Klettergeräte: Gelockerte Seile kein Fall für Staatsanwaltschaft

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
Willi Katterbach
Heimtückisch manipuliert: Das Seil, das Willi Katterbach vom DSB prüft, wurde absichtlich gelockert – ein Kind ist daher von dem Spielgerät gestürzt. Verletzt hat es sich nicht. Foto: Rose
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Zwei Werkzeuge sind nötig, um die Schrauben der Seile zu lockern. Foto: Rose

Düren. Neun Seile an Klettergeräten sind in den vergangenen Ferienwochen auf zwei Spielplätzen in Birkesdorf und Derichsweiler wohl gezielt mit Werkzeug manipuliert worden. Davon geht der Dürener Service Betrieb (DSB) aus.

In einem Fall ist ein Kind von einem Spielgerät gestürzt, es blieb unverletzt. Neun heimtückische Aktionen, augenscheinlich vorsätzlich, und die Möglichkeit, dass sich Kinder ernsthaft verletzen, scheint nicht gering – ein Fall für die Staatsanwaltschaft?

„Nein, nicht direkt“, meint Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts von der Staatsanwaltschaft Aachen. Ob diese anhand der vorliegenden Erkenntnisse des DSB ermittele, hänge zunächst von der Polizei ab. Die müsse über die Schwere der Taten entscheiden – im Regelfall dann, wenn eine Anzeige eingegangen ist. Weil sie den Sachverhalt nicht kenne, könne sie auch keine rechtliche Einschätzung abgeben, erklärt die Oberstaatsanwältin.

Weder der DSB noch die Eltern des gestürzten Kindes haben Anzeige erstattet. Daher liege bislang noch „keine konkrete, sondern nur eine abstrakte Gefahr“ vor, sagt Dürens Polizeisprecherin Julie Greve auf Anfrage. Ohne eine Anzeige – die Details der Manipulationen seien erst seit der Zeitungsanfrage bekannt – könnten die Beamten nicht aktiv werden.

Anders war das Vorgehen im Juni in Aachen: Dort hatte jemand im beliebten Westpark großflächig Rohrreiniger auf Spielgeräten, Bänken und im Sand verteilt. Zwei Kinder hatten sich damals Verätzungen zugezogen, Sitzmobiliar musste anschließend entfernt werden. Die Polizei ermittelte umgehend. Ein Fall mit anderer Qualität, betont Schlenkermann-Pitts, in die sich die Staatsanwaltschaft sofort eingeklinkt habe. Noch gibt es aber keine Spuren auf den oder die Täter.

Belohnung, aber keine Hinweise

Wer für die heimtückischen Manipulationen in Düren, die mit einem flüchtigen Blick nicht zu erkennen sind, verantwortlich ist, weiß auch DSB-Chef Richard Müllejans nicht. Hinweise auf die Täter, die mit 1000 Euro belohnt würden, seien bislang nicht eingegangen. „Das ist ja immer so, dass sich niemand meldet. Eine Anzeige bringt meist auch nichts“, kommentiert Müllejans fast resignierend.

Aufgrund der Vorfälle auf den beiden neuen und hochwertigen Spielplätzen im Birkesdorfer Josef-Vosen-Park und auf dem Martinus-platz in Derichsweiler hat der DSB seine Kontrollen intensiviert. Jeden Morgen spätestens um 6.30 Uhr dreht Willi Katterbach nun seine Runden – bislang hat die siebenköpfige Spielplatz-Kolonne, die Katterbach leitet, nur freitags kontrolliert. Heißt mit Worten von Richard Müllejans: „Wir kommen unserer Verkehrssicherungspflicht zu mehr als 100 Prozent nach.“

Außerdem hat der DSB die Schrauben an den Kletternetzen nun von innen verklebt, so dass eine Manipulation schwieriger sei. „Wenn das nichts bringt, müssen wir sie verschweißen“, sagt Katterbach. Er erklärt, dass der oder die Täter mindestens Ratsche und Schraubenzieher oder Ähnliches benutzt haben müssen, um die Schrauben mit M4-Gewinde und 19er Nuss bis zur letzten Umdrehung zu lösen ( kleines Bild).

Drei Mütter, die den gestrigen Vormittag mit acht Kindern im Josef-Vosen-Park verbracht haben, äußern nach den Vorfällen Unbehagen. Die Stimmung sei getrübt, gerade, weil der Spielplatz in Derichsweiler, den sie auch regelmäßig nutzen würden, nagelneu sei – lange gab es gar keinen.

Sie sagen aber auch: „Wenn man weiß, dass täglich kontrolliert wird, sind wir beruhigt.“ Würden sie Geräte selbst kontrollieren, bevor ihr Kind es nutzt? „Wahrscheinlich würde ich die Manipulationen gar nicht bemerken“, antwortete eine Frau. Was also tun? „Abends Kontrollen einer privaten Sicherheitsfirma?“

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