Düren - Konzert als Feuertaufe für neue Kapelle

Konzert als Feuertaufe für neue Kapelle

Von: bel
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Sylvia Claßen-Baron, Martin Claßen und Jörg Grundner (v.l.) gaben als erste ein Konzert in der Emmaus-Kapelle auf dem evangelischen Friedhof.

Düren. Die Besucher mussten sich auf das Konzert am zunächst ungewöhnlichen Ort einlassen. Liedermacher Martin Claßen, Bassist Georg Grundner und Sängerin Sylvia Claßen-Baron gastierten als erste Musiker in der neu erbauten Trauerhalle der Evangelischen Gemeinde, auch Emmaus-Kapelle genannt.

Die Emmaus-Kapelle steht auf dem Friedhof an der Kölnstraße unweit des ebenfalls neuen Columbariums, in dem Verstorbene in Urnen ihre letzte Ruhestätte finden. Ein Konzert auf einem Friedhof? Hier und da gewöhnungsbedürftig, denken viele Menschen doch, dass die Toten auf dem Friedhof der Ruhe bedürfen.

„Diese Kapelle soll ein Raum sein für Freud‘ und Leid“, erklärte Stefan Iseke, Kantor der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Neben Konzerten soll es Lesungen, Vorträge und Diskussionen geben, zählte Iseke weitere Nutzungsmöglichkeiten der Trauerhalle auf. „Und ganz wichtig“, erklärte der Kantor, „hier soll kein exklusiver Club entstehen!“

Das allererste Konzert mit Claßen und Band sollte die Feuertaufe für den Raum sein, die sie – das Ergebnis vorweg – glänzend bestanden hat. Denn schon die Auswahl der musikalischen Akteure für diese Premiere zeigte, dass Konzerte in keiner Weise als störend empfunden werden, wenn die Agierenden um die Besonderheit des Ortes wissen und ihre Produkte anpassen.

Martin Claßen und seine Mitstreiter schauen mit ihren Songs intuitiv auf diese Welt, die zurzeit vielerorts aus den Fugen gerät. Diese Dissonanzen fangen bei jedem Menschen selbst an, wenn er nicht mehr mit seinen Gefühlen und Gedanken im Einklang ist. Reizüberflutung, der dauernde Erreichbarkeitswahn, Zweifel und Selbstsicht machen krank.

Claßen und Claßen-Baron singen empathisch von gefangenen Gefühlen, denen sie das Loslassen predigen. Sie beschwören in „Gemeinsam“ das kollektive Handeln, wünschen sich, dass sie anstelle von Apps, Tweets und Mails mal wieder ein handgeschriebener Brief erreicht.

Die Flucht aus dieser unwirschen Welt macht mit „Nur das Träumen“ eine Heilphase durch. Währenddessen verkaufen „Des Teufels Freier“ Waffen in Kriegsgebiete und erscheinen im Nadelstreifenanzug mit einem Scheck für die Kinder dieser Welt auf dem Bildschirm. Zu all‘ diesem Elend „Schweigen die Engel“, denn weinen können sie nicht.

„Die Reise ans Ende deiner Zeit“ und „Im Takt der Gezeiten“ beschreiben Älterwerden und Abschiednehmen. In der Bedrohung durch Elend, Krieg, Vertreibung, Hunger und Not leuchtet in den Liedern Claßens immer wieder Hoffnung durch. Liebe und Vertrauen, davon sprechen viele Songs, könnten den Globus und seine Bewohner heilen.

Bis auf drei Lieder stammten alle aus der Feder Martin Claßens. Mit Texten von Jaques Brel und Klaus Hoffmann zeigten Claßen & Co., wo die musikalische Reise herkommt und wo sie hingeht.

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