Kreatives Recycling: Aus Müll wird Kunst

Von: Bruno Elberfeld
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Christel Jäschke stellt unter dem Titel „Abrisse“ im Dürener Tor in Nideggen. Foto: Bruno Elberfeld

Nideggen. „Ich liebe es, Bilder zu kreieren, die ein Geheimnis verbergen“, verrät Christel Jäschke eine ihrer vielen Motivationen, Kunst zu machen. Der Begriff „malen“ braucht bei der Künstlerin eine Erklärung. Tatsächlich hängen einige Gemälde im Dürener Tor in Nideggen, die sie „nur“ gemalt hat: Acryl mit Pinsel auf Leinwand.

Das Gros ihrer Werke bei der Ausstellung „Abrisse“ hat aber einen anderen Werdegang.

Die zierliche Frau, die die Zeit des Mangels nach dem zweiten Weltkrieg nicht vergessen hat, sammelt alles Mögliche. Pappen, Wellpappe, alte Jute, Textilien aller Art, oft aus dem Nachlass ihrer Vorfahren noch, altes Papier, echte Baumblätter.

Christel Jäschke sieht in allen Dingen, weggeworfen oder nicht, die Möglichkeit, sie irgendwann auf einem ihrer Werke zu platzieren. Der Schrottplatz ist keine Einrichtung, um die die Malerin einen weiten Bogen macht, denn da kann sie Gegenstände finden, die sie in ihre Werke einbauen kann. Aus „Abrissen“ wird Neues. Überkommt sie die Lust, ein Bild zu kreieren, dann geht sie die Sache an, ohne Plan. Sie weiß nur, dass sie was machen muss. „Ich lasse mich von Farben und Formen leiten“, erzählt sie. Die Gegenstände, Papierstreifen, schon strukturiert oder durch eigenes Reißen in Struktur gebracht, Stoffreste aus Kleidern, Gardinen, Jutesäcken werden aufgeklebt.

Übermalung mit Acryl

Es folgt der Malakt. Mit Acryl werden die Gegenstände überbemalt. Es entsteht eine bunte Collage, mit viel Bewegung. Überall auf dem Gemälde ist was los. Hier und da kann der Betrachter Gesichter und menschliche Figuren ausmachen, die aus Illustrierten und Zeitschriften stammen. Christel Jäschke mag Menschen und ihre Gesichter, sie stehen für sie im Mittelpunkt des Universums. Auffällig eine Collage mit einem Foto der Eiskunstläuferin Anni Friesinger, das ein Paparazzo offenbar kurz nach dem Duschen von der Sportlerin geschossen hat. Vor das übermalte Porträt hat Christel Jäschke einen schadhaften Mäusedraht gesetzt. Der Betrachter hat, wie bei allen anderen Werken auch, die angenehme Last der Interpretation.

Die Laudatio zu „Abrisse“ hielt Bürgermeisterin Margit Göckemeyer, die einen kurzen Abriss der künstlerischen Laufbahn von Christel Jäschke gab. „Christel Jäschke ist eine Künstlerin, die mit Herzblut und Gefühlen an die Arbeit geht“, unterstrich Göckemeyer.

Begrüßt worden waren die Gäste von Hans Lövenich, dem frisch gewählten stellvertretenden Vorsitzenden des Kunst- und Museumsvereins Nideggen.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 13. Juli mittwochs von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 14 Uhr.

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