„Knacki“ Deuser strapaziert das Zwerchfell seiner Zuhörer

Von: Gudrun Klinkhammer
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Knacki Deuser setzte auf ein amerikanisches Stand-up-Comedy-Modell, der Erfolg war dem wort- und körperbetonten Künstler sicher. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Die Besucher lachten am laufenden Band über die Geschichten, die Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser ihnen im Kulturzentrum „Komm“ erzählte. Der Comedian gastierte mit seinem neuen Solo-Programm „Seltsames Verhalten“ in Düren, doch so alleine war er gar nicht.

Nach amerikanischer Show-Vorlage hatte er sich einen Gast eingeladen, der die ersten 20 Minuten des Abends auf der Bühne bestritt.

Nach diesem fulminanten und vielbeklatschten Auftakt, für den diesmal die Kabarettistin Vera Deckers verantwortlich war, gab es eine zehnminütige Pause. Erst dann legte Knacki Deuser los, und zwar nonstop, eine gute Stunde lang. Der Künstler gab auf einem Flyer einige Infos zu seinem Vorgehen bekannt: „In England und den USA spielen Stand-up Comedians 60 bis 70 Minuten am Stück und haben zusätzlich vorneweg immer einen Überraschungsgast dabei.“ Ein Mann, ein Gast, ein Mikro. Deuser: „Mehr braucht es nicht, um die Zuschauer auf die Kanten ihrer Sitze zu treiben und sie in die amerikanische Stand-up Tradition eintauchen zu lassen. Das ist saukomisch, reduziert und direkt.“

Was er auf seinem Flyerverschwieg: Wichtigster Baustein für den Erfolg eines derartigen Abends sind natürlich die Präsentation und der Inhalt, den die Akteure transportieren. In Düren waren diese beiden Faktoren glänzend.

Vera Deckers, nach eigenen Angaben ausgebildete Psychologin mit Helfersyndrom, kam beim Publikum mit ihrer teils burschikosen Art bestens an. Egal, ob sie über Einschlafstörungen, autogenes Training bei Frau Trompeter-Zipfelburger, Streberin Claudia oder auch Heidi Klum simulierte, die

Zuschauer lachten sich schlapp. Knacki Deuser setzte dem Ganzen dann die Krone auf. Nicht ausschließlich mit wohlgefundenen Worten punktet dieser Künstler, sondern so ganz nebenbei auch noch mit Mimik und Gestik. Seine Lautmalereien und seine exzellente Körpersprache machen einen großen Teil seines Erfolges aus. Er lobte die Stimmung in Düren, die ganz knapp „vor Hexenkessel“ sei, und legte dann die Finger in verschiedene Wunden des Landes und der Gesellschaft.

Deuser: „Welches Land schafft es schon, für sechs Millionen Euro eine WM zu kaufen? Wenn dieses Land nun auch noch Humor hätte.“ Humor sei das Ausrufezeichen gegen Angst, sagte der 53-jährige Vater einer 17-jährigen Tochter. Doch wiegen in Deutschland Probleme und Angstszenarien im Alltag schwer. Die Angst gipfele in wissenschaftlichen Studien, etwa in der Studie, wie wahrscheinlich es ist, auf einem Frosch auszurutschen.

Sind die Menschen alleinstehend, wünschen sie sich eine Beziehung. „Doch sind sie in einer Beziehung, sind sie auch nicht glücklich.“ Deuser malte die Bundesjugendspiele in zehn Jahren in die Luft. Mit gequälter Stimme dachte er sich den Satz eines jungen Teilnehmers aus, der kaum noch weiß, was Bewegung ist: „Fünf Meter Lauf, oh nee, die Mittelstrecke, eij Alter.“ Es folgten weitere Geschichten, etwa von Horst-Lasse, 19 Jahre alt und möglicherweise angehender Flaschensammler auf Bachelor. Zum Master gibt es dann Kisten. Und über Jan-Philipp, der versucht, die Tageszeitung zu lesen. „Nicht wischen, blättern“, wird dem hochbegabten Jungen gesagt, der mit 14 schon lesen konnte.

Ein rundum perfekter Abend im Komm, der wesentlich mehr Zuschauer verdient hätte.

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