„Kommunalpolitik ist kein Kegelclub”

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:

Merzenich. Gelinde gesagt, haben die Merzenicher Christdemokraten in den vergangenen Monaten einen schmerzhaften Prozess durchleben müssen.

Und das, obwohl nach den Kommunalwahlen 2009 eigentlich alles nach einem Traumstart in die neue Legislaturperiode aussah - hatte die CDU doch mit 51,77 Prozent aller Wählerstimmen die absolute Mehrheit geholt und sich in eine sehr komfortable Ausgangssituation gebracht, um die Geschicke der Gemeinde maßgeblich zu gestalten.

Parteiinterne Turbulenzen führten jedoch dazu, dass acht Ratsmitglieder der CDU den Rücken kehrten und die Christlich Demokratische Fraktion (CDF) bildeten. Bereits vor den Wahlen war es zum Bruch mit drei Direktkandidaten gekommen, die alsbald die „Bürger von Merzenich bildeten” und aus dem Stand drei Mandate holten. Wohin soll die Reise gehen? Diese Frage haben sich nach den heftigen Turbulenzen wohl so einige Wähler gestellt.

„Eine Partei, die nach hinten schaut, ist keine Partei, die eine Zukunft hat”, glaubt Günther Schmitz. Im Februar hat er als Gemeindeverbandsvorsitzender die Nachfolge von Johann Büttgen angetreten, der seinerseits Fraktionschef der CDF ist. Nur so viel will Schmitz zu den Ereignissen nach der Wahl anmerken: „Es hat uns schon geärgert.”

Positive Aspekte kann die CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Maria Schoeller der neuen politischen Landkarte ohne klare Mehrheitsverhältnisse abgewinnen: „Es wird nicht nur abgenickt und zugestimmt, sondern heftig diskutiert - das belebt die Ratsarbeit. Schoeller wurde unmittelbar nach der Abspaltung der Gruppe um Büttgen im November vergangenen Jahres gewählt.

Unisono erklären Schoeller und Schmitz, die Ereignisse auf Mitgliederversammlungen aufgearbeitet zu haben. Niemand der Beteiligten müsse mit gesenktem Haupt durchs Dorf schleichen. Dass die CDU bei der Landtagswahl im Merzenicher Wahlbezirk nicht schlechter als im Trend abgeschnitten haben, werten beide als Zeichen der Beruhigung. Denn: „Der riesengroße Erdrutsch ist ausgeblieben.”

Die Parteispitzen legen wert darauf, einen anderen Führungsstil als ihre Vorgänger zu praktizieren. „Es wir offen diskutiert, wir gehen nicht mit vorgefertigten Meinungen in die Sitzungen”, hebt Schoeller hervor. Bisher sei es gelungen, dass jeder hinter jeder Entscheidung stehen könne. Eine künftige Annäherung an die CDF schließt sie keineswegs aus.

Denn: „Kommunalpolitik ist kein Kegelclub. Man kann sich die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, nicht aussuchen.” Eine Zusammenarbeit müsse mit allen Ratsraktionen möglich sein. Eine Aufgabe, der sich Partei und Fraktion nun verstärkt widmen wollen, besteht in der Erarbeitung von Perspektiven für Merzenich vor dem Hintergrund des näher rückenden Braunkohletagebaus. Kurzum: „Die Parteiarbeit hat wieder Fahrt aufgenommen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert