„Knacki“ Deuser zwischen süffisant und bitterböse ironisch

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
7454920.jpg
Knacki“ Deuser setzte oft auf die Mimik, und das zog. Wie beim Länderraten. Unser Bild zeigt die Antwort: Chile. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Der fulminante Moderator der Eröffnungsrevue der SWD-Kommedy-Abende, Klaus Jürgen Deuser, schloss diese Reihe mit seinem Einzelgastspiel ab. Der Höhepunkt für viele im ausverkauften „Komm“ war, als „Hausherr“ Thomas Lüttgen in der Pause die Bühne betrat, den Geschäftsführer der Stadtwerke Düren, Heinrich Klocke anblickte und, als er zustimmend nickte, kundtat, dass die Comedy Abende im Herbst weiter gehen.

Bis dahin hatte das Publikum mit „Knacki“ Deuser einen brillanten Redner, Wortakrobaten und Blödelbarden erlebt. Der Kölner aus der Südstadt präsentierte sich als ein Stand-up-Comedian par excellence, der aussprach, was manche dachten und seine Umwelt trefflich karikierte, ein großartiger Beobachter des Alltäglichen und Globalen.

Süffisant oder mit bitterböser Ironie nahm er Geschehnisse unter die Lupe, fragte sich, warum die NSA zwar Merkels Handy abhören konnte, das vermisste malaysische Flugzeug aber zunächst nicht aufgespürt wurde. Er brachte Wirtschafts-News auf den Punkt und folgerte, dass Facebook „Whats-app“ kaufte, da die NSA unverkäuflich war.

Politisches Geschehen im eigenen Land hatte er im Fokus und „verspürte im Rheinland Angst, wenn der Seehofer von Ausländern spricht“. Gesellschaftliche (Fehl-) Entwicklungen bröselte er auf, freute sich, dass Lernstrategien Erfolg haben und nur „noch wenige Schüler Pisa mit zwei Z“ schreiben, beleuchtete die Rentendiskussion und fand Ergiebiges im Vatikan: „Da schuftet sich der Pole zu Tode und ‚unser‘ Papst geht in Rente. Der erste seit rund 2000 Jahren“.

Spaß haben keine Kernkompetenz

Für den „gefallenen“ Limburger Bischof hatte er ein neues Betätigungsfeld: den nicht fertigen Groß-Flughafen Berlin. Sehr böse war sein Kommentar zum Pferdefleischskandal. Noch nie sei es günstiger gewesen, seinen Kindern ein Pony zu schenken: „Kommt, holt die Sättel, wir gehen zu Aldi!“ Oxynmora hatten es dem Kabarettisten angetan, Doppelbödigkeiten wie „da sitzt einer im Stehcafe“ oder „ich geh ins Altersheim und frage nach der Junior-Suite“.

Pointiert und frech kam der gebürtige Koblenzer zunächst daher, hatte eine Idee, die Krim-Krise zu lösen und Russland klein zu kriegen. Alle hochrangigen Sportfeste sollten in Putins Reich vergeben würden.Die Russen würden sich dann kaputt investieren.

Auf den zweiten Teil des Programms traf dann seine Parole: „Nicht jammern – klatschen“ zu. Ein „philosophisch psychologischer Kurs stand an.“ Spaß haben ist keine deutsche Kernkompetenz, wir müssen immer erst einmal klären, ob ein Witz auch vernünftig strukturiert ist. Gleichsam dieser These ging die Sprachakrobatik zeitweise verloren. Episoden aus seiner Sendung „Night Wash“ erzählte er, Szenen, die zur unendlichen Geschichte wurden, Jugenderinnerungen kamen auf, und dann doch plötzlich wieder ein „Herausreißer“. Etwa wenn er übers Alter sinnierte: „Der Keith Richards, der ist so alt – der hat eine Bibel mit Originalunterschrift.“

Mit vollem mimischen Einsatz erläuterte Knacki Deuser zudem den Unterschied zwischen pubertierenden Jungen und Mädchen und wunderte sich, dass diese grundverschiedenen Welten dann doch irgendwann einmal zusammenfinden. Klasse die getanzten Slapstickeinlagen oder die Ausführungen männlicher Tanzkünste. Allererste Sahne war sein Breakdance am Rollator.

Ein lohnender Abend

„Wir müssen Mut haben“, forderte der Comedy-Psychologe in seiner unverwechselbaren, nonchalanten Art. Das Publikum hatte die Courage und blieb bis zum Schluss und erlebte, welches Mitleid der eloquente Redner für die Pädagogen empfand, die Teenies in der Klasse haben: „Die armen Lehrer, die diese Generation unterrichten. Die werden zwar irgend wann studieren – ich weiß zwar nicht was – vielleicht Flaschen sammeln auf Bachelor.“ Fazit: Insgesamt war es ein lohnender Abend für die Besucher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert