Kreis Düren - Krankenhaussterben? Dürener Kliniken schreiben schwarze Zahlen

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Krankenhaussterben? Dürener Kliniken schreiben schwarze Zahlen

Von: Stephan Johnen
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Das Krankenhaus Düren ist mit rund 1100 Mitarbeitern die größte Klinik im Kreisgebiet. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Viele Kliniken schreiben rote Zahlen. Elmar Wagenbach, Vorsitzender der Diözesangemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Bistum Aachen, schlägt Alarm. Einer Untersuchung zufolge stehe jede dritte Klinik in Deutschland vor dem Aus.

Das größte Problem: Die Kosten für Personal und Energie steigen, die Anpassungen der Klinik-Budgets hingegen halten nicht mehr Schritt. Den Kostendruck bekämen die Patienten in vielen Häusern zu spüren: Das Personal stehe unter Zeitdruck, der bauliche Zustand mancher Häuser sei schlecht, es werde am Essen gespart.

„Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert“, bilanziert Bernd Koch, Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft West (Ctw). Die Gesellschaft betreibt im Kreis Düren das St.-Augustinus-Krankenhaus Lendersdorf, das St.-Marien-Hospital Birkesdorf, das St.-Josef-Krankenhaus Linnich und das St.-Elisabeth-Krankenhaus Jülich. Auch Koch moniert, „dass tatsächliche Kosten für Tarif- und Sachleistungen sowie Haftpflichtversicherungen nicht refinanziert werden“. Gefahr für den Fortbestand der Kliniken sehe er aber nicht.

Mit Ausnahme Jülichs, „wo im schlechtesten Fall ein geringes Defizit in Höhe von 200.000 bis 300.000 Euro erwartet wird“, rechnen die anderen Ctw-Häuser mit einem leichten Gewinn, auch die Gesamtbilanz sei positiv. Die Situation in Jülich sei nach Schließung der Gynäkologie stabilisiert, in der Vergangenheit seien dort „ein bis zwei Millionen Euro Minus im Jahr“ aufgelaufen. Richtig sei, dass bei der Einstellung von Personal „zurückhaltender“ gearbeitet werde, weil die Finanzierung nicht möglich sei. „Der Zeitdruck ist vorhanden“, bestätigt Koch. Auf die Versorgung der Patienten soll dies jedoch keinen Einfluss haben

Wie die Finanzströme im Krankenhausalltag fließen, erklärt Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer des Dürener Krankenhauses: Geld erhalten die Häuser aus zwei Töpfen. Fördermittel des Landes gibt es für die Finanzierung des Bestandes, für Gebäude und Inventar samt Großgeräten. Den laufenden Betrieb finanzieren Krankenkassen auf Basis sogenannter Fallpauschalen. Alle medizinischen Leistungen werden katalogisiert, in ihre Einzelbestandteile wie Personalkosten und Materialeinsatz zerlegt und in ein Punktesystem übertragen. Verkürzt: Je komplizierter der Fall ist, desto mehr Punkte werden ihm zugeteilt und desto mehr Geld erhält das Krankenhaus.

Die Fördermittel seien jedoch seit Jahrzehnten auf dem gleichen Niveau. Die energetische Sanierung der Gebäude und die Anschaffung von Großgeräten seien damit nicht bezahlbar – und müssten mit Mitteln aus dem laufenden Betrieb gestemmt werden. In diesem Jahr habe die vom Land wegen des demografischen Wandels angeordnete Schließung der Kinderklinik das Krankenhaus zusätzlich belastet. „Aus sozialer Verantwortung haben wir das Pädiatrie-Personal komplett in andere Abteilungen übernommen“, sagt Blum. Dennoch rechne man für 2013 mit einer ausgeglichenen Bilanz.

„Düren hat eine gute Lage abseits der Ballungszentren. Dort gibt es Überkapazitäten“, sieht Bernd Koch gute Chancen für alle Kliniken im Kreisgebiet. Die Zusammenarbeit könne verstärkt werden, auch über Träger-Grenzen hinweg. Um den Fortbestand sicherzustellen, haben die Krankenhäuser Birkesdorf und Jülich Anträge an das Gesundheitsministerium gestellt, die wohnortnahe, geriatrischen Versorgung als weiteren Schwerpunkt auszuweiten und in Jülich neu aufzubauen.

„Als Schwerpunktversorger im Kreis Düren hat das Krankenhaus Düren gegenüber den Grundversorgern einen höheren Auftrag und ist deshalb spezialisierter“, sagt Gereon Blum. Dabei stünden die Behandlung von Krebserkrankungen, Erkrankungen der inneren Organe, des Herzens und des Bewegungsapparates besonders im Mittelpunkt. Diese Schwerpunkte sollen ausgebaut und weitere Investitionen unter anderem in ein Ärztehaus getätigt werden.

„Bettenabbau ist erklärtes Ziel der Regierung“, bilanziert Bernd Koch mit Blick Richtung Düsseldorf. Nur schließe kein Politiker eine Klinik. „Das geschieht aus wirtschaftlichen Gründen dann in der Regel von selbst.“

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