Klopfer und das Kaninchen mit Kampfgewicht

Von: Sarah Maria Berners
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Wie im Bilderbuch: Dieses niedliche Kaninchen lebt im Dürener Tierheim. Einen Monat verbringen die Kleintiere dort im Schnitt, bevor sie in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Foto: smb
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Ausreichend Platz, Artgenossen und Futter brauchen Kaninchen, um glücklich zu sein.

Kreis Düren. Sechs bis sieben Kilogramm Kampfgewicht bringt Brunhilde auf die Waage und irgendwie weiß man nicht recht, ob man sie noch als Kaninchen oder doch eher als kleinen Wachhund mit Schlappohren beschreiben soll.

Menschen und Artgenossen mag Brunhilde eigentlich nicht so gerne – und vermutlich genau deswegen lebt sie im Dürener Tierheim. Kaninchen-Opa Klopfer (elf Jahre alt) und Schnuffeline, Flocke, Olli und Paula entsprechen da schon deutlich besser dem Bild des knuffeligen Kuscheltierchen. Aber auch sie derzeit sind im Tierheim zu Hause.

Im Schnitt einen Monat verbringen die Tiere in der Einrichtung, bevor sie vermittelt werden können. Vor Weihnachten sind in Düren ziemlich viele Kaninchen abgegeben worden. Das ein oder andere, nehmen die Mitarbeiter des Tierheims an, wird im vorangegangenen Frühjahr ein Ostergeschenk gewesen sein. Tierschützer warnen davor, wegen des Niedlichkeitsfaktors Kaninchen als „Osterhäschen“ zu verschenken.

„Es gibt immer mehr Menschen, die Kleintiere halten“, weiß Jürgen Plinz vom Tierschutzverein. Die Zahl der Hundehalter hingegen stagniere, Katzen hätten Hunde als Lieblingshaustier bereits überholt. „Das Leben ist schnelllebiger geworden, vielen passt ein pflegeleichteres Tier besser. Außerdem müssen Tiere immer billiger werden“, skizziert er. Ein Kaninchen scheint vielen da gerade recht: Ein possierliches Tierchen zum knuddeln und spielen.

Doch genau dieses Klischee führt oftmals zu großer Enttäuschung: „Mit Hunden oder Katzen ist eine intensivere Beschäftigung möglich, sie bauen eine andere Beziehung zum Menschen auf“, weiß Plinz. Kinder würden daher häufig relativ schnell das Interesse an Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamstern verlieren – und die Eltern hätten an diesen Tieren oftmals weniger Interesse als an Katzen oder Hunden. Die fehlende Interaktion sieht Plinz aber nur als einen Grund an, warum die Kleintiere im Heim abgegeben werden.

Bei den Kosten verschätzt

Außerdem würden sich die Menschen, was den Arbeitsaufwand und die Kosten anbelangt durchaus verschätzen. Bei Katzen und Hunden wüssten die Leute in etwa, was auf sie zukommt. Impfungen gegen den Kaninchenschnupfen und Kastration hätten sie aber nicht auf dem Schirm. „Je größer die Stadt, desto größer ist auch das Problem mit den Kleintieren“, sagt Plinz.

25 Kaninchen warten in Düren auf ein neues Zuhause. Manche wurden von ihren Besitzern abgeben, andere in einem Karton vor das Heim gestellt, wieder andere als vermeintliche „Fundtiere“ abgeben. Sie brauchen eine neue Heimat, in der sie Auslauf haben (im Idealfall sogar im Grünen) und auf (einen) Artgenossen treffen.

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