Kreuzauer schafft nördlichstes Schlittenhunde-Rennen der Welt

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Blickt auf eine erfolgreiche Saison mit seinen Hunden zurück: Michael Hess aus Kreuzau. Die Fotos stammen vom Start des Femundlopet und aus dem Checkpoint Karasjok während des Finnmarkslopet. Foto: Helmut Dietz

Kreuzau. Seit einigen Tagen ist Michael Hess mit seinen Siberian Huskies aus Skandinavien zurück im heimischen Kreuzau. Heimgekehrt ist er mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Drei Monate waren die Hunde in Schweden stationiert, um auf zwei Langstreckenrennen vorbereitet zu werden.

Ein erfahrener Helfer unterstützte Hess bei der Versorgung der Hunde und beim zeitaufwendigen Training. Um bei den Rennen über große Distanzen bestehen zu können, wurden Trainingseinheiten von bis zu 120 Kilometern absolviert. Da wird die Rennvorbereitung zum Vollzeit-Job. Zwölf Hunde waren im Training, wovon schließlich acht für das Rennen ausgewählt werden mussten.

Das Team erlebte vor dem ersten Rennen einen Rückschlag, denn ein fünfjähriger Rüde, der stärkste Hund im Rudel, erkrankte plötzlich. „Als das Fieber trotz der verabreichten Medikamente nicht zurückging, erfolgte eine Röntgenuntersuchung. Es wurde leider klar, dass ihm nicht mehr zu helfen war, denn er war bereits fortgeschritten von Lungenkrebs befallen und musste eingeschläfert werden“, bedauert Michael Hess den Verlust seines Gefährten.

Als erster Saisonhöhepunkt stand das „Femundløpet“ auf dem Programm, ein Rennen über 400 Kilometer, das alljährlich in der historischen Bergbaustadt Røros gestartet wird. Vor dem Rennen sorgten Unwetterwarnungen für Verunsicherung bei Teilnehmern und Veranstalter, aber es wurde regulär gestartet. Dann wurde das Rennen aber am zweiten Tag abgebrochen. Mehrere Teams wurden vermisst, darunter auch Junioren, selbst Mitglieder der Suchmannschaften waren zeitweise verschollen. „Zum Zeitpunkt des Abbruchs warteten wir im ersten Checkpoint auf die Freigabe zum Re-Start, der dann nicht mehr erfolgte. Es war etwas schade, denn das Rennen sollte gleichzeitig unsere Generalprobe für das zweite Rennen der Saison sein“, berichtet Hess. Immerhin kehrten alle Vermissten wohlbehalten zurück.

Knapp vier Wochen später stand das Team erneut auf der Startlinie, diesmal in Alta, fast 1500 Kilometer weiter nördlich. Das „Finnmarksløpet“ ist das nördlichste Schlittenhunde-Rennen der Welt, in Norwegen ein nationales Sportereignis, und es sollte die Huskies über fast 500 Kilometer führen. Dabei waren erneut starke Winde vorhergesagt. Es sollte ein schwieriges Rennen werden, wie auch Michael Hess erfahren musste: „Nach der dritten Etappe war ich ziemlich down. Ein älterer Rüde erholte sich während der Pause im Checkpoint nur langsam, und ich musste mich entschließen, eine junge Hündin aus dem Team zu nehmen, die erschöpft war. Ich war besorgt, schon vor den schwierigeren Bergetappen vielleicht mit nur noch fünf oder sechs Hunden dazustehen. Aber danach ging es besser und ich war wieder optimistisch, dass wir es schaffen würden. Die Versorgung der Hunde, der ständige Aufenthalt im Freien bei Minusgraden und der Schlafmangel machen einem schon zu schaffen.“

Am Morgen des dritten Tages stand die schwerste Bergetappe an. Wegen Sturmwarnungen entschieden sich andere Teilnehmer, im Checkpoint zu warten. Gemeinsam mit zwei anderen Teams entschloss sich Hess zum Weiterfahren. Stundenlang mussten sich die Hunde gegen den Sturm über die Berge kämpfen. Das war kräftezehrend und auch eine mentale Belastung für die Leithunde.

Bevor es dann auf die beiden letzten Etappen ging, wurde im Checkpoint eine achtstündige Pause absolviert. Trotzdem sollten die letzten zwei Etappen über gut 100 Kilometer schwierig werden, denn einige kürzere Pausen mussten eingelegt und die Leithunde getauscht werden.

Nach drei Tagen und knapp sieben Stunden erreichte Hess mit den sieben verbliebenen Huskies das Ziel in Alta. Als Sechster der Klasse der reinrassigen Hunde und als 37. des Gesamtklassements – „Mission Zielankunft“ erfüllt. 33 Starter erreichten das Ziel gar nicht und mussten unterwegs aufgeben.

Nach dem erfolgreichen Abschneiden in Norwegen erhielt Michael Hess noch eine Einladung: Zum Saisonabschluss wird das Schlittenhunde-Team aus Kreuzau-Bogheim in den französischen Alpen bei einem Mitteldistanzrennen starten.

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