Düren - Knapp 19 Prozent der Viertklässler können nicht richtig lesen

Knapp 19 Prozent der Viertklässler können nicht richtig lesen

Von: Sandra Kinkel
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Immer mehr Viertklässler können nicht richtig lesen. Das hat die aktuelle Iglu-Studie ergeben. Pädagogen aus Düren bewerten die Lage nicht ganz so dramatisch. Foto: dpa

Düren. Die Ergebnisse der neuen Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) sind auf den ersten Blick erschreckend: Der Anteil der Viertklässler, die nicht richtig lesen können, ist seit 2011 um mehr als drei Prozentpunkte auf 18,9 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

2011 waren es noch 15,4 Prozent. Jedes fünfte Kind hat also nach der Grundschule Probleme mit dem Lesen. Das heißt nicht, dass die betroffenen Jungen und Mädchen keine Sätze lesen können. Aber sie scheiterten an Verständnisfragen.

Wie bewerten Lehrer das Ergebnis der Schule? Ist die Lage wirklich ernst? „Es ist nicht alles schrecklich“, sagt Norbert Lotter, Leiter der Katholischen Grundschule in Birkesdorf. „Weil nämlich alle Kinder zunächst mit Freude in die Schule kommen. Die wollen lernen. Und der weitaus größte Teil unserer Schüler kommt beim Lesen auf durchaus gute Ergebnisse.“

Gleichwohl gäbe es aber natürlich auch Kinder, denen die fachliche und emotionale Schulreife fehle. Lotter ist ein erfahrener Pädagoge, nach 43 Dienstjahren und 30 Jahren Schulleitertätigkeit geht er zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Er weiß also, wovon er spricht.

Mehr erzieherische Aufgaben

Bei einigen Kindern, sagt er, sei die Aufnahmefähigkeit noch nicht sehr ausgeprägt. „Ein kompletter Schulvormittag ist für diese Jungen und Mädchen kaum zu schaffen. Hinzu kommt, dass immer häufiger Kinder ohne Frühstück, mit mangelnder Kleidung und schlechter Ausstattung zur Schule kommen. Das bedeutet, dass Schule immer mehr erzieherische Aufgaben übernehmen muss. Dadurch gehen uns Ruhe und Zeit im Lernprozess manchmal verloren.“

Lesen, ergänzt Lotter, sei reine Übungssache. „Dafür braucht man Zeit. Und es gibt auch sehr viele Kinder, die das können. Aber es gibt eben auch viele, die sehr auf elektronische Medien fixiert sind. Und das führt dann nicht selten zu Konzentrationsschwierigkeiten.“ Vielen Kindern, ergänzt Lotter, fehle es auch am aktiven Wortschatz. „Sie haben nicht nur Schwierigkeiten, Texte sinnentnehmend zu lesen, sondern es fällt ihnen auch schwer, Inhalte wiederzugeben.“

Um mehr Schüler für das Lesen zu begeistern, besucht jede Klasse der Birkesdorfer Grundschule einmal in der Woche die schuleigene Bibliothek. Außerdem wünscht Lotter sich eine „gebundene Ganztagsschule“. „Dann hätten wir die Möglichkeit, nachmittags Dinge noch einmal zu vertiefen und zu üben.“

Es wird seltener vorgelesen

Susanne Senhen, Schulleiterin der Dürener Südschule, hat festgestellt, dass die Schere zwischen gut lesenden und schwächeren Lesern stark auseinander geht. „Es fehlt der Mittelbereich.“ Als Gründe für dieses Phänomen nennt die Schulleiterin die Tatsache, dass Kinder in ihrem Alltag immer weniger lesen müssten. Senhen: „In vielen Familien wird nicht mehr vorgelesen, und auch die Eltern sind oft keine lesenden Vorbilder.“ Dass die Lesefähigkeit der Jungen und Mädchen sich verschlechtert hat, kann Senhen so nicht bestätigen.

„Ich glaube, im Durchschnitt gibt es keine eklatante Verschlechterung. Aber wir beobachten schon, dass es viele Kinder gibt, die Schwierigkeiten haben, sinnentnehmend zu lesen.“ Bemerken auch Schulleiter von weiterführenden Schulen, dass Kinder zunehmend Schwierigkeiten beim Lesen haben? „Pauschal möchte ich das so nicht sagen“, meint Wolfgang Habrich, Leiter des Gymnasiums der St.-Angela Schule in Düren. „Was aber durchaus auffallend ist, ist, dass der Wortschatz unserer Schülerinnen kleiner wird.

Oft kennen die Mädchen sogar vermeintlich einfache Wörter nicht.“ Für den Unterricht in Klasse fünf, ergänzt Habrich, bedeute das mehr und längere Erklärungsphasen. „Die Kollegen leisten häufig regelrecht ‚Wörterbuch-Arbeit‘.“

Habrich glaubt, dass es helfen würde, wenn Eltern den Gebrauch von Fernseher, Computer und Smartphones bei ihren Kindern rationieren würden. „Und damit meine ich rationieren zugunsten anderer Leseangebote, zum Beispiel E-Books.“

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