Krankenhäuser sorgen sich um die Pfleger

Von: Stephan Johnen
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„Das Berufsbild attraktiv halten“: Pfleger und Krankenschwestern sind gefragte Spezialisten. Foto: Johnen

Lendersdorf. Zwei Entwicklungen stellen die Krankenhäuser zunehmend vor Herausforderungen: 1. Die Patienten werden immer älter. 2. Die Patienten werden kränker. Gerade der zweite Punkt mag auf den ersten Blick verwundern. Ist „krank“ steigerbar? Polymorbidität nennen Mediziner es, wenn ein Mensch an mehreren Erkrankungen leidet. Und beide Punkte hängen zusammen.

„Vor 20 Jahren waren die Patienten im Schnitt deutlich jünger. Wer am Knie operiert werden musste, musste am Knie operiert werden. Ansonsten war er gesund“, nennt Gábor Szük, Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft West (ctw), ein Beispiel. „Heute leiden viele Patienten zugleich an neurologischen Erkrankungen, sind pflegebedürftig oder dement“, fügt Ursula Seeger, Pflegedirektorin am St.-Augustinus-Krankenhaus hinzu. Die Versorgung dieser Patienten stelle auch an das Pflegepersonal besondere Ansprüche. Die Frage, wie demografiefest die Krankenhäuser sind, sei nicht aus der Luft gegriffen.

In den vergangenen Jahren sei die Arbeitsbelastung der Gesundheits- und Krankenpfleger kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig sank die auch die Verweildauer der Patienten im Hospital. Ursula Seeger spricht von einer „Verdichtung der Arbeit“, die in der Vergangenheit auch Spuren hinterlasse habe, abzulesen am Krankenstand. Pflegedirektion und Geschäftsführung waren gefordert, nach Lösungen zu suchen.

So wurde beispielsweise bereits Personal geschult und eingestellt, das den Pflegern und Krankenschwestern den Rücken freihält und viele der administrativen Arbeiten übernimmt. „Der Bürokratismus ist ungemein gewachsen“, sagt Szük. Wer in der Pflege arbeite, soll auch Zeit für die Pflege haben, findet er. „In Zukunft werden wir noch mehr Tätigkeiten, die nichts mit dieser Kernaufgabe zu tun haben, Hilfskräften übertragen“, wagt er eine Prognose. Verbandsmaterial müsse nicht von einer examinierten Schwester sortiert werden.

Doch warum stellen Kliniken nicht einfach mehr Personal ein? „Dieser Punkt müsste den Kassen mehr Geld wert sein“, nennt Szük einen Aspekt. Wesentlich dramatischer allerdings sei perspektivisch die Tatsache, dass es je nach (Spezial-)Ausbildung kaum Arbeitskräfte auf dem Markt gebe. „Wir hatten zwei freie Stellen für den OP-Dienst, die mehrere Monate unbesetzt blieben“, berichtet Szük. Die Klinik musste auf Personaldienstleister zurückgreifen. Trotz erhöhter Ausbildungskapazitäten bestehe ungebremst hoher Bedarf. Die nächste Baustelle: Viele Pfleger und Schwestern würden nach einigen Jahren den Krankenhausalltag verlassen, um an anderen Stellen im Gesundheitssystem zu arbeiten. Abseits von Schichtdienst und Arbeitsverdichtung.

„Wir müssen es schaffen, die Verweildauer im Beruf zu erhöhen“, umreißt Ursula Seeger diese Herausforderung für die Zukunft, der sich die Kliniken bereits gestellt hätten. Fortbildung, flexible Arbeitszeitmodelle, die Chance, früh Verantwortung zu übernehmen – „Wir arbeiten daran, das Berufsbild attraktiv zu halten“, sagt die Pflegedirektorin. Im derzeit in Lendersdorf entstehenden Erweiterungsbau wird es ein Betreuungsangebot für die Kinder der Mitarbeiter geben.

Eine wichtige Rolle spiele auch das Führungspersonal. „Die Führungskräfte müssen lernen, Mitarbeiter zu binden. Wenn sich jemand mit dem Gedanken umtreibt, zu gehen, ist es schon zu spät“, sagt sie. Der Wettbewerb um die besten Köpfe habe begonnen. „Wir wollen in unserem Pflegebildungszentrum am St.-Marien-Hospital den Pflegeberuf mitgestalten und weiterentwickeln“, gibt Gábor Szük die Richtung für die ctw vor.

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