Düren - Konzert in Annakirche: Wohlklänge versetzen in alte Zeiten

Konzert in Annakirche: Wohlklänge versetzen in alte Zeiten

Von: Bruno Elberfeld
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„Cembaless“ – Shen-ju Chang, Elisabeth von Stritzky, Stefan Koim, Brendan O´Donnell, Anabell Opelt und Robert Vermeulen (v.l.) – brillierte in der Annakirche. Foto: bel

Düren. Die leider nur wenigen Gäste vor dem Annaschrein in der Annakirche erlebten beim Konzert von „Cembaless“, einer sechsköpfigen Formation junger Musiker, ein bis in die Details inszeniertes Konzert. Es brillierte durch technisches Können auf hohem Niveau und einer empathischen Performance in ausgewählter Sprache, in Deutsch, Englisch, Italienisch und Latein.

Als sehr angenehme Begleiterscheinungen kamen die anmutige Gestik und Mimik, natürlich und unaufdringlich, daher. Das Licht in der Annakirche ist schummrig. Eine schwarz gekleidete junge Frau tritt auf – sie wird später verschiedene Blockflöten spielen – und trägt einen Text vor. Alle Geschichten, Verse und Lieder sind dem „Dekameron“ Giovanni Boccaccios entnommen. Es sind besinnliche Texte, die sich über das Leben, die Liebe und sonstige zwischenmenschliche Beziehungen verbreiten.

Der jungen Frau folgen unter sphärisch anmutenden Klängen die anderen Musiker, unter ihnen eine Sängerin. Einige Instrumente sehen ungewöhnlich aus, sie stammen aus einer anderen Zeit. Die Sopranistin lässt beim Einzug schon erkennen, was die Hörer von ihr im Laufe des Abends zu hören bekommen werden.

Die Erwartungen der Gäste waren hoch. Die Neugierde, wie die aus der Mode gekommene Arciliuto, auch als Erzlaute oder Barocklaute bekannt, die Barockgitarre, die kleine und die große Gamba sowie die verschiedenen Blockflöten zusammenklingen würden, erzeugte Spannung.

Es war ein Konzert mit Werken vom Ende des 15. bis zu den Anfängen des 17. Jahrhunderts, voller Wohlklänge, animierend zu Wohlgefühlen, ohne dabei in Gefühlsduselei abzudriften, wenn Sängerin Elisabeth von Stritzky mit ihrer variablen Stimme Lieder von Liebe und Sehnsucht, von Leben und Vergehen interpretierte.

„Madre non mi far monaca“ – Mutter, schick mich nicht fort – der Song eines Anonymus um das Jahr 1600, in dem eine junge Frau ihre Mutter anfleht, sie nicht ins Kloster zu schicken. Die Liebeserklärungen von Nicola Francesco Haym (1678-1729) in Protokollform überzeugten ebenso wie „Und ist mein Kavalier zurückgekommen“ von John Blow (1649-1708) in altem Englisch, was noch einmal eine andere Klangfarbe in das Konzert brachte.

Stücke von Alessandro Scarlatti (1660-1725) und Claudio Monteverdi (1567-1643) und anderen spiegelten die klangvolle Fülle der Musik einer Epoche wieder, als diese noch zum Lob und Ruhme Gottes komponiert und gespielt wurde.

Die Musiker bedienten nicht nur ihre Instrumente, sondern sie schlüpften in Rollen, um mit Tönen und Melodien, Worten und Sätzen, Gestik und Mimik auf harmonische Art und Weise Erzählungen und Anekdoten aus der Vergangenheit in die Jetztzeit zu transportieren. Es waren Geschichten, die so oder zumindest so ähnlich auch heute noch passieren könnten.

Begrüßt wurden die Besucher von Kantor Hans-Josef Loevenich, der gespannt wartete, wie wohl die alte Musik auf alten Instrumenten ohne Tasteninstrument, also „Cembaless“, klingen würde.

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