Koordinatensystem für die Krebsvorsorge

Von: Sarah Maria Berners
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Wissensexport: Die weiß-roten Streifen bilden ein Koordinatensystem für die Tastuntersuchungen: Katrin Zirke (links) vom Berufsförderungswerk zeigt den Kolumbianerinnen Karin Elizabeth Asprilla Rosero (v.l.), Claudia Maritzu Ruiz und Piedad del Socorro Diaz Rojas wie es geht. Foto: smb
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Auch die Lymphknoten über und unter dem Schlüsselbein werden untersucht.

Düren/Bogotá. „Wir tragen eine große Verantwortung“, sagt Piedad del Socorro Diaz Rojas. Hochkonzentriert sitzt die Kolumbianerin vor einem Frauenmodell aus Kunststoff, ganz genau prägt sie sich das Koordinatensystem ein und die Reihenfolge, in der eine Brust abgetastet werden muss.

Mit dem Druck ihrer Finger prüft sie Zentimeter für Zentimeter, ob sich in dem Übungsmodell eine Verhärtung findet. Im echten Körper einer Frau könnte diese Verhärtung ein Zeichen für einen Tumor sein, für Brustkrebs.

Piedad del Socorro Diaz Rojas Aufgabe wird es in Zukunft sein, blinden Kolumbianerinnen beizubringen, wie solche Tastuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs funktionieren. Mit Karin Elizabeth Asprilla Rosero und Claudia Maritzu Ruiz hat sie vier Wochen lang im Berufsförderungswerk in einem sogenannten „Trainiere den Trainer-Programm“ intensiv alle Grundlagen erlernt, um in ihrer Heimat blinde Frauen zu schulen. Die Tastuntersuchungen sollen in das dortige Gesundheitssystem eingebunden werden.

„Das bringt zwei Vorteile“, sagt Claudia Maritzu Ruiz. „Zum einen können die Frauen dann einen Beitrag zur Früherkennung leisten und damit die Heilungschancen erhöhen, zum anderen können sie so in Arbeit gebracht werden. Das ist für blinde Frauen in Kolumbien schwierig.“ Aber auch die Wissensvermittlung ist eine Herausforderung. Es ist gar nicht so einfach, blinden Personen beizubringen, wie Tastuntersuchungen ablaufen. „Es handelt sich um eine medizinische Dienstleistung. Da ist es besonders wichtig, dass die Qualität immer gleich bleibt“, betont Katrin Zirke, die die Trainerinnen ausbildet. Bei der Methodik müsse man sich streng an die Regeln halten. „Da gibt es keinen Spielraum.“

Deswegen üben die Frauen auch, wie sie Blinden das Wissen weitergeben können: Katrin Zirke schließt die Augen. Karin Elizabeth Asprilla Rosero führt ihre Hand unterhalb des Schlüsselbeins und zu den Achselhöhlen, zeigt ihr so, welche sie untersuchen muss. Katrin Zirke öffnet die Augen. „Well done“, „Gut gemacht“, lobt sie. Überhaupt seien die drei Kolumbianerinnen, die mit Hilfe von Dolmetschern unterrichtet werden, sehr wissbegierig und emsig. „Sie müssen alles ganz genau wissen, um künftig ausbilden zu können“, betont Zirke.

Aber die Ausbildung setzt nicht erst bei der eigentlichen Untersuchung an einem früheren Punkt an: Wie findet man überhaupt geeignete Frauen?

„Die Auswahl ist sehr wichtig. Die Frauen müssen zum Beispiel einen sehr guten Tastsinn haben. Sie müssen aber auch kommunikativ sein und mit Computern umgehen können“, nennt Zirke drei Beispiele. Schließlich müssten die Tastuntersucherinnen die Ergebnisse ihres Gespräches und der Untersagung für den Arzt in einem Fragebogen festhalten. „Für die Diagnose ist der Mediziner zuständig, er entscheidet über das weitere Prozedere“, betont Zirke.

Die Basis für die eigentliche Tastuntersuchung, die je nach Größe der Brust 30 bis 60 Minuten dauert, ist ein Koordinatensystem aus selbsthaftenden Streifen. Zunächst müssen die Auszubildenden lernen, wie dieses aufgebracht werden muss. Dann lernen sie, sich bei den Untersuchungen an diesem System zu orientieren, die entsprechenden Bereiche systematisch abzutasten und eventuelle Funde genau zu lokalisieren und zu beschreiben. „Wichtig ist es darauf zu achten, die verschiedenen Gewebeebenen mit unterschiedlichem Druck zu untersuchen“, erklärt Karin Elizabeth Asprilla Rosero. Das in Düren erworbene Wissen werden die Kolumbianerinnen nun in ihrer Heimat weitergeben. Auch Österreicherinnen und Deutsche wurden in Düren ausgebildet. In Berlin hat in diesem Jahr ein Zentrum für Medizinische Tastuntersuchungen eröffnet, in der Region wird sie in einer Kreuzauer Praxis angeboten. Die Kosten werden nicht von allen Kassen erstattet.

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