Kreis Düren - Kreisjugendamt baut Erziehungsstellen aus

Kreisjugendamt baut Erziehungsstellen aus

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
12068128.jpg
Juliane Lüttgens, Dorothee Pohlmann und Marita Schmitz (v.l.) stellten das Konzept vor. Foto: Johnen
12069546.jpg
Im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes (alle Kommunen außer Düren) gab es Ende des vergangenen Jahres 268 Pflegekinder und 105 Heimunterbringungen. Gesucht werden Eltern mit pädagogischer Ausbildung, die eine sogenannte Erziehungsstelle werden. Foto: dpa

Kreis Düren. Die Zahl der Fälle, in denen Eltern nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern, steigt. Wenn keine andere (pädagogische) Unterstützung greift und das Kindeswohl gefährdet ist, werden die Kinder meist stationär in einem Kinderheim untergebracht und betreut.

Eine günstigere Alternative sind Pflegefamilien. Da Kinder und Jugendliche zunehmend jedoch aufgrund ihrer Lebensgeschichte traumatisiert sind, Verhaltensauffälligkeiten zeigen und ihre emotionale und soziale Entwicklung verzögert ist, stoßen Pflegeeltern oft an ihre Grenzen, sind schlichtweg überfordert. In diesem Fall kommen die sogenannten Erziehungsstellen ins Spiel, mit deren Ausbau das Kreisjugendamt auf die sich verändernden Lebensbedingungen reagiert.

Eine Unterbringung in Erziehungsstellen ist für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche gedacht. Sie haben womöglich Vernachlässigung oder Gewalt erfahren, oder die Eltern sind aufgrund einer psychischen Erkrankung oder Drogenmissbrauchs nicht in der Lage, den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Zuwendung zu geben. „Aufgrund des besonderen erzieherischen Bedarfs benötigen manche Kinder eine Profi-Familie“, erklärt Dorothee Pohlmann, Teamleiterin des Pflegekinderdienstes beim Kreisjugendamt.

Voraussetzung ist eine mindestens dreijährige pädagogische oder psychologische Ausbildung eines Elternteils. Wenn es für das Kind erforderlich ist, kann auch eine medizinische Ausbildung anerkannt werden. „Der ‚Profi‘ unter den Eltern übernimmt den Großteil der Erziehung“, erklärt Marita Schmitz, Sachgebietsleiterin der Sozialen Dienste. Zu Beginn des Pflegeverhältnisses, dessen Dauer bis zur Volljährigkeit ausgelegt ist, steht dieses Elternteil dem Kind ganztägig als Betreuungsperson zur Verfügung.

Prinzipiell ist eine spätere Berufstätigkeit dieses Elternteils nicht ausgeschlossen, wenn das Pflegekind Kita oder Schule besucht. „Eine Vollzeitstelle verträgt sich aber nicht mit dem besonderen pädagogischen Bedarf des Kindes“, fügt Juliane Lüttgens, Mitarbeiterin im Pflegekinderdienst, hinzu. Paare oder Einzelpersonen mit und ohne Kinder können die Aufgabe übernehmen (siehe Infokasten). „Das Jugendamt übernimmt die Vorbereitung und Begleitung – und prüft auch die Eignung“, erklärt Dorothee Pohlmann. Meist übernimmt das Amt auch die gesetzliche Vormundschaft.

Neben steigenden Fallzahlen und damit einhergehenden Engpässen bei der Unterbringung spielen auch steigende Kosten eine Rolle. Ein Heimplatz kostet die öffentliche Hand etwa 5000 Euro im Monat. Eine Pflegefamilie erhält, je nach Alter des Kindes gestaffelt, durchschnittlich etwa 900 Euro Aufwandsentschädigung. Damit müssen alle Kosten bestritten werden. Erziehungsstellen werden mit rund 1200 bis 1300 Euro vergütet.

Mit der Aufstockung des Personals im Jugendamt sei es möglich geworden, Erziehungsstellen anzubieten und auszubauen. „Wir wollen unsere Qualität verbessern und ein größeres Angebot unterbreiten“, sagt Juliane Lüttgens. Die Erziehungsstellen könnten helfen, die Lage zu entspannen. Die Kinder hingegen sollen von einer familiären und gleichzeitig professionellen Betreuung profitieren, die auch Krisen meistern könne und für Beständigkeit sorge.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert