Klostersonntag: Ein Kontrastprogramm zu halbvollen Bänken

Von: Stephan Johnen
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Maria Schröder und Bruder Wolfgang Mauritz freuen sich auf den 100. Klostersonntag in Vossenack. Foto: Johnen

Vossenack. Gottesdienste sind kein Selbstläufer. Es reicht nicht, sonntags die Glocken zu läuten und die Pforten zu öffnen. „Wir Menschen möchten am liebsten das beste Angebot auf dem Markt. Das ist auch in der Seelsorge so“, mutmaßt Bruder Wolfgang Mauritz ofm, Guardian (Vorsteher) des Franziskanerklosters in Vossenack. Er spricht von „fahrender Kirche“.

Die Menschen würden viel mehr über die eigene Kirchturmspitze hinaus schauen, wo etwas los ist. Wenn es ein passendes Angebot gibt, würden Menschen längere Fahrtstrecken in Kauf nehmen. Auch für einen Gottesdienst.

„Ich weiß nicht, ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist. Es ist aber so. Darauf muss sich Kirche einstellen“, findet der Franziskaner. Er weiß: Mit Speck fängt man Mäuse. Nur kommt in Vossenack an jedem ersten Sonntag im Monat kein Speck, sondern eine „Klostersuppe“ zum Einsatz, die nach einer in besonderer Weise musikalisch gestalteten Messe gereicht wird. Diesen Sonntag zum 100. Mal.

Mehr als 300 Menschen nehmen das spirituelle Angebot, zu dem nach der Messe ausreichend Zeit zum Klönen und geselligen Beisammensein bleibt, regelmäßig an. „Die Musiker fragen mittlerweile, ob sie einmal einen Gottesdienst gestalten können“, fügt Maria Schröder hinzu, die seit zehn Jahren die künstlerische Leitung übernimmt, die Termine abstimmt und die Musiker betreut. Das Jahr 2016 sei komplett geplant, viele Anfragen gebe es schon für 2017. Es sind Musiker aus der gesamten Region, die nach Vossenack kommen möchten, vom einzelnen Gitarristen bis hin zum Orchester, das im Bus anreist. „Alles für Gotteslohn – und einen Kaffee vor der Messe“, fügt Maria Schröder hinzu.

Anfangs hatte das Kind noch keinen Namen. Als der erste Klostersonntag im Oktober 2006 stattfand, wussten weder die Franziskaner noch ihre Gäste, dass sie den Auftakt einer „Begegnungsreihe“ erlebt hatten. Damals sollte das Franziskusfest mit möglichst vielen Menschen gefeiert werden. Im Anschluss an den Gottesdienst lud der damalige Guardian Pater Athanasius Spies zur Feier und zur Begegnung ein.

„Pater Athanasius hat einen Nerv getroffen“, blickt Bruder Wolfgang zurück. Auslöser war auch, dass die Kirchenbänke immer öfter recht spärlich besetzt waren. „Wir begrüßen unter der Woche und an den anderen Sonntagen zwar nicht mehr Gottesdienstbesucher, aber am Klostersonntag ist es rappelvoll“, bilanziert Bruder Wolfgang. Dies sei ein Erfolg. Der Klostersonntag soll keine Konkurrenz zu den Pfarren im Umland sein, sondern ein spezielles Angebot an einem Tag im Monat.

„Die Gläubigen erleben in ihrem Alltag oft einen Abbau von Angeboten, einen Rückzug von Kirche“, sagt Maria Schröder. Generell würden sich besondere Angebote großer Beliebtheit erfreuen, „weil man an diesen Tagen als Christenmensch noch einmal in einer großen Gemeinschaft feiert“, ist sie überzeugt. Mancher Besucher lege bis zu 45 Kilometer zurück. „Es sind viele bekannte Gesichter da, aber auch immer wieder neue“, freut sich Maria Schröder. Dass sogar Hotels Werbung für den Gottesdienst machen, zeige, dass Kirche sich nicht zu verstecken brauche.

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