Harzheim angesprochene Lkw-Problem ein, indem er schreibt: „Ein zusätzliches Überholverbot für Lkw zumindest im Berufsverkehr würde ebenfalls helfen.“ Er würde als täglicher Nutzer der Strecke beobachten, dass die „meisten kritischen Situationen“ mit überholenden Lkw entstehen würden.

Blick in die Niederlande

„Die schweren Unfälle sprechen ihr eigenes Zeugnis“, schreibt ein Kommentator, der das Limit befürwortet. Weiter: „Wenn es drei bis fünf Menschenleben pro Jahr retten kann, macht es in meinen Augen Sinn, es einzuführen.“ Ein anderer fordert eine Ausweitung der neuen Regelung: „Das Ganze jetzt bundesweit und der Wahnsinn auf den Straßen hat ein Ende. In den Niederlanden funktioniert das seit Jahren.“ Ein weiterer Nutzer betont, dass Menschen eben Fehler machen würden, diese bei Tempo 200 aber nicht mehr korrigieren könne – das sei tödlich. Er setzt große Hoffnung in die reduzierte Geschwindigkeit.

Manche Personen bezweifeln jedoch, dass das Tempolimit die Zahl der Unfälle reduziert, halten es aber angesichts der vielen schlimmen Unfälle für sinnvoll, die Maßnahme wenigstens auszuprobieren, statt nichts zu unternehmen.

Auf einen Kommentar mit harscher Kritik an der Bezirksregierung reagiert jemand: „Was sollte diese Bezirksregierung denn Deiner Meinung nach tun, ein Massengrab neben der Autobahn errichten, um lange Abfahrtswege zu erleichtern? Meine Güte, allein die Masse an Unfällen zeigt doch: Diese Strecke ist für die jetzige Geschwindigkeit nicht ausgelegt.“

Es entstand auch eine Diskussion über die Höhe der Geschwindigkeit: Einige finden das Limit mit 130 zu niedrig angesetzt und halten 150 für ein angemessenes Limit, ein anderer Nutzer plädiert für ein Limit von 120 angebracht. Wieder andere geben frei zu, dass sie gerne mal aufs Gas drücken – und sie verweisen darauf, dass konzentriertes Schnellfahren nicht gefährlicher sei, als weniger konzentriertes Langsamfahren.

„Wer hält sich ohne Blitze daran?

„Lange überfällig“, kommentiert ein weiterer Leser des Artikels das Tempolimit, stößt aber gleich die nächste Debatte an: „Wer hält sich ohne Blitze daran?“ Das fordern auch mehrere Nutzer bei Facebook – und auch der Vorstoß erntet Gegenwind: „Jetzt werden die bestraft, die Auto fahren können, auch bei hoher Geschwindigkeit“, kommentiert ein Autofahrer. Nicht nur bei ihm sei der sehr gerade Autobahnabschnitt zwischen Düren und Elsdorf beliebt, weil man dort aufs Gaspedal drücken könne.

Ein Kommentator kritisiert auch die Allee der Bäume des Jahres, die er für ablenkend hält. Die Allee ist jedoch ebenso wie die Gestaltung der Brücken nach Ansicht des Landesbetriebes so gestaltet worden, dass Autofahrer auf der langen Geraden aufmerksam bleiben – ohne abgelenkt zu werden.

Viele Kommentatoren setzen sich auch damit auseinander, dass Auto- und Lkw-Fahrer, die auf ihren Handys rumtippen, die viel größere Gefahr seinen, und fordern drastischere Strafen für diese Verkehrsverstöße sowie für das zu nahe Auffahren. Außerdem werden viele Appelle laut: Verantwortungsvolleres Fahren, beispielsweise beim Spurwechsel, würde das Unfallrisiko verringern.

Die Initiative „Buirer für Buir“ wertet das Tempolimit als „Etappensieg“. Dieses hatte sie vor allem mit Blick auf die Lärmbelastung des Ortes lange gefordert. Die Initiative sind wütend, dass die Bezirksregierung erst nach den „schrecklichen Unfällen der letzten Zeit“ reagiert hat. Sie fordert „dauerhafte Kontrollen an mehreren Stellen“, damit das Tempolimit auch eingehalten werde. Gleichzeitig hofft sie, dass das Limit noch niedriger angesetzt wird.

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