Kommentiert: Ein Feldbett als Heimat auf Zeit

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Kommentiert: Ein Feldbett als Heimat auf Zeit

Ein Kommentar von Sarah Maria Berners

„Tschüss!“, begrüßte uns ein kleiner Junge, als Vertreter der Verwaltung uns Presseleuten die Notaufnahmestelle für Flüchtlinge an der Cornetzhofschule zeigten. Er lächelte schüchtern und spielte dann wieder mit den wenigen Spielsachen, die es in einer Notunterkunft für Flüchtlinge eben so gibt.

Statt in einem eigenen Zimmer im eigenen Zuhause mit eigenen Spielsachen und seinen Freunden lebt dieser Junge in einer Turnhalle. Ein abgetrennter Bereich mit mehreren Feldbetten ist seine Heimat auf Zeit. Dort wohnt er mit seiner Familie und vielen fremden Menschen.

Und trotzdem lächelte uns der Junge mit den dunklen Augen an. Auch die Erwachsenen lächelten, bedankten sich freundlich für die gute Organisation, für das Essen, für die Unterkunft. Ich kenne ihre Lebensgeschichten nicht – aber ob ich noch lächeln könnte, wenn ich aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan geflohen wäre?

Wenn ich weit weg von Zuhause in einer Turnhalle auf einem Feldbett wohnen müsste? Wenn ich ein Plastikbändchen am Arm tragen würde, das mir die Zeit vorgibt, in der ich zu Mittag essen kann? Für die Menschen, die zu uns kommen, ist das noch immer die bessere Alternative. Deswegen versuchen sie zu lächeln.

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