AZ App

Krankenhaus Düren: Schwarze Null statt roter Zahlen

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
4898983.jpg
Das Krankenhaus Düren ist die größte Klinik im Kreisgebiet. Foto: Johnen
4882256.jpg
Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer des Krankenhauses Düren.

Düren. Den Krankenhäusern ging es schon einmal besser. Jede dritte deutsche Klinik hat zuletzt rote Zahlen geschrieben. So lautet das Ergebnis des aktuellen „Krankenhaus Barometers“. Vor einer „Finanzierungskatastrophe“ warnt gar die Krankenhausgesellschaft NRW. Die Erwartungen der Kliniken für das Jahr 2013 seien noch pessimistischer. Rund die Hälfte der Häuser rechne mit einem defizitären Ergebnis.

Ohne eine neu ausgerichtete Finanzierung sei die wohnortnahe medizinische Versorgung in Gefahr. Auf der Internetseite www.kliniksterben.de lässt sich nachlesen, was derzeit in der Republik geschieht: Beinahe jede Woche meldet sich ein Krankenhaus vom Netz ab.

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Das Krankenhaus Düren schreibt eine schwarze Null. Im Gespräch mit der DZ erklärt Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer der größten Klinik im Kreis, wo die Schwierigkeiten der Krankenhausfinanzierung liegen. Und welche Probleme gelöst werden müssen.

„Wir haben als Haus in kommunaler Trägerschaft einen Auftrag zur stationären Versorgung“, sagt Blum. Will heißen: Die Klinik hält Angebote zu einer umfassenden medizinischen Versorgung der Bevölkerung vor, die sich rein marktwirtschaftlich betrachtet womöglich nicht immer rentieren. In der zentralen Krankenhausplanung der Landesregierung wird unter anderem festgelegt, wie viele Betten eine Klinik vorhalten muss, auf welche Fachgebiete sich eine Klinik spezialisieren darf, welche Gebiete medizinisch abgedeckt werden müssen.

„Wir arbeiten in einem reglementierten Markt“, sagt Gereon Blum. „Wir können nicht nur das machen, womit wir Geld verdienen können.“ Und das sei auch gut so, schließlich könne im Verbund mit weiteren Krankenhäusern in der Region so eine hochwertige Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden. Doch wirtschaftlich sei es deswegen nicht unbedingt leichter, eine Klinik zu führen und sie auch fit für die Zukunft zu machen.

Das größte Problem: Die tatsächlichen Kosten galoppieren davon, während die Anpassungen des Budgets nicht mehr Schritt halten. Das Krankenhaus Düren bekommt aus zwei Töpfen Geld: Fördermittel des Landes gibt es für die Finanzierung des Bestandes, für Gebäude und Inventar samt Großgeräten. Doch diese Mittel seien seit zwei Jahrzehnten auf dem gleichen Niveau. Die notwendige energetische Sanierung der Gebäude, die sich das Krankenhaus mehrere Millionen Euro kosten lässt, um später Geld bei den Energiekosten einzusparen, könne damit nicht finanziert werden. Gleiches gelte für die Anschaffung von Großgeräten. Das müsse auch mit Mitteln aus dem laufenden Betrieb geschehen.

Doch so einfach sei es nicht, Mittel aus dem laufenden Betrieb für Investitionen abzuschöpfen, sagt Blum. Den laufenden Betrieb finanzieren die Krankenkassen auf Basis sogenannter Fallpauschalen. Alle medizinischen Leistungen werden dabei katalogisiert, in ihre Einzelbestandteile wie Personalkosten und Materialeinsatz zerlegt und in ein Punktesystem übertragen. Verkürzt dargestellt: Je komplizierter der Fall und aufwendiger der medizinische Eingriff ist, desto mehr Punkte werden ihm zugeteilt und desto mehr Geld erhält das Krankenhaus als Pauschale.

Damit sind im Regelfall alle Kosten für den Eingriff abgegolten. Im Vorfeld verhandelt das Krankenhaus dabei mit den Kassen die Höhe der Fallzahlen. „Wir müssen uns heute Gedanken darüber machen, wie viele Patienten wir beispielsweise mit einer Hüftgelenkprothese im kommenden Jahr haben“, sagt Blum. Wird die Zahl unterschritten, bedeute dies Einbußen für die Klinik. Wird sie überschritten, muss das Krankenhaus bis zu 65 Prozent der Pauschale zurückzahlen. Kein Patient werde abgewiesen, betont Blum.

Das kann bedeuten, dass die Klinik bei hochspezialisierten Leistungen draufzahlt. „In sich funktioniert das System aber“, findet der Mediziner. Es sei eine Art Mischkalkulation. Aber es habe einen Nachteil: Der Austausch von Fenstern oder das Flicken eines Daches sei in den Betriebskosten nicht vorgesehen. Hinzu komme, dass Personal- und Energiekosten steigen, die Budgetanpassungen aber verzögert kommen – und die Lücke meist nicht schließen.

Und wie steht es um die Zukunft? „Nur mit Grundversorgung wird es schwierig“, bilanziert Blum. Jede Klinik versuche, sich zu spezialisieren und Schwerpunkte zu setzen. Auch die ambulante Versorgung werde ausgebaut. „Patienten suchen sich heute eine Klinik gezielt aus“, sagt der Krankenhaus-Geschäftsführer. Wettbewerb habe aber noch nie geschadet.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert