Komik, Klamauk und gute Musik

Von: Hannes Schmitz
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Düren. Schräg und krass - so ist „Mnozil Brass”. Euphorisierte, überwiegend jüngere Zuhörer erlebten das Konzert im ausverkauften Haus der Stadt. Selten hat man erlebt, dass ein Publikum so außer Rand und Band geriet.

Da wurde nach dem Auftritt und mehreren Zugaben der österreichischen Musiker frenetisch applaudiert, getrampelt, gerufen, gejubelt, sich auf den Theaterstühlen niedergelassen, um dann zum wiederholen Male die Formation mit stehenden Ovationen zu feiern. Es war ein furioser Abend, den die Wiener Musik-Allrounder auf die Bühne legte. Musikalisch erstklassig, mit einmaligem Humor, der mehrschichtig ist. Wer „normale” Musik erwartete, bekam in der über zweistündigen Show „Magic Moments” Unerwartetes serviert. Schiefe Töne zu bekannten Melodien, eine Vielzahl von Blasinstrumenten wurde eingesetzt, sie trieben Schabernack auf der Bühne, setzten auf Komik und Klamauk.

Aus der Alpenrepublik

Originell, eigenwillig, witzig und virtuos waren die Musiker aus der Alpenrepublik, deren Blasmusik sonst eher an Musikantenstadl und Bierzeltatmosphäre erinnert. Nichts war davon im Theater Düren zu spüren. Da wechselten avantgardistisch wirkende Geräuschstrukturen mit Bigband-Sound, untermalt mit „frechen” Anleihen aus Opern. Dann wiederum zeigten sie sich als „Meister des einfühlsamen Blechgesangs”, um dann ihren wohl nicht ernst gemeinten Anspruch „auch ein leises Tönen kann verwöhnen” mit Bläsertoccaten zu karikieren. Und hatte man sich daran gerade gewöhnt, wurde aus dem Musiker-Ensemble eine Tanzkompanie, die Michael Jacksons „Thriller” parodierte oder als Vokal-Gruppe mit überraschend guten Kopfstimmen in die Disco-Zeit zurück kehrte, als fast jeder den Bee-Gees Hit „Stayin´ alive” summte.

Durch die Welt der Klassik

Tonlos waren ihre Gags, wenn sie kleine Geschichten erzählten oder sich und das Publikum auf den Arm nahmen. Wenn sie spielten, überzeugten die Band mit raffinierten Arrangements, meist siebenstimmig besetzt, und rasten so gut gerüstet durch die Welt der Klassik, des Jazz und Swing, der Volksmusik sowie durch die Schlager- und Schnulzenherrlichkeit. Trefflich ihre Persiflage auf „My Way”, die bewusst jammervoll falsch gespielt eine neue Bedeutung erhielt.

„Mnozil Brass” hatte vor nichts Respekt und bot eine Show der Superlative. Wirbelwinde auf der Bühne, höchst konzentriert bei einem unnachahmlichen akrobatischen Gag, als ein Musiker nur durch Posaunenzüge gehalten „frei” schwebt und noch die beiden Trompeten „bedient”. Eindrucksvoll bewiesen die Alpenmusiker mit ihrem Wiener Schmäh bei ihrem Konzert, das dem Konzertforum der Cappella Villa Duria zu verdanken war, das „die Basis jeder Grundlage das Fundament ist”.

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