Können Wahlplakate wirklich Wahlen entscheiden?

Von: dpa/red
Letzte Aktualisierung:
6234209.jpg
Wahlentscheidend? Experten sehen das unterschiedlich. Foto: smb

Kreis Düren. In den vergangenen zwei Wochen hat die DZ-Redaktion die Bundestagskandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken die Slogans auf ihren Plakaten erklärten lassen. Aber wie wirken Plakate eigentlich auf die Wähler? Lassen sich mit Plakaten Stimmen gewinnen?

Der Werbeforscher Guido Zurstiege verweist auf Experimente, die gezeigt hätten, dass Menschen einen Politiker schon deswegen positiver bewerten würden, weil sie ihn immer wieder sehen würden.

„Dinge, die man kennt, mag man lieber, als Dinge, die man nicht kennt“, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Der Medienwissenschaftler der Universität Tübingen: „Wenn Parteien das unentschlossenen Wählen nicht anbieten können, haben sie bei der konkreten Entscheidung in der Wahlkabine eventuell das nachsehen.“

Ein kurzer, prägnanter Slogan verbunden mit einem bekannten Gesicht sei Ideal. „Das lohnt sich aber nur, wenn man auch bekannte Gesichter hat, die bei den Wählern mit positiven Emotionen verknüpft sind.“ Negativ-Kampagnen hält der Wissenschaftler für eine „riskante Strategie“. Vor allem in sozialen Netzwerken würden sie oft wie ein Bumerang zurückkommen.

Der Mainzer Werbeexperte Jörn Duchstein glaubt nicht, dass die Plakate Wähler beeinflussen können. „Sie dienen eher dazu, eine gefestigte Überzeugung zu bestätigen“, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur.

Er findet, dass die Plakate keinen Nachrichtenwert hätten: „Das liegt unter anderem daran, dass man versucht, zu viele Zielgruppen anzusprechen und dem Mainstream zu folgen.“ Wichtige Fragen würden nicht beantwortet aus Furcht davor, den Wähler zu verärgern.

Die Plakate würden zeigen, dass die Parteien allen Wählern gerecht werden wollten. Ecken und Kanten der Kandidaten würden oftmals verschwinden. „Diese Oberflächlichkeit führt dazu, dass es keine emotionale Reflexion beim Betrachter gibt.“ Der Werbeexperte bemängelt auch die starke Retuschierung der Bilder und deren Komposition.

„Die Bilder gaukeln eine heile Welt vor, etwa mit glücklichen Familien und zufriedenen Senioren. Nach der Wahl müssen die Politiker dann erklären, dass alles anders ist. Das verstehen die Leute nicht“, sagt Duchstein. Er hält die Plakate für verzichtbar. Seiner Meinung nach führe der Bilderwald zudem dazu, das die Leute die Plakate nicht mehr sehen könnten und froh seien, wenn die Wahl vorüber ist.

Der Politikwissenschaftler Andreas Blätte geht davon aus, dass die Menschen sich zwar über Zeitung, Internet und Fernsehen informieren würden, die Plakate aber doch neugierig erwarten und neugierig auf deren Gestaltung sind. „Wichtig ist, dass die Kandidaten ernsthaft und vertrauenerweckend aussehen“, sagt Blätte.

„Der Wähler muss den Eindruck haben: Diese Politiker wird meine Interessen vertreten.“ Daher würden die Kandidaten auch keine Foto von sich in Badehose aufhängen lassen. Viele Menschen wählen nach Erkenntnissen der Wissenschaftlern Politiker, die ihnen nett oder seriös vorkommen würden, würden sich also mehr auf ihr Gefühl als auf Argumente verlassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert