Kleine Feldlok befreit Düren vom Schutt

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
12948625.jpg
Anne Krings vom Stadtmuseum mit den ehrenamtlichen Helfern Peter Manfred Enkirch (r.) und Josef Brauweiler. Foto: Wildermann
12948667.jpg
Viele Fotos gibt es von der Milke Diesellok nicht. Im Hintergrund ist der Kran mit der Schaufel des Dampfbaggers zu sehen, der die Kipploren mit Schutt und Trümmerteilen befüllt. Foto: Stadtmuseum Düren

Düren. Gut sieht sie noch aus. Ihr Alter, nämlich 75 Jahre, sieht man ihr gar nicht. Nur an einigen Stellen vielleicht, wo der grüne Lack schon abgeblättert ist, rostet sie ein wenig. Damit Wind und Wetter der kleinen Feldlok aus dem Zweiten Weltkrieg mit ihren zwei Loren nicht weiter zusetzen, schützt sie noch eine große Plastikplane.

Die kleine Diesellok steht gut verpackt vor dem Dürener Stadtmuseum und wartet auf ihren großen Tag. Der ist am Sonntag, 11. September, um 11 Uhr. Dann wird sie feierlich am Tag des offenen Denkmals eingeweiht. „Es wird noch eine Tafel mit Daten aufgehängt, die abends angestrahlt wird. Außerdem wird sie in die Liste der Denkmäler der Stadt aufgenommen“, erklärt Anne Krings (34), wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Stadtmuseum.

1,6 Millionen Kubikmeter Schutt

Rückblick. Es war Juni 1947 und Düren lag noch immer zum Großteil in Trümmern. Die Stadt beauftragte die Straßenbaufirma Hermann Milke aus Soest, mit modernen Gerätschaften die Stadt flächendeckend von Schutt und Trümmern zu befreien. Insgesamt waren es 1,6 Millionen Kubikmeter. Außerdem sollten Trümmer sortiert und wiederverwertbares Material in einer Steinfabrik zu neuem Bauwerkstoffen geformt werden. Der Vorteil der Firma Milke: Bei ihr lagen alle Arbeitsschritte in einer Hand. Kurz darauf gab es eine Zweigstelle in Düren mit Sitz an der Nideggener Straße. Für zehn Jahre schloss die Firma Milke mit der Stadt einen Vertrag ab. Kosten: 4,8 Millionen Reichsmark. 75 Prozent der Summe übernahm das Land NRW.

Fuhre für Fuhre rumpelte die kleine Milke-Lokomotive durch die Stadt. Etwa zwölf Kilometer Schmalspurgleise lagen ab 1946 in der Stadt aus, auf denen ein Dutzend kleiner Diesel- und Dampfloks mit beladenen Kipploren fuhr. Bis zu 600 Kubikmeter Schutt wurden auf diesem Weg in Düren weggeräumt.

Josef Lützler vom Tiefbauamt überwachte seit Dezember 1947 die kleinen Loks. Auch die von der Firma Milke, damit das vertraglich vereinbarte Volumen eingehalten wurde. Außerdem behielt er im Auge, ob Milke auch nach dem vorgegebenen Entschuttungsplan arbeitete. Dafür musste der städtische Mitarbeiter viel hin- und herfahren. 1948 wurde ihm zur Erleichterung ein Fahrrad gestellt.

2000 Kilo Kohle

Der Schutt, der überall lag, wurden händisch von Hilfsarbeitern in die Loren gepackt oder mit Hilfe eines Dampfbaggers, der allerdings nicht überall eingesetzt werden konnte. Auch dieses Arbeitsgerät kam von der Firma Milke und erleichterte die Entschuttung der Stadt. Der Bagger lief auf Raupen und konnte auch auf unwegsamen Gelände fahren. Er bewegte sich mit nur einem Stundenkilometer durch die Trümmerlandschaft Dürens. Für seinen Antrieb wurden täglich 2000 Kilogramm Kohle benötigt, die nicht immer einfach zu besorgen war.

Nicht nur Kohle war Mangelware, auch Arbeiter. Laut Vertrag musste das Unternehmen Milke zügig die Trümmer beseitigen und benötigte dafür 250 Arbeiter. Doch gerade in den Anfangsjahren waren Helfer rar, weshalb das Projekt hin und wieder ins Stocken geriet. 1947 beschäftigte Milke gerade mal 104 Mitarbeiter, vorwiegend Fachpersonal. Den Rest sollte die Stadt stellen und verpflichtete sogar Flüchtlinge und Gefängnishäftlinge. Auch Beamte, die während der NS-Zeit mit dem Regime sympathisierten, musste zur Strafe mithelfen, wenn sie im Anschluss wieder im städtischen Dienst arbeiten wollten.

Ab September 1950 wurde die Route der kleinen Milke-Lok in die Randbezirke verlegt. Im Stadtzentrum übernahmen Lkw den Abtransport. 1952 war die Hälfte des Schutts weggeräumt und bereits sechs Jahre später schloss das Unternehmen Milke seine Niederlassung in Düren.

Die kleine Lok verschwand daraufhin und landete irgendwann bei einem Mann in Golzheim. „Wir sind froh, dass sie wieder in Düren ist und nicht in irgendeiner Scheune herumsteht“, sagt Anne Krings. Zusammen mit Projektleiter Dieter Fücker (70) hat sie es möglich gemacht, dass Lok und Loren als Dauerleihgabe nun vor dem Dürener Stadtmuseum stehen. Künftig sollen ein Zaun und ein Dach das Denkmal vor Vandalismus und Witterung schützen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert