Kontrolle muss sein für „ungetrübten” Badespaß

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Thomas Jäger hat aus dem Dürener Badesee eine Probe entnommen, um den PH-Wert zu bestimmen. Andere Proben werden im Labor mikrobiologisch untersucht. Foto: Vallata

Kreis Düren. Thomas Jäger sitzt in einem roten Gummiboot, runzelt die Stirn und schaut dem wolkenverhangenen Himmel entgegen, obwohl er eigentlich ganz andere Dinge im Blick hat. An erster Stelle geht es ihm um die Qualität des Dürener Badeseewassers viel weiter unten.

„Die kann nur der da oben beeinflussen.” Thomas Jäger macht sich in diesem Punkt keine Illusionen. Seit 30 Jahren steht er als Kontrolleur in Diensten des Kreisgesundheitsamtes, Abteilung Infektionsschutz und Umweltmedizin. Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

Zum Einsatzgebiet des 60-Jährigen zählen gerade in den Sommermonaten stark frequentierte Gewässer wie der Badesee. Aber im Gegensatz zu Frei- und Hallenbädern, in denen Chlor und Filteranlagen den Inhalt der Becken ständig von unerwünschten Inhaltsstoffen befreien, müssen sich die Betreiber natürlicher Gewässer ganz auf das reinigende Wirken der Umwelt verlassen.

Oder auf göttlichen Beistand. Im Fall des Badesees gab es in der Vergangenheit nie Grund zur Beanstandung. „Das Wasser ist von ausgezeichneter Qualität”, lobt Jäger. Trotzdem muss er regelmäßig tun, was nun einmal getan werden muss: kontrollieren nach bestem Wissen und Gewissen.

Dazu steigt er während der Badesaison von Mitte Mai bis Mitte September alle vier Wochen mit Klaus Schüller, dem Leiter des Badesees, in ein Gummiboot und legt - ausgerüstet mit allerlei Messgeräten und Behältern, die er in einem schwarzen Koffer bei sich trägt - in Richtung Schwimmzone ab.

Dort angekommen, misst Jäger die Wassertemperatur, den PH-Wert, die Sichttiefe und entnimmt Proben, die im Hygiene-Institut Eschweiler auf ihre mikrobiologische und chemische Zusammensetzung hin untersucht werden. Die größten Feinde eines ungetrübten Badespaßes tragen komplizierte Namen wie Escherichia coli und Intestinale Enterikokken.

Dabei handelt es sich um Darmbakterien, die krankheitserregend sein können, wenn ihre Konzentration über bestimmten Grenzwerten liegt. Und dann? „Wenn es hart auf hart kommt, müsste man ein Badeverbot aussprechen”, erklärt Jäger. Dieser Fall trete glücklicherweise extrem selten auf.

Ab und an muss der Gesundheitsaufseher bei seinen Außeneinsätzen regelrecht Überzeugungsarbeit leisten, um Betroffenen die Sinnhaftigkeit seines Tuns zu vermitteln. „Ich versuche es mit viel Freundlichkeit”, sagt er. „Mit der Brechstange ranzugehen, bringt nichts.” Manche Menschen würden ihm per se mit einer gewissen Skepsis begegnen, weil sie schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht hätten.

Dem versucht Jäger entgegenzuwirken, indem er ganz genau erklärt, was er macht und warum er es machen muss. Bei seinen Rundgängen über den Badesee nimmt er nicht nur die Badezonen in Augenschein, sondern auch sämtliche Sanitäranlagen inklusive der Wasserleitungen. Bei Problemen mit der Sauberkeit ist erst einmal eine Desinfektion angesagt.

Neben der Überwachung von Schwimmbädern und Badegewässern ist die Abteilung Infektionsschutz und Umweltmedizin unter der Leitung von Dr. Gabriele Heuser unter anderem auch für Gesundheitsfragen in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen zuständig.

Neun Mitarbeiter sind dort beschäftigt, darunter zwei Ärztinnen, ein Apotheker, ein Gesundheitsingenieur, drei Gesundheitskontrolleure und zwei medizinisch-technische Assistentinnen. Insgesamt beschäftigt das Gesundheitsamt 62 Angestellte.
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