Düren - Kölnstraße: Bedenken gegen neues Pflaster waren bekannt

Kölnstraße: Bedenken gegen neues Pflaster waren bekannt

Von: Jörg Abels
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Die Dürener Kölnstraße wird saniert. Das verlegte Naturpflaster sorgt für Kritik. Foto: sj
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Bei den weiteren Verlegearbeiten soll der Fugenschwund minimiert werden. Foto: Jörg Abels

Düren. Hat das städtische Tiefbauamt bei der Umgestaltung der Kölnstraße nicht an Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen gedacht, die auf einen Rollator oder Stock angewiesen sind? Die Kritik am gerade erst zwischen Wirtelstraße und Marktplatz seitlich auf der Kölnstraße verlegten Grauwacke-Pflaster reißt nicht ab. Von einer „Stolperfalle“ ist die Rede, die einen entspannten Schaufensterbummel für Gehbehinderte unmöglich mache.

Heiner Wingels, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Düren, verteidigt die Gestaltung, die nicht nur mit dem Verkehrs- und Bauausschuss abgestimmt worden sei. Auch der Inklusionsbeirat der Stadt, der immer großen Wert auf die Barrierefreiheit und die taktile Erfassbarkeit von Straßen und Wegen für Sehbehinderte lege, sei in die Planung miteinbezogen worden, betont er. Und auch bei der öffentlichen Bürgerinformation Mitte Juni im Bürgerbüro seien die Pläne vorgestellt worden.

Die Stadt habe sich bewusst für den an der Oberseite gesägten und damit sehr ebenen Naturstein entschieden, der mit seinen wechselnden Farben optisch sehr ansprechend sei und nicht verwittere. Der Amtsleiter räumt ein, dass die Mitarbeiter der bauausführenden Firma beim Verfugen des Naturpflasters den Trocknungsschwund der Masse nicht optimal berechnet haben und die Fugen im ersten Bauabschnitt in einigen Bereichen „minimal zu tief“ seien.

Den Vorwurf der Stolperfalle aber weist er ebenso entschieden zurück wie den, die Interessen der Gehbehinderten mit Füßen getreten zu haben. Wingels verschweigt nicht, dass Mitglieder des Inklusionsbeirates bei einem Ortstermin in der vergangenen Woche Kritik an der Pflasterverlegung geübt haben. Es sei aber zu keinem Zeitpunkt von einer Gefahr die Rede gewesen.

„Unangenehmes Rütteln“

Lothar Schubert, Vorstandsmitglied des Dürener Blinden- und Sehbehindertenvereins, bestätigte, dass Vertreter des Inklusionsbeirates an der Planung beteiligt waren. „Es wurden auch Bedenken zur Verwendung von Naturpflaster geäußert“, sagt Schubert unserer Zeitung. Die daraufhin von den Planern versprochene „annähernd ebene Fläche“ gebe es aber aufgrund der Verfugung leider nicht. Bei einem Ortstermin an der Kölnstraße stellten Rollstuhlfahrer vertiefte Fugen fest, die zu einem „unangenehmen Rütteln“ führen, schildert Schubert. Dies beeinträchtige auch die Handhabung von Rollatoren.

„Ein weiteres Problem besteht darin, dass in der Mitte der Kölnstraße eine Rinne verläuft, die nicht nur zur Entwässerung, sondern auch zur Orientierung für Sehbehinderte und Blinde dient. Während in der Wirtelstraße ein einfacher, eingemuldeter Stein zum Einsatz kam, wurde in der Kölnstraße für die Vertiefung ebenfalls das Naturpflaster verwandt“, nennt Schubert ein weiteres Handicap. Diese Absenkung sei mit dem Blinden-Langstock relativ schlecht zu fühlen. Auch für Nutzer von Rollatoren und für Rollstuhlfahrer sei eine abgerundete Rinne besser geeignet.

„Es ist richtig, dass an ein paar wenigen Stellen die Pflastersteine noch recht hoch stehen“, betont der Leitende Städtische Baudirektor Heiner Wingels. „Aber die Straße ist ja auch noch nicht abgenommen. Es wird noch nachgearbeitet.“ Und im westlichen Bereich der Kölnstraße, zwischen Wirtelstraße und Post, werde man beim Verlegen des Naturpflasters jetzt darauf achten, dass der Fugenschwund noch geringer ausfalle, kündigt Wingels an. Klar sei aber auch: Ganz eben werde das Pflaster nie. Der Stein solle ja auch zur Geltung kommen.

Im Übrigen, betont Wingels, werde das Pflaster nur in den Bereichen der Kölnstraße verlegt, in denen in Zukunft Bänke und Bäume zum Verweilen einladen sollen. Wer die Straße zügig passieren wolle, könne den breiten und absolut ebenen Betonpflasterstreifen in der Mitte benutzen, der so angelegt wurde, dass er selbst große Lasten problemlos bewältigen kann, beispielsweise wenn die Geschäfte mit Lkw beliefert werden oder die Marktbeschicker an- und abfahren.

Ob diese Erklärungen die Kritiker der Natursteinpflaster-Lösung verstummen lassen, darf zumindest bezweifelt werden. Dazu kommt die Frage: Was passiert im Winter bei Eis und Schnee? Wie rutschig sind die abgesägten Natursteine dann?

„Leider haben Architekten und Planer immer zu sehr die äußere Schönheit im Blick“, bedauert Lothar Schubert. Eine Konsequenz müsse deshalb sein, bei der Neugestaltung des Marktplatzes und des Kaiserplatzes kein Naturpflaster zu verwenden. „Wir müssen mehr an die Menschen denken, die mit den Gebäuden, Plätzen und Straßen leben müssen“, sagt Schubert. Bei der steigenden Zahl von älteren und gehandicapten Menschen seien dicht verlegte Platten „die bessere Lösung“.

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