Kritik am Tagebaubetreiber: Merken will keinen Graben vor dem See

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
4885363.jpg
Blick auf den Tagebau Inden: Dort soll einmal ein See entstehen. Foto: Abels

Merken. Die Merkener sind sauer. Zwischen dem Ort und dem künftigen Restsee Inden soll ein 20 Meter breiter Grünstreifen entstehen - mit einem bis zu 1,50 Meter tiefen Entwässerungsgraben.

So sieht es der Abschlussbetriebsplan für die Oberflächengestaltung des Tagebaus Inden vor, dessen zweiter Teil noch 2017 genehmigt werden soll – lange bevor sich RWE Power mit der Stadt über die Nutzung während der jahrelangen Befüllung des Sees und in der Zeit danach unterhalten will.

Hintergrund der Planung: Bei Regenfällen soll das Wasser von den am See liegenden Feldern nicht in den See gespült werden, um Nährstoffeintrag zu verhindern. „Der Bau eines Grabens war uns bislang nicht bekannt“, moniert Horst Knapp (CDU), Vorsitzender des Bezirksausschusses und Sprecher der IG Merken. „Hätten wir früher davon erfahren, hätten wir längst reagiert.“

Die Kritik der Stadt: In der geplanten Form erschwert und behindert der Entwässerungsgraben die Entwicklung des Bereichs zwischen dem Ort und dem See – das Thema Wohnen am See wäre damit zum Beispiel vom Tisch. Und auch die Erschließung der vor Merken geplanten Strandzone würde erheblich problematischer.

In einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- und des Bezirksausschusses Merken versuchten Jannis Boyan, zuständiger Referent bei RWE Power für den Tagebau Inden, und sein Kollege Stefan Ehrhardt vergeblich, die Bedenken zu zerstreuen. Horst Knapp betonte, dass es zwischen der Ortschaft und dem künftigen See überhaupt keine landwirtschaftlichen Flächen gebe, die entwässert werden müssten. Schon allein aus diesem Grund sei der Graben überflüssig.

Und überhaupt gebe es ja bereits eine innerörtliche Entwässerung in Richtung Schlichbach, in den auf Höhe Schophoven auch der nun geplante Entwässerungsgraben münden soll. „Warum könne der nicht genutzt werden?“, fragte Knapp, ohne Antwort zu bekommen. Die RWE-Vertreter betonten immer wieder, dass sie nur landesplanerische Vorgaben aus dem Braunkohlenplan Inden II und dem Rahmenbetriebsplan des Tagebaus umsetzen würden. Eine aus Reihen der Ausschüsse angesprochene Verrohrung des Grabens im Bereich Merken sei ebenfalls keine Alternative. Ehrhardt verwies auf die Vorgabe, das Gewässer naturnah ausbauen zu müssen.

Dabei – und das mussten die RWE-Vertreter einräumen – werde der Entwässerungsgraben nur an ganz wenigen Tagen Wasser führen, in der Regel nur nach Starkregenfällen. Ansonsten werde er trockenliegen. Solange RWE für das Tagebauumfeld verantwortlich sei, werde sich das Unternehmen auch um die Pflege des Entwässerungsgrabens kümmern, anschließend obliege das dem WVER, antwortete Boyan auf die Frage, wer denn verhindern werde, dass unansehnlicher Wildwuchs entstehe.

Auf Vorschlag von Baudezernent Paul Zündorf will die Stadt RWE und die zuständigen Planungsbehörden nun auffordern, die Frage des Entwässerungsgrabens und damit diesen Teil des Abschlussbetriebsplans solange zurückzustellen, bis zumindest das Konzept für die Zwischennutzung des Sees zwischen Stadt und RWE festgezurrt wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert