Komödie im Haus der Stadt: Der Finanzhai macht alles platt

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Martin Semmelrogge in der Rolle des Lawrence Garfield und Susann Fabiero als Anwältin Kate Sullivan im heißen Disput um das Fortbestehen der traditionsreichen Drahtfabrik. Foto: Elberfeld

Düren. Bei geschlossenen Augen und unter gedanklichem Ausschluss des Ortes, an dem man gerade saß, hätte es gelingen können: Eine Drahtfabrik in den USA, die auch sonst wo im Jahre 2009 auf unserem Globus stehen könnte, kämpft gegen eine feindliche Übernahme.

Ein Finanzhai versucht mit allen Mitteln, so viele Aktien wie möglich aufzukaufen, um die Mehrheit in diesem Traditionsunternehmen zu erlangen. Sein Ziel: kaufen und plattmachen ohne Rücksicht auf Verluste.

Lawrence Garfield (Martin Semmelrogge) ist wahrlich keine Mutter Theresa. Er kauft schwächelnde Unternehmen, die technisch aufrüsten müssen und dafür flüssiges Kapital benötigen. Diese Firmen werden dann in ihre Vermögenswerte zerlegt und verkauft. Larry, der Liquidator, so sein Spitzname, macht das ganz ohne Emotionen.

Kate Sullivan (Susann Fabiero) versucht im Auftrag von Andrew Jorgenson (Karl-Heinz Dickmann), die feindliche Übernahme der Drahtfabrik abzuwehren. Die Anwältin hat nämlich ein persönliches Interesse am Fortbestand des Unternehmens, weil ihre Mutter Bea Sullivan (Renate Clair) schon seit vielen Jahren dem Unternehmen angehört.

Appelle, Schmeicheleien, Drohungen, eventuelle Aussichten auf ein erotisches Date: Alles zieht bei Lawrence Garfield nicht. Selbst das aufopfernde Angebot Kate Sullivans, ihre eigenen Ersparnisse einzusetzen, oder das Angebot von Manager William Coles (Martin Zuhr), bei Zahlung einer Abfindung für Garfield zu stimmen, lassen den Liquidator kalt.

Es kommt zur Aktionärsversammlung. Kurz vor der Entscheidung macht Garfield, der sich in die Anwältin verliebt hat, Kate Sullivan einen Heiratsantrag. Garfield gewinnt, die Fabrik wird geschlossen.

Mehrmals nimmt Lawrence Garfield mit dem Publikum Kontakt auf. Er verweist auf mögliche Tricks bei der Kapitalbeschaffung, zeigt, wie man Menschen mit Gewissen und Verantwortung aufs Kreuz legt.

Das ist von der Inszenierung sehr geschickt gemacht: Der Regisseur lässt Garfield von außen auf das innerbetriebliche Geschehen schauen und es kommentieren. Garfield ist seinen Kontrahenten meilenweit voraus, denn er erkennt ihre Gegenmaßnahmen schon im Ansatz und kann deshalb wirkungsvoll reagieren.

Den Gästen im Haus der Stadt wurde bei der Jerry Sterners Komödie „Das Geld anderer Leute” so einiges abverlangt. Von Vorteil war es, sich im Kauderwelsch der Finanzsprache etwas auszukennen. Es ist eine eigene Fachsprache, die der Autor den Zuschauern abverlangt.

Das Bühnenbild war angemessen: die Wände waren mit Geldscheinen tapeziert. Das Auftreten der Schauspieler des Landestheaters Rheinland-Pfalz kühl und distanziert. Auch ohne technische Hilfsmittel war der Text gut zu verstehen. Nur bei Martin Semmelrogge hatten einige ältere Besucher in den hinteren Reihen etwas Probleme, wenn er sehr schnell und in einer hohen Stimmlage sprach.
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