Kreuzchen machen bald nur noch am Computer

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Puh, endlich geschafft: Julia Dahm (20) hat ihre theoretische Führerscheinprüfung am PC mit null Fehlerpunkten bestanden. Foto: S. Vallata

Düren. So ein Computer ist schon ziemlich unerbittlich, wenn man mal darüber nachdenkt. Er lässt sich nicht austricksen. Er macht keine Fehler. Er berechnet nur die Fakten. Sachlich, nüchtern, kühl.

Und das macht er mit all seiner künstlichen Intelligenz auch ganz offiziell für den TÜV Rheinland. Bereits seit diesem Jahr sind die theoretischen Führerscheinprüfungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz und dem Saarland nur noch am PC möglich.

Ab 2010 gilt diese Regelung für alle Bundesländer in Deutschland. Auf den guten alten Prüfungsbögen brav seine Kreuzchen zu machen, ist von anno Tobak. Die Zukunft sieht so aus: Ein paar Klicks mit der Maus vor dem Bildschirm reichen aus, dann ist die Prüfung auch schon wieder vorbei.

Der Moment der Erkenntnis

„Null Fehlerpunkte”, sagt Julia Dahm erleichtert und strahlt ein wenig, nachdem sie die Tür geschlossen hat. Wenige Augenblicke zuvor saß die 20-Jährige noch im Prüfungsraum der TÜV-Prüfstelle im Autohaus Herten mit einer ganzen Reihe anderer Prüflinge, die mehr oder minder aufgeregt waren. Jetzt hat sie bestanden, und die praktische Prüfung kann kommen.

Das virtuelle Büffeln hat sich also ausgezahlt, oder nicht? „Bei einigen Antworten war ich mir nicht ganz sicher, aber der erste Gedanke ist ja meistens der richtige”, sagt die junge Frau.

Nicht für alle endet die Prüfung so optimal. Einige lassen die Köpfe hängen, denn sie wissen, dass sie demnächst nochmal ran müssen - dann eventuell etwas besser vorbereitet. Wie dem auch sei: Ob sie bestanden haben oder nicht, erfahren die Fahrschüler sofort nach Abschluss der Prüfung. In Sekundenschnelle berechnet der Computer, was Sache ist. Früher mussten die Prüfer die Ergebnisse noch per Schablone ermitteln. Fehler waren nicht ganz ausgeschlossen. Heute kommt der bisweilen bittere Moment der Erkenntnis schneller als gedacht.

Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Prüfungsmodell zeigten, dass das Konzept aufgegangen ist, findet Fahrlehrer Dino Jacobs. Nicht nur das Auswendiglernen ganzer Bögen sei ausgeschlossen, sondern auch das Schummeln. „Manipulation ist unmöglich.” Denn: Prüflinge könnten weder beim Nachbarn abschreiben, noch könnten sie mit Spickzettel oder Schablone arbeiten, sagt Jacobs.

„Jede Prüfung ist unterschiedlich, da der Computer die Fragen nach dem Zufallsverfahren immer wieder neu mischt.” Mal abgesehen davon glaubt der Fahrlehrer, dass es den Fahrschülern auch mehr Spaß macht, in der Vorbereitung auf die Prüfung mit einem Computerprogramm zu arbeiten. „Es ist einfacher, und die Bilder von Verkehrssituationen sind größer.”

Die theoretische Führerscheinprüfung besteht aus 30 Fragen. Insgesamt umfasst der Wissenskatalog fast 1000 Grundfragen, je nach Führerscheinklasse kommen noch mal einige hundert dazu. Für die Zukunft denkt der TÜV Rheinland darüber nach, auch Videosequenzen in die PC-Prüfung mitaufzunehmen. Unmöglich ist ja gar nichts mehr.
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