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Krankenhaus Düren betrogen? Falscher Arzt entlassen

Von: Ingo Latotzki
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Krankenhaus Düren Klinik
Ein falscher Arzt ist jetzt am Dürener Krankenhaus aufgeflogen. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Das Krankenhaus Düren hat am Freitag einen Beschäftigten angezeigt, der sich als Mediziner mit zweifachem Doktortitel ausgegeben hatte. Dem Mann wurde zudem wegen des Verdachts des Betruges und der Urkundenfälschung fristlos gekündigt.

Wie Krankenhaus-Sprecher Christoph Lammertz sagt, seien kürzlich Ungereimtheiten mit Blick auf die Promotionen des Mannes aufgefallen. Daraufhin habe das Krankenhaus recherchiert und festgestellt, dass der Mann, der mehrere Jahre für das Krankenhaus gearbeitet haben soll, offenbar keine Dissertationen verfasst hat. Weitere Nachforschungen ergaben, dass der Mann womöglich nicht nur die Promotionsurkunden gefälscht, sondern auch seine ärztliche Berufserlaubnis (Approbation) erschlichen haben könnte.

Informationen unserer Zeitung nach arbeitete der Mann über Jahre in der Allgemeinchirurgie, die Eingriffe im Bauchraum vornimmt. Er war an Operationen beteiligt, allerdings laut Krankenhaus nicht ohne Aufsicht eines anderen, verantwortlichen Mediziners. Zudem habe er eigenmächtig keine Diagnosen gestellt oder Therapien eingeleitet, versichert das Krankenhaus Düren.

„Guter Leumund“

Der Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, Jost Schützeberg, erklärt am Freitagnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung, dass er am Mittag telefonisch über den Vorgang informiert worden sei. Die schriftliche Strafanzeige wurde ihm für den Abend angekündigt. Der anwaltliche Vertreter des Dürener Krankenhauses wolle sie per Fax an die Staatsanwaltschaft senden.

Wie Krankenhaus-Geschäftsführer Gereon Blum sagt, sei der Mann „auf Basis eines guten Leumunds aus der Klinik, in der er vorher tätig war“, eingestellt worden. Seine Approbationsurkunde sei „wie üblich“ vor der Einstellung auf Echtheit geprüft und von der Bezirksregierung als echt bestätigt worden. Blum: „Wir hatten also keine Veranlassung, an seiner Qualifikation zu zweifeln.“ Auch die Arbeit des Mannes hätte dazu keinen Anlass gegeben. „Wir sind froh, dass wir uns nach dem Hinweis auf den vermutlich falschen Doktortitel intensiv mit der Vita des Mitarbeiters befasst haben und so das ganze Ausmaß des Falles aufdecken konnten“, so Blum.

Recherchen des Krankenhauses hätten ergeben, dass der Mann an der von ihm angegebenen Universität keine Doktor-Arbeit geschrieben habe. Die gleiche Auskunft habe das Krankenhaus von zwei weiteren Hochschulen erhalten, an denen er angeblich in einem zweiten Studienfach ein Diplom und einen weiteren Doktor-Titel erworben haben wollte, so das Hospital.

„Wir haben die Bezirksregierung noch einmal gebeten, die Echtheit der Approbation zu bestätigen“, sagt Krankenhaus-Sprecher Lammertz. Die Echtheit sei bestätigt worden. Nachforschungen beim Landesprüfungsamt ergaben dann, dass der Mann zwar Medizin studiert haben soll, aber vermutlich ohne einen Abschluss gemacht zu haben, so das Hospital. Das Zeugnis, das er bei der Bezirksregierung zur Erlangung seiner ärztlichen Zulassung vorgelegt hatte, „war womöglich gefälscht“. Die Bezirksregierung hat ebenfalls Anzeige erstattet.

Schon 2012 trennte sich das Krankenhaus von einem Mann, der vorgegeben hatte, Arzt zu sein und kurze Zeit auf der Urologie-Station arbeitete. Nachdem er trotz mehrmaliger Aufforderung keine Originale beibringen konnte, erkundigte sich das Haus bei der Bezirksregierung und erfuhr, dass er keine Zulassung hatte.

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