Kreis Düren sucht Partner auf Augenhöhe

Von: Stephan Johnen
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Die Vorgabe der Politik ist klar: Kein Berufskolleg (im Bild die Kaufmännischen Schulen) soll aufgegeben werden. Fotos: Stephan Johnen/Stock: Caro Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Mit Blick auf die vier Berufskollegs im Kreis Düren besteht aktuell kein Anlass zur Sorge. „Der Kreis Düren ist ein hervorragender Träger für Schulbildung“, ist Wolf Krämer-Mandeau von der Projektgruppe „Bildung und Region“ überzeugt. Der Gutachter hat jüngst den Schulentwicklungsplan für Berufskollegs im Kreishaus vorgestellt.

Die Schülerzahlen der vier Berufskollegs sind seit dem Schuljahr 2005/06 relativ konstant, die Auslastung der Kollegs sei gut, das Angebot breitgefächert. Doch Zeit, sich auf dem bislang Erreichten und dem bislang Gesicherten auszuruhen, gebe es nicht. Ob sinkende Schülerzahlen, ein Streben nach höheren Abschlüssen oder eine zunehmende Dominanz der Oberzentren: Die Berufsschullandschaft verändert sich. Und der Gutachter spricht von „Veränderungen in einer Schärfe wie nie zuvor“.

Die Profile aller Schulen seien in Bewegung geraten, Gymnasien und auch Gesamtschulen seien „schon lange nicht mehr Schulen für eine Minderheit“. Die Schärfe des Veränderungsprozesses zeige sich auch an der „zunehmenden Verschlechterung der Ausbildungsperspektiven für Hauptschüler und Förderschüler“, bilanziert Krämer-Mandeau. Nahmen einst etwa fünf Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium auf, werde in naher Zukunft voraussichtlich die Hälfte eines Jahrgangs studieren. „In diesem sich dramatisch wandelnden Umfeld, in dem zunehmend hohe Qualifikation gesucht und geringe nicht nachgefragt wird, muss das Berufskolleg seinen Standort in der Spannweite zwischen Nachqualifizierung, beruflicher Erstausbildung und Weiterqualifizierung finden und behaupten.“

In der Eingangsstufe beträgt derzeit der Anteil der Hauptschüler 19 Prozent (28 Prozent im Schuljahr 2005/06), der Realschüler 18 Prozent (19), der Gesamtschüler 15 Prozent (16) und der Gymnasiasten 8 Prozent (8). „Diese Anteile aus den allgemeinbildenden Schulen sind rückläufig“, bilanziert Wolf Krämer-Mandeau. Eindeutig erhöht haben sich dagegen die Zugänge aus den Berufskollegs selbst. Deren Anteil in der Eingangsstufe ist von 22 auf 36 Prozent und bei der dualen Ausbildung von 28 auf 39 Prozent gestiegen. Der Gutachter spricht von „Qualifizierungsschleifen“, die wiederum dazu geführt haben, dass sich die Schülerzahl in der Eingangsstufe von 3290 Schülern im Schuljahr 2005/06 auf 2943 Schüler 2012/13 „noch nicht deutlich verringert“ hat.

Mittelfristig rechnet Krämer-Mandeau mit einem Rückgang der Berufsschüler im Kreis um 16 Prozent bis zum Schuljahr 2017/18, langfristig prognostiziert er bis zum Schuljahr 2023/24 einen Rückgang um 33 Prozent. Die Zusammenfassung von Bildungsangeboten in Oberzentren etwa bei Friseuren und Bäckern sei ein „Vorbote von weiteren Verabschiedungen aus der Fläche“. Die Konkurrenz der kleineren Standorte nehme zu.

„Eine weitere Verteilung zwischen Düren und Jülich ist ausgereizt“, sagt Krämer-Mandeau. Er empfiehlt, den Betrachtungsraum für weitere Überlegungen weiter zu fassen und mit anderen Kreisen nach einer Lösung zu suchen. Nur Kooperation könne eine starke Zentralisierung verhindern. „Der ländliche Raum wird ausbluten“, malt er ein mögliches Szenario, sollten die „Berufskollegs in der Fläche“ verschwinden. Durchaus Potenzial für einen Ausbau von Bildungsgängen sieht er in den Bereichen Erziehung und Altenpflege. Auch die Einrichtung eines „Beruflichen Gymnasiums Gesundheit“ empfiehlt er, ebenso den Ausbau von Bildungsgängen, die zur Hochschulreife führen. Angebote für Jugendliche, die schwer in eine Ausbildung vermittelt werden können und eine Vorbereitung brauchen, dürften nicht abgebaut werden. Um Abwanderungstendenzen entgegenzuwirken, müsse der Kreis auf Partnersuche gehen. Denkbar seien kreisübergreifende Berufskollegs mit zwei Standorten.

„In der Nachbarschaft haben wir bislang keine Gesprächspartner auf Augenhöhe gefunden“, bilanziert Landrat Wolfgang Spelthahn mit Blick gen Westen. „Partnerschaft bedeutet für mich nicht nur abgeben.“ Sowohl die Städteregion als auch der Kreis Heinsberg stünden vor gleichen Herausforderungen – bei einer ähnlichen Ausgangslage. Derzeit werde andernorts abgewartet. Spelthahn: „Die Macht des Faktischen wird uns noch als gleichberechtigte Partner an einen Tisch bringen.“ Doch der Kreis Düren möchte nicht tatenlos abwarten. „Wir haben Gespräche mit dem Kreis Euskirchen und dem Rhein-Erft-Kreis begonnen“, sagt Spelthahn. Er spricht von einer „neuen Dynamik“.

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