Kraft, Technik, Taktik - und Geselligkeit

Von: Stephan Johnen
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Den Stock möglichst nah an die „Daube” legen - das ist das Ziel beim Asphaltstockschießen. In Niederau wird es meisterhaft beherrscht. Foto: Johnen

Niederau. Die Sache mit dem Eisstockschießen hat einen Haken: die Witterung. Wer seinem sportlichen Hobby frönen will - und gerade keine Eissporthalle zur Hand hat - braucht einen zugefrorenen See.

Eine Lokalität, die in unseren Breiten den größten Teil des Jahres eine Mangelware ist - und daran ist nicht einmal ausschließlich die globale Erwärmung schuld. Dass es in Niederau dennoch seit 20 Jahren den „Sportclub für Asphalt- und Eisstockschießen” (SCAE) gibt, ist wohl kniffligen Erfindern zu verdanken, die die Stöcke kurzerhand von Eis für Asphalt umrüsteten. Und ein großes Stück weit auch der österreichischen Partnerstadt Altmünster.

Exoten im Dürener Land

Dort nämlich gehört das Stockschießen im Sommer und im Winter zum gesellschaftlichen Leben - etwa wie der Karneval im Rheinland. Kein Wunder, dass am Elften im Elften des Jahres 1988 eine Delegation aus Niederau auf spiegelglattem österreichischen Eis über diese Sportart stolperte - und sie flugs an die Rur importierte. „Wir sind damals wie heute Exoten im Dürener Land”, sagt Wolfgang Floß vom Verein. Doch der Sportclub, der heute 120 Mitglieder zählt und in der Oberliga spielt, hat sich in dieser Exoten-Rolle gut etabliert.

Am Wochenende wird auf der vereinseigenen Asphalt-Schießbahn am Franz-Josef-Keimes-Sportplatz Geburtstag gefeiert. 15 Mannschaften haben sich bereits angemeldet, ungeübte Gäste sind herzlich eingeladen, selbst bei einem Wettbewerb den großen Wurf mit den 3,5 Kilogramm schweren Stöcken zu versuchen.

Im Unterschied zum Curling ist es beim Stockschießen Ziel, das Sportgerät möglichst nahe an den „Daube” getauften Gummiring zu platzieren. Die Daube kann während des Spiels die Position wechseln: Wird sie von einem Stock aus dem markierten Zielgebiet geworfen, wird sie in der Mitte neu platziert. Dadurch kann die ganze Taktik einer Mannschaft zunichte gemacht werden. Dass der „Stock” über den Asphalt schliddert, liegt an einem besonderen Kunststoffboden. Im Winter wird dieser gegen Gummi ausgetauscht, sofern denn der Schlossweiher zugefroren ist.

„Nicht nur Kraft zählt, sondern vor allem Technik und Taktik”, erläutert Michael Kessel, der oberste Asphaltstockschießer, die richtige Herangehensweise an den exotischen Sport. Wer mit dem Stock Kegeln möchte, kann vermutlich auch gleich versuchen, mit Sandalen im Winter die Alpen zu überqueren. Nach kräftigem Schwungholen wird der Stock mehr oder weniger auf die Bahn „gesetzt” - danach schlingert er Richtung Daube. Für den Sportler bleibt: Bangen, Zittern, Jubelsprünge, Haareraufen - je nach Handicap und Übung. „Es sammeln sich immer viele Zuschauer. Und wir erklären seit 20 Jahren, was wir hier machen”, sagt Wolfgang Floß. Und schmunzelt. Er mag den Gedanken, dass dieser Sport einst Adel und Bauern auf der Eisfläche zusammenführte - und auch heute noch eine unglaublich kommunikative Sache sei. Das Spiel ist das eine, das gesellige Drumherum das andere, findet Floß. Zum Dorfturnier sind meist hunderte Menschen gekommen. Davon geht der Organisator auch in diesem Jahr aus.

„Das ist ein Sport für Kinder und Menschen bis ins hohe Alter. Unser ältester Spieler ist 83”, sagt Michael Kessel. Was die Faszination ausmacht? Der Sportler überlegt, versucht eine Erklärung. „Das ist ein Gefühl, nur schwer in Worte zu fassen”, sagt er. „Am besten Sie probieren es aus!” Warum nicht am Wochenende?

Am Wochenende wird gefeiert, unter anderem mit einem Dorfturnier

Der Sportclub für Asphalt- und Eisstockschießen wurde vor 20 Jahren gegründet, die eigene Bahn erhielt er 1992 von der Stadt. Am Samstag, 26. Juni, und Sonntag, 27. Juni, wird gefeiert. Samstags startet um 14 Uhr das Dorfturnier, ab 18 Uhr kann sich jeder Interessierte beim Preisschießen versuchen. Dieses wird sonntags ab 11 Uhr wiederholt, um 14 Uhr startet das Prominententurnier.

Trainiert wird beim Sportclub mittwochs ab 17.30 Uhr und sonntags ab 10.30 Uhr am Franz-Josef-Keimes-Sportpark. Gäste sind dazu herzlich willkommen, der Verein bietet auch Besuche in Schulen an.

Weitere Infos gibt es bei Michael Kessel unter 02421/ 500888.

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