Konrad Beikircher und Band überzeugen im Haus der Stadt

Von: Hannes Schmitz
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Konrad Beikircher und seine Musiker bescherten dem Publikum im Haus der Stadt einen wundervollen Abend. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Intelligentes, hintergründiges und zeitweise urkomisches Kabarett, Musik und „Episödchen“: Konrad Beikircher ist im Haus der Stadt in seinem Element gewesen, als er eine fulminante Zeitreise in die 50er Jahre des vergangen Jahrhunderts antrat.

Von einem „unterschätzten und verkannten Jahrzehnt“ sprach der Bonner Kabarettist und zitierte den ungarischen Schriftsteller Péter Esterházy, der gesagt hat: „Es ist verdammt schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt.“ Und die, fügte er entschuldigend hinzu, kannten die Menschen damals nicht und er folgerte: „Also waren sie aufrichtig, auch in ihrem Glauben, dass eine Plastiktüte über dem Kopf sie schützt, falls die Atombombe kommt und mit ihr die Radioaktivität“.

Das war ein ernster Moment an diesem Abend, durch den der begnadete Entertainer mit seiner sonoren Stimme, die auch trefflich die Noten traf, führte. Als der Südtiroler mit rheinischem Dialekt die Zuschauer bat: „Wenn Sie mitsingen täten, wäre das schön“, ließ sich das Publikum nicht zweimal bitten und machte den Saal zu einer „Ü-60-Mitsing- und Erinnerungsparty“.

Im Eiltempo ließ Beikircher die 50er Jahre Revue passieren, unterstützt von seinen hervorragenden Musikern Matthias Raue, Martin Wagner und Hanns Höhn, die in ihrem musikalischen Teil zu einem Schlagerexpress wurde und in eine Zeit zurück führte, „in der die Menschen die Füße nach dem langen Marschieren zum Tanzen wiederentdeckten“.

„In den 50er Jahren hat man entdeckt, dass es Zukunft gibt“, sagte Konrad Beikircher und beschrieb die Dekade als ein Jahrzehnt der Sehnsucht.“ Darauf waren auch die Schlagertexte abgestimmt, die Stars von damals wie Caterina Valente, Freddy Quinn, Bruce Low, Lolita, Zarah Leander oder Lale Andersen trällerten.

Hingebungsvoll sang Beikircher die Schlager voller Liebe und Sehnsucht, schmolz fast dahin und wurde plötzlich „rockig“, als er die ersten Vorboten des Rock‘n‘Roll ankündigte und für ein kollektives Wiedererkennungserlebnis sorgte.

Den Blick für die Ironie verlor er dabei nicht. Er beschrieb den in weißem Hemd und „gebügelter Jeans“ gewandeten Peter Kraus als Rock‘n‘Roller „für den öffentlichen Dienst“ und sein Pendant „aus dem gleichen Stall“, Ted Herold, als Symbolfigur für die „Halbstarken“.

Texte genüsslich seziert

Auch sezierte er genüsslich einige Texte und erklärte das „Schön, schön, schön war die Zeit“ zu einem Hit, der die 50-er Jahre ironisierte und karikierte.

Da wurde an Namen wie Vico Torriani erinnert, der mit seinen Spaghetti a la Bolognese das deutsche Gericht „Nudeln mit Gehacktes“ ablöste, an den ersten Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, der überhaupt nicht kochen konnte. Mit Wortwitz und kesser Lippe führte der Allrounder den Fortschritt mit Nyltest-Hemden und Röhrenradios vor.

Für den Protagonisten auf der Bühne war das Jahrzehnt aber auch eine Zeitspanne, in dem die Jugend zum ersten Male „seit den Neandertalern“ aufmüpfig wurde und eigene Vorstellungen am Nierentisch mit den Cognac-Schwenker äußerte.

Im Blickpunkt stand auch die Werbung, und für Beikircher war der „Hit“ die Medima-Werbung „Medima, im Schritt eine Wohltat, aber der größte Liebestöter aller Zeiten. Bis Du die bei der Frau mal runter hattest...“ und fragte süffisant scheinheilig die Männer unter dem Gelächter der Frauen: „Erinnern Sie sich?“

Entertainment vom Feinsten bot Konrad Beikircher, ein exzellenter Beobachter und Chronist der Dekade und ein Schlagersänger, der nicht nur mit „Tom Dooley“ oder „Que sera“ ins Herz des Zuhörer traf, sondern mit dem damals anrüchigen und schnell verbotenen Song „Laila - heute Nacht will ich dich wiederseh’n, küsse mich und quäle mich, denn ich liebe nur dich!“ auch die Prüderie dieser Jahre bloß stellte.

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