Vossenack - Kreuzweg von Pater Laurentius kehrt in die Klosterkirche zurück

Kreuzweg von Pater Laurentius kehrt in die Klosterkirche zurück

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
Er weiß sich in der Tradition
Er weiß sich in der Tradition verwurzelt und hat doch das Heute fest im Blick: Pater Laurentius Englisch in der Krypta der Klosterkirche vor der Bildtafel seines jetzt dorthin „heimgekehrten” Kreuzweges. Foto: Hahn

Vossenack. Bilder-Finder oder Bild-Erfinder? So muss zumindest bei Pater Laurentius Englisch die Frage lauten. Denn der Franziskaner aus dem Kloster Vossenack schöpft bei seinen Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen aus dem Fundus, den ihm Geschichte und Gegenwart bieten, und formt daraus etwas Eigenständiges, etwa Neues.

Jetzt feiert der Franziskaner ein doppeltes Fest. Erstens, weil sein Kreuzweg nach längerer Odyssee via Kalterherberg und Essen wieder in die Klosterkirche zurückgekehrt ist. Zweitens - und das ist dem gebürtigen Oberschlesier, der als Kunsterzieher im eigenen Gymnasium und Seelsorger in den Dörfern der Gemeinde Hürtgenwald geschätzt ist, mindestens ebenso wichtig - feiert der Beuys-Schüler sein Goldenes Ordensjubiläum - mit einem Gottesdienst am Weißen Sonntag.

Ein Kunst-Stück

Das Fest, zum dem sich Freunde und Weggefährten aus der Eifel und darüber hinaus angesagt haben, rückt zum Greifen nahe. Der Kreuzweg aber ist schon da. Er ist ein wesentliches Kunst-Stück, denn er macht sinnfällig, was Pater Laurentius als Priester, Pater und Künstler ausmacht. Fromme Bildchen, Illustration für den schönen, behaglichen Glauben darf der Mensch von diesem Gottesmann nicht erwarten. Denn Pater Laurentius schaut mit wachen Augen in die Zeit, entnimmt ihr typische Bilder und verbindet sie mit überlieferten Elementen der christlichen Bildsprache. Das Kreuz, die in ihr Gewand gehüllte Muttergottes: Das ist im Kreuzweg ebenso präsent wie der KZ-Häftling oder die Jakobsleiter aus dem Alten Testament. Dies- und Jenseits berühren und durchdringen sich. Und da ist keinerlei Süßlichkeit, die das Leiden aufhübscht und durch Ästhetisierung „verschönert”.

Mit Pinsel, Stift und Kreide nennt Pater Laurentius die Dinge beim Namen. Er bekennt sich zu einer quasi journalistischen Verknappung. Dass er so Jesu Kreuz und Leiden deutlich macht, verstört gelegentlich gläubige Menschen. Darum musste der Kreuzweg eine Reise hinter sich bringen: von Vossenack nach Kalterherberg, dann schließlich in eine von Franziskanern betreute Kirche in Essen, am Ende wieder zurück nach Vossenack, in die Krypta, wenige Meter entfernt vom Atelier des Paters. Der überrascht den Gesprächspartner mit einem unerwarteten Geständnis: „Ich bin ein konservativer Mensch.”

Wie wohl die 14 Bildtafeln des Kreuzweges das Überzeitliche mit dem Hier und Jetzt unverwechselbar und radikal verklammern, weiß deren Schöpfer mit dem traditionellen Formen und Zeichen der katholischen Messe viel, sehr viel sogar anzufangen. Aber das nimmt der Geschichte, die er erzählt, nichts von ihrer Härte. Es lässt sich mit den Tafeln nicht wohnlich leben. Das stößt manche Betrachter ab. Aber es macht den Gang durch die Vossenacker Klosterkirche auch zu einem aufregenden Abenteuer.

Der Kreuzweg gehört zu den Leit- und Lebensthemen im Leben des Laurentius Englisch, der mit seinem Taufnamen übrigens Ulrich heißt, 1954 Schlesien verlassen und in Düsseldorf zu seinem Orden gefunden hat. Pater Laurentius weiß sich in den 50 Jahren, in denen er mittlerweile den Franziskanern angehört, von Geist und Lehren des Ordensgründers und -patrons inspiriert: „Was der heilige Franziskus gelebt hat, hat mich immer vorwärts getragen.”

Seit 1968 in Vossenack

Kloster und Ort Vossenack hat der Pater, der 1968 als Lehrer hierhin gekommen ist, seither die Treue gehalten und dabei viele Zöglinge von Gymnasium und Internat begleitet. Das erfüllt ihn mit Stolz. Denn Pater Laurentius bescheinigt seinen „Ehemaligen”: „Die stehen ihren Mann und wirken für die Kirche Gottes.” Auch wenn seine Bilder und geschnitzten Plastiken den einen aufrütteln, den anderen aber (v)erschrecken: In der Kirche und in seinem Orden ist dieser Gottesmann zu Hause. Da gibt es für keinen Zweifel. Und genau so, wie er bei anderen Punkten deutlich wird, wird und bleibt er dabei unmissverständlich.
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