Krippen sind eine seiner Leidenschaften

Von: Franz Sistemich
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Ein leideschaftlicher Krippens
Ein leideschaftlicher Krippensammler ist Franz-Josef Brandenburg aus Nideggen. Ein Teil seiner Sammlung ist auch auf dem Krippenweg in der Herzogstadt zu Foto: sis

Nideggen. Die Geschichte Nideggens ist seine Leidenschaft. Nein, besser gesagt: eine seiner Leidenschaften. Denn seit seiner Kindheit interessiert sich Franz-Josef Brandenburg für Krippen: „Am zweiten Weihnachtstag gingen wir immer in der Nachbarschaft Krippen gucken.”

Damals wohnte der heute 64-Jährige im beschaulichen Monschau. In den meisten Häusern des Rurstädchens hatten die Bewohner ihre Krippen zur Weihnachtszeit aufgebaut. Mal größere, mal kleinere.

Im Hause Brandenburg gab es natürlich auch eine Weihnachtskrippe und trotz der Enge eine mit vielen Quadratmetern Felsenpapier. Anfang der 70er Jahre schuf Brandenburg mit seinen Nideggener Hauptschülern eine Problemkrippe. Es pilgerten nicht Hirten und Könige zum Stall von Bethlehem, sondern Alkoholiker mit Flaschen in der Hand und Behinderte auf Krücken.

Wieder etliche Jahre später füllte die Darstellung der Geburt Jesu Christi die ganze Breite der Garage des Brandenburgschen Hauses in Abenden aus. 52 Zentimeter groß war allein die Figur des Josef in dieser typischen Eifeler Krippendarstellung. Und wieder Jahre später lud der pensionierte Lehrer Bewohner von und Besucher der Herzogstadt zum ersten Mal zu einem Krippenweg ein.

In dieser Weihnachtszeit sind zum dritten Mal in über 40 Fenstern von Geschäften, Cafés und Restaurants sowie von Privathäusern und öffentlichen Einrichtungen die unterschiedlichsten Hauskrippen zu sehen. Einige Privatpersonen stellen ihre eigenen Krippen aus, die meisten stammen aber aus der Sammlung von Franz-Josef Brandenburg und seiner Frau Doris. Über 200 Krippen besitzt die Familie, über 100 Ställe, aber auch Fensterbilder und andere malerische Darstellungen der Ereignisse in Bethlehem zur Zeit des römischen Kaisers Augustus.

Wenn andere Menschen über Trödelmärkte laufen, um nach seltenen Büchern oder alten Möbeln oder Hobeln zu suchen, hält Brandenburg Ausschau nach Krippen. Doch nicht nur dort: „Im Internet schaue ich beispielsweise nach oder gehe in Baumärkte, die direkt nach Weihnachten die Krippen verschleudern.” Freunde und Bekannte weisen ihn auf Schnäppchen hin. Krippen bekommt er, weil ihre Besitzer sie nicht mehr aufbauen oder verstorben sind.

Die Brandenburgs besitzen die unterschiedlichsten Krippen in den verschiedensten Größen und aus den verschiedensten Ländern. Aus der ehemaligen DDR stammt eine in einer Streichholzschachtel; die Papierkrippe kommt aus Tschechien; Josef, Maria und das Jesuskind in Zinn gegossen aus Malta. Eine Waldorf-Krippe aus grobem Material und grob geschnitzten Figuren gehört ebenso zu seinem Fundus wie ein 30 Zentimeter hohes Strohmobile.

„Bis vor einigen Jahren habe ich praktisch alles gekauft, jetzt interssiert mich mehr das Ausgefallene”, erzählt Brandenburg. Und dieses Ausgefallene kann auch eine ganz puristische Darstellung sein: aus Vierkannthölzern beispielsweise. Die Hölzer sind unterschiedlich hoch, auf ihnen sind nur die Namen von Josef, Maria und Jesus und der anderen handelnden Personen geschrieben. Seine Lieblingskrippe ist aber eine andere: „Meine Großtante hat vor dem Zweiten Weltkrieg eine aus Wachs mit Stall und Figuren modelliert.”

Als naive Kunst kann das Freizeitschaffen der Tante bezeichnet werden. Sie nahm das Wachs, das ihr gerade zur Verfügung stand. So ist die eine Figur dunkel, die andere hell, die dritte hat eine grüne „Hautfarbe”. Seine „schönste” Krippe mit zehn Zentimeter hohen Figuren hat Brandenburg in Oberammergau gekauft. In diesem Jahr wird bei Brandenburgs möglicherweise weder diese noch eine andere Krippe aufgebaut: Vor wenigen Tagen zerstörte ein Feuer Teile des Dachgeschosses. Auch Krippen.
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