Komödie „Lysistrata“: Frauen kämpfen um ihre Rechte

Von: Bruno Elberfeld
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Aufführung der „Stift“-Schüler: In „Lysistrata“ versuchen die Männer, ihre Frauen mit der Entführung ihrer Kinder zu erpressen. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Junge Frauen in weißen Gewändern schwingen Besen, befreien Nischen und Ecken von Unrat und Staub. Bis sie dann urplötzlich ihre Reinigungsinstrumente in Schlagstöcke verwandeln. Rhythmisch schlagen sie aggressiv auf den Boden. Da machen sich Wut und Zorn Luft. Das ist der Anfang der Komödie „Lysistrata“, geschrieben von Aristophanes und uraufgeführt 411 vor Christus.

Jetzt wurde sie vom Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 des Stiftischen Gymnasiums in die aktuelle Zeit übertragen.

Zurück zum Inhalt: Bereits zwei Jahrzehnte führen Athen und Sparta Krieg gegeneinander. Die Athener Männer sind dauernd im Krieg und kommen nur für einen Fronturlaub von vier Wochen nach Hause. In dieser Zeit wollen die Soldaten nachholen, was sie während der Zeit an der Front vermissen. Die Athener Frauen jedoch nervt diese Situation.

Eine von ihnen, Lysistrata, führt ihren Leidensgenossinnen ihre Situation vor Augen: Die Störche bleiben aus und mit ihnen auch die Babys. Alldieweil die Männer ja nur vier Wochen Zeit haben, neue Kinder zu zeugen. Schlimm wird es, wenn zum Ärger der Erzeuger nur Mädchen geboren werden. Und was passiert mit den Knaben? Sie sind dazu berufen zu sterben, meist auf dem Schlachtfeld.

Lysistrata überzeugt die Frauen mit Hilfe der Spartanerin Lampito, die schlimme Situation an der Wurzel zu packen. „Der Krieg muss weg!“ Dieses Motto schreiben die Athenerinnen sich auf ihre Fahnen. Sie besetzen die nur für Männer zugängliche Akropolis und verschanzen sich dort.

Die heimkehrenden Soldaten versuchen mit Drohungen, Beschimpfungen, Berufung auf die Gesetzeslage, ja sogar mit Erpressung ihre Liebsten ins heimische Bett zu bekommen. Doch die Frauen antworten: „Ihr verlasst den Krieg oder wir verlassen euch!“ Und das soll durch Unterschrift gewährleistet werden. In ihrer Not greifen die Männer zum „Kindesraub“. Sie entreißen den Ammen die Kinder und drohen, sie vor den Augen ihrer Mütter zu vertauschen. Das alles fruchtet nicht, bis sich die Kämpfer auf die Liebe besinnen. Die Soldaten leisten die Unterschriften schließlich. Der Friede in den Häusern ist hergestellt. Und die Kriege? Sie sind bis heute nicht auszurotten.

Spielleiter Robert Will, Lehrer am Stiftischen Gymnasium, und den über 30 Mitgliedern des Literaturkurses der Q1 ist es nach der Vorlage von Aristophanes und der Bearbeitung der Schweizer Autorin und Regisseurin Michela Göskens gelungen, einen antiken Text mit dem Fokus auf das Thema Krieg in die heutige Zeit zu transferieren. Noch immer herrscht Gewalt auf dem blauen Planeten, im Namen Gottes oder einer Religion oder auch nur, um „einen guten Deal“ zu machen. Frauen werden weltweit oft nicht gerecht behandelt, ganz zu schweigen von den Gräueltaten in Kriegsgebieten.

Die jungen Männer und Frauen auf der Bühne fanden im Publikum mit ihren humorvoll-witzigen Reden und Dialogen eine beeindruckende Resonanz. Lachen und Szenenapplaus feuerten die Schauspieler zu noch mehr Präsenz und Authentizität in ihren Darbietungen an. Querverweise auf aktuelle Probleme im 21. Jahrhundert ließen die Gäste nachdenken. Die Schauspieler meisterten die Gratwanderung zwischen lustiger Komödie und ernsthafter Botschaft.

Die selbst gebaute Kulisse und die Kostüme waren stimmig, passten zum Inhalt und machten ihn noch lebendiger. Aufgelockert wurden die Ereignisse immer wieder von Tänzen – von Athener Frauen oder auch ihren Männern – zu meist aktuellen Liedern aus den heutigen Charts.

Am 2. Juli wird Lysistrata im Rahmen der Kölner Schultheaterwoche ab 18 Uhr im Depot 2 in Köln-Mühlheim noch einmal aufgeführt.

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