Luchem - Kleine Rur-Lachse in die Freiheit entlassen

Kleine Rur-Lachse in die Freiheit entlassen

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Schüler der Realschule Jülich setzten bei Luchem die ersten Brütlinge von in die Rur zurückgekehrten Lachsen im Wehebach aus. Die Jungs und Mädchen haben die Patenschaft übernommen. Foto: Jörg Abels

Luchem. Tausend kleine Lachse, drei Monate alt: Ein bis zwei Jahre werden sie im Wehebach beim Luchem heranwachsen. Viele werden gefressen. Aber ein Teil wird es schaffen, rurabwärts bis in die Maas und weiter bis in die Nordsee zu kommen. Der eine oder andere Lachs wird dann in fünf bis sechs Jahren, geschlechtsreif und zur Eiablage bereit, den Weg zurück antreten.

Das zumindest hoffen Gewässerwart Hermy Hermanns und seine Mitstreiter vom Kreisfischereiverein Düren, die sich seit 1996 am Lachsprogramm NRW beteiligen und Jahr für Jahr rund 100 000 Lachsbrütlinge in der Rur zwischen Kreuzau und Düren, aber auch in den umliegenden Bächen aussetzen. Ob es die jetzt ausgesetzten Lachse aber zurück nach Luchem schaffen, ist mehr als fraglich.

Immer noch verhindern mehr als 40 mehr oder weniger hohe Querbauwerke in der Rur die Rückkehr der edlen Fische. Die höchste Barriere ist weiterhin das Wehr in Linnich. Noch, denn gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen alle Flüsse bis spätestens 2027 durchgängig sein. „Bis dahin wollen wir Erfahrungen sammeln“, unterstreicht Heinz-Josef Jochims, dass das Auswildern der Tiere oberhalb von Linnich dennoch nicht sinnlos sei.

Mit Kontrollbefischungen überprüft er jedes Jahr, wie viele der eingesetzten Brütlinge die ersten Monate überlebt haben. Bei einer dieser Kontrollen hat er auch schon erwachsene Lachse an der Rur bei Linnich nachgewiesen. Ob es das eine oder andere kräftige Tier bei Hochwasser vielleicht noch weiter flussaufwärts geschafft hat, können die Angler nur vermuten.

„Ein wichtiger Schritt in Richtung Wiederansiedlung der Lachse im Rur-Maas-System ist in diesem Jahr gelungen“, berichtet derweil Hermy Hermanns. Wurden bislang ausschließlich Lachseier von Fischen aus dem französischen Loire-Allier-Stamm in der Rur eingesetzt, so können die Angler jetzt erstmals auf Eier von nach Roermond zurückgekehrten Tieren zurückgreifen.

In der dortigen Kontrollstation wurden zuletzt 15 bis 20 Lachse pro Jahr registriert, so dass schon 50.000 bis 80.000 Eier gewonnen werden könnten, erklärt Hermanns, aktuell sind es gut 7000 von zwei Weibchen. „In Belgien wird derzeit eine Elterntierhaltung für die Lachse des Rur-Maas-Systems aufgebaut“, berichtet der Gewässerwart weiter, aus der künftig die Brütlinge für die Auswilderung kommen sollen. „So entwickelt sich langsam ein eigener Lachsstamm für das Rur-Maas-System“, erklärt der Experte.

Die in Roermond registrierten Lachse kommen im belgischen Erezeè zunächst in eine Quarantänestation. „Sie werden untersucht und gehältert, bis sie reif sind für das Abstreifen der Eier.“ Wenn die besamten Eier transportiert werden können, bringt sie der Kreisfischereiverein in sein Bruthaus in Obermaubach. Dort schlüpfen die Lachse, ehe sie mit einer Größe von rund fünf Zentimetern ausgewildert werden.

Die ersten tausend Brütlinge setzten die Fischer mit Schülern der Realschule Jülich in Luchem aus. „Eigentlich wollten wir die Lachse in Höhe des Düreners Stadtparks in der Rur einsetzen“, erklärte Hermanns. Der aktuell sehr hohe Pegel und die hohe Fließgeschwindigkeit aber verhinderten dies. Am Wehebach ging es da am Samstag schon ruhiger zu.

In den kommenden Wochen werden die Mitglieder des Kreisfischervereins weitere Brütlinge in die Freiheit entlassen. Dann ist auch die 2013er Generation auf sich selbst gestellt. Hermy Hermanns, Heinz Josef Jochims und ihre Mitstreiter würden sich freuen, wenn der eine oder andere überlebt und ein kleines Stück dazu beiträgt, dass die Lachse in der ganzen Rur wieder heimisch werden – wenn alle Hindernisse einmal beseitigt sind.

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