Konkurrenz auf den Dächern: Den Schornsteinfeger frei wählen

Von: ink
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Uber den Dächern von Düren: Paul Schmalbein ist Schronsteinfeger für den Bezirk Gürzenich, Birgel und Mariaweiler. Der Innungssprecher glaub nicht, dass das neue Gesetz im Sinne der Kunden ist. Foto: ink

Düren. Die Herren - und wenigen Damen - tragen Schwarz, wenn sie ihren Kunden auf das Dach steigen. Schornsteinfeger, das war über Generationen ein krisensicherer Job mit staatlich garantiertem Einkommen.

Für die einen ist der schwarze Mann Glücksbringer, für seine Kritiker jedoch bloß der Inhaber einer behördlich ausgestellten Lizenz zum Gelddrucken. Das so genannte Kehrmonopol wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

Doch bald dürfte es damit vorbei sein. Mit dem neuen Schornsteinfegergesetz, das Ende 2008 verabschiedet worden ist und das den Bundesrat passiert hat, muss sich die Branche dem Wettbewerb öffnen. Damit folgt die Politik einer Forderung der EU, die Dienstleistungsfreiheit reklamiert hatte.

Paul Schmalbein ist seit 1982 Schornsteinfegermeister in einem von 29 Kehrbezirken des Kreises Düren und zugleich Sprecher der Schornsteinfegerinnung Aachen. In Gürzenich, Birgel und Mariaweiler steigt er seinen Kunden auf das Dach, überprüft Feuerstätten, kontrolliert den Kohlenmonoxid-Gehalt und Abgasverlust von Heizungsanlagen und wacht über die Einhaltung von Brandschutzvorschriften.

In einem Gürzenicher Eigenheim steigt Schmalbein zuerst in den Keller. Dort hat der Hausherr einen Ofen an den Kamin angeschlossen, der an kalten Tagen für ein wenig Wärme im Souterrain sorgen soll. Ein kurzer Blick in den kleinen Kessel, auf das Ofenrohr, dann notiert Schmalbein: alles in Ordnung. Der Ofen ist korrekt angeschlossen.

Dann steigt der Handwerksmeister auf das Dach und setzt moderne Technik ein: Die Kamera, die an einem langen Kabel in den Kamin hinuntergelassen wird, liefert detaillierte Ansichten aus dem Schornstein und offenbart einen kleinen Mangel. In wenigen Tagen wird der Hauseigentümer zusammen mit dem Protokoll der Überprüfung die Gebührenrechnung des Schornsteinfegers erhalten. Im nächsten Jahr sieht man sich wieder.

Oder auch nicht. Denn künftig können Hauseigentümer nach dem Willen des Gesetzgebers ihren Schornsteinfeger für bestimmte Arbeiten frei wählen. Die Kehrbezirke werden nach einer Übergangsfrist öffentlich ausgeschrieben und für sieben Jahre vergeben. Bewerben können sich natürlich auch die jetzigen Inhaber.

Wer den Zuschlag erhält, wird auch weiterhin in seinem Bezirk für bestimmte hoheitliche Aufgaben, Kontrollen, zuständig sein. Doch für Kehren und Überprüfungen von Anlagen, Arbeiten also, die keine Kontrollen beinhalten, kann der Hauseigentümer seinen Schornsteinfeger frei wählen.

Ob das im Sinne der Kunden ist, wird von Schmalbein stark bezweifelt. Denn wird beispielsweise das Kaminkehren nicht vom bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger, sondern von einem anderen Fachbetrieb ausgeführt, so muss der Nachweis der Arbeiten auf einem Formblatt dokumentiert und dem im Bezirk zuständigen Schornsteinfeger ausgehändigt werden. Damit werde der Aufwand für Hauseigentümer und -verwalter größer, urteilt Schmalbein.

Die Verantwortung werde auf Eigentümer und Betreiber übertragen. Der Sprecher der Innung geht davon aus, dass bei Fremdvergabe auch die Kosten steigen werden. Schmalbein: „Es ist kaum davon auszugehen, dass mit der Neuregelung Schornsteinfeger aus Belgien, Holland und Frankreich in Scharen ihre Dienste bei uns anbieten.”

Deshalb steht für ihn fest: „Die meisten Kunden werden sich auf bewährte Arbeit verlassen und keine Lust haben, den Anbieter zu wechseln.”

Kehrbezirksmodell gilt noch bis 2012

Das bestehende Kehrbezirksmodell soll nach dem Willen des Gesetzgebers noch bis 2012 gelten. Damit soll dem Handwerk ein gleitender Übergang in einen von Wettbewerb geprägten Markt ermöglicht werden.

Danach wird ausgeschrieben und zugleich das bisher für Schornsteinfeger geltende Verbot von Nebentätigkeiten aufgehoben werden.

Das eröffnet neue Perspektiven für die Männer und Frauen in Schwarz, die sich Chancen auf dem Gebiet der Energieeinsparung und im Umweltschutz ausrechnen.
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