Klimaschutz: Die Sonne spielt in Düren eine große Rolle

Von: Valerie Barsig
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Mit einer Kameradrohne ist die Solaranlage der Grundschule in Birkesdorf auf Schäden kontrolliert worden (kleines Bild). Ingenieur Tobias Lebherz muss die Sonnenbrille aufsetzen, damit er das Gerät beim Steuern nicht aus den Augen verliert. Foto: Valerie Barsig
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So sieht die Solaranlage der Birkesdorfer Schule durch die Wärmebild-Kamera von oben aus. Foto: Lebherz und Partner Ingenieure GmbH
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Mit einer Kameradrohne ist die Solaranlage der Grundschule in Birkesdorf auf Schäden kontrolliert worden. Ingenieur Tobias Lebherz muss die Sonnenbrille aufsetzen, damit er das Gerät beim Steuern nicht aus den Augen verliert. Foto: Valerie Barsig

Düren. Ganz schön windig war es für die Drohne von Ingenieur Tobias Lebherz, die er an der städtischen Katholischen Grundschule in Birkesdorf in die Luft gehenließ. Ausgestattet war die Drohne mit einer Wärmebildkamera, die die neue Solaranlage auf dem Dach der Schule auf Schäden untersuchen sollte. Das passiert vor jeder Inbetriebnahme einer Solaranlage auf städtischen Liegenschaften.

Die Anlage in Birkesdorf ist eine von acht, die seit 2012 ans Netz gegangen sind. Das Besondere in Birkesdorf: Im Keller ist zusätzlich ein Energiespeicher eingebaut worden. 70.000 Euro hat die Anlage unter dem Strich gekostet, der Speicher ist in den Kosten mit 17.300 Euro enthalten.

Der Keller ist ein Experiment von Bernd-Uwe Boitz, Energiemanager beim Amt für Gebäudemanagement. „Dafür gibt es keine Erfahrungswerte“, sagt Boitz. „Ich möchte aber gern Erfahrungen sammeln.“ Ein Zähler am Speicher wird ihm in Zukunft zeigen, wie viele Kilowattstunden durch das zeitweise Speichern der Energie in Batterien eingespart werden. Mit der Solaranlage auf dem Dach der Schule sollen nach den Berechnungen der Stadt rund 5500 Euro pro Jahr eingespart werden. Die Anlage könnte mit ihrer Leistung rund 9,88 Haushalte versorgen. Rund um die Uhr wird an der Grundschule Strom verbraucht, da sich dort auch ein Lehrschwimmbecken befindet.

Sicher ist die Grundschule in Birkesdorf mit ihrer Solaranlage und dem Energiespeicher eines der Leuchtturmprojekte der Stadt Düren in Sachen Klimaschutz. Fragt man Alfred Parting vom Amt für Gebäudemanagement nach ebensolchen Projekten, bremst er. „Wir befinden uns in einem ständigen Spannungsfeld zwischen publikumswirksamen Maßnahmen und Wirtschaftlichkeit“, erklärt er.

Parting ist einer der Akteure in Düren, die sich für Klimaschutz einsetzen. Denn er sorgt mit seinen Kollegen im Amt für Gebäudemanagement dafür, dass städtische Gebäude energetisch saniert werden und so Energie sparen. Oft steht aber in solch einem Gebäude erst einmal der Tausch einer Heizung vor einer Fassadendämmung. „Das ist oft viel effizienter als eine Dämmung“, sagt Parting. Gerade in Düren sei der Bedarf an Sanierung in städtischen Gebäuden groß. Was wurde in Düren also für den Klimaschutz in den Gebäuden getan? Welche weiteren Maßnahmen gibt es – zum Beispiel in Sachen Mobilität und Erneuerbare Energien? Anbei ein Überblick über einzelne Maßnahmen.

Welche energetischen Sanierungsprojekte setzt Düren um?

Mit rund 30 Standorten werden in Düren die meisten Energiekosten von Schulen erzeugt. Deshalb wird ab den Sommerferien bis August des kommenden Jahres zum Beispiel die ehemalige Hauptschule Gürzenich für die Umnutzung zur Grundschule umgebaut. 900.000 Euro kosten die Bauarbeiten. Sämtliche Fenster und Außentüren werden erneuert, unter anderem werden auch Kellerdecken isoliert. Die Heizung ist bereits 2010 erneuert worden, seit 2013 befindet sich eine Solaranlage auf dem Dach der Schule, mit deren Hilfe pro Jahr 9097,90 Euro Energiekosten eingespart werden – die Leistung der Anlage entspricht der Energieversorgung von 16,4 Haushalten bei 3500 Kilowattstunden pro Jahr.

Noch bis Oktober 2016 wird die Turnhalle an der Grundschule in Lendersdorf energetisch saniert. Dort wird unter anderem die Fensterfassade durch Mauer und Oberlichter ersetzt, die Türen erneuert, eine Deckeneinstrahlungsheizung eingebaut und eine Solaranlage für weitere 65.000 Euro installiert. Sie soll rund 4000 Euro pro Jahr einsparen. Ihre Leistung könnte 8,14 Haushalte versorgen.

Wie weit ist Düren in Sachen klimafreundlicher Mobilität?

Rund ein Drittel aller Treibhausgase in Deutschland entsteht durch Mobilität. In Düren wurden durch den Verkehr im vergangenen Jahr rund 95.900 Tonnen CO2 ausgestoßen. Im Rahmen des Teilschutzklimakonzeptes von diesem Februar sind rund 100 Maßnahmen beschlossen worden, um Dürens Verkehr klimafreundlicher zu entwickeln. Dazu gehören neben der Einsparung von CO2 aber auch Lärmreduktion und die Reduzierung des Parkdrucks. Ab September soll für alle Bürger Car-Sharing nutzbar sein. Die Autos werden an der Wilhelmstraße ihre Station haben, sagt Benjamin Raßmanns vom Amt für Tiefbau und Grünflächen.

Wie weit ist Düren in Sachen Erneuerbare Energien?

Für die Stadt Düren spielt Solarenergie eine große Rolle. „Die Stadt Düren ist da sehr umtriebig“, sagt auch Ingenieur Lebherz. Im Gegensatz zu Aachen, wo Flächen für Solarmodule vermietet werden, versucht Düren in seinen Liegenschaften Energie für den Eigenbedarf zu produzieren. „Aachen dagegen verschenkt sein Tafelsilber“, sagt Lebherz. In diesem Jahr sollen weitere Anlagen an der GS Merken und am Haus der Stadt gebaut werden – Letztere soll eine Leistung haben, die 30,67 Haushalte versorgen könnte.

Für Energiemanager Boitz sind Solaranlagen nach wie vor eine feste Größe in Sachen Erneuerbare Energien. Die Welle von Photovoltaik sei längst nicht abgeebbt, auch wenn viel „totgerechnet“ werde. „Solange die Anlage so ausgerechnet ist, dass man den Strom selbst nutzen kann, ist das hochinteressant.“ Selbst in einem Sommer wie diesem müsse man sich nicht sorgen, weil das Jahresmittel an Sonnenstunden in der Regel konstant bleibe.

Viele Städte haben einen sogenannten Klimaschutzmanager. Was ist mit Düren?

Ein Klimaschutzmanager soll die Schnittstelle zwischen Politik, Handwerk, Industrie und Bevölkerung bilden. Sie sind einerseits dafür verantwortlich, dass Klimaschutzkonzepte in Städten und Kommunen umgesetzt werden, andererseits sollen sie die Pläne den verschiedenen Zielgruppen erklären. Noch hat die Stadt Düren keinen Klimaschutzmanager.

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