Langendorf - Klaviervirtuose Carl Wolf ersetzt 100 Instrumente

Klaviervirtuose Carl Wolf ersetzt 100 Instrumente

Von: Bruno Elberfeld
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1-3: Mit Leib und Seele begeisterte Pianist Carl Wolf sein Publikum auf Burg Langendorf.

Langendorf. Burg Langendorf feiert dieses Jahr ein zweifaches Jubiläum: 15 Jahre „Manfred Vetter-Stiftung“ und 20 Jahre „Konzert in der Remise“. Für die Verantwortlichen war es deshalb ein Muss, zum Auftakt Musik erster Güte zu präsentieren.

Hervorragende Auswahl

Vorweg: Pianist Carl Wolf, ein gebürtiger Kölner, der in seiner Heimatstadt und Basel studiert hat, zurzeit in der Schweiz lebt und arbeitet, war eine hervorragende Wahl für diesen Start ins Jubiläumsjahr.

Begeisterter Applaus nach jeder Komposition, rauschender Beifall nach dem ersten Teil des Konzerts und „Standing Ovations“ – wenn auch nur punktuell – zum Schluss, für das zurückhaltende Publikum von Burg Langendorf nicht selbstverständlich.

Carl Wolf trug natürlich auch mit der Auswahl seiner Kompositionen zum Erfolg bei. Mit Franz Liszts (1811-1886) „Funérailles“, einer Hommage an Liszts verstorbenen Freund Frederic Chopin, eröffnete Wolf den Klavierabend.

Die tiefen Noten – nach Lisztscher Art gewaltig und drohend daherkommend – zeichnen eindrücklich Trauer und die Ausweglosigkeit des Todes nach.

Claude Debussys (1862-1918) „3 Preludes“ verlangten eine Steigerung des technischen Könnens des Tastenkünstlers. In den beiden ersten Preludes verwirrt Debussy mit Werken voller Extreme. Klagen werden laut, Wehmut lässt schwere Depressionen ahnen, ein Mensch ist zerrissen. In Prelude Nummer 3 wird der Komponist versöhnlicher, er lässt Verzauberung zu, um dann hier und da wieder den Hörer durch dramatische Akkorde aufzuwühlen.

Mit Maurice Ravels (1875-1937) „La Valse“, auch als „Wien und seine Walzer“ bekannt, machte Carl Wolf es noch einmal dramatischer. In der Komposition scheint immer wieder als Motiv der Wiener Walzer durch.

Leib und Seele

„Mit den 88 Tasten auf dem Flügel eine Komposition zu spielen“, erklärte Wolf in seiner Moderation zu Ravels Werk, „die normalerweise ein Orchester mit bis zu 100 Instrumenten bewältigen muss, ist wahrlich schwer.“ Der Pianist bewältigte auch diese Aufgabe mit Empathie und Ganzkörper-Einsatz, eine Performance mit Leib und Seele, ohne in irgendeiner Weise überheblich oder gar aufdringlich zu wirken.

Den Höhepunkt – wie sollte es anders sein – hatte sich der Pianist für die zweite Konzerthälfte aufgespart: „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski (1839-1881). In dem etwa 40-minütigen Werk nimmt Mussorgski, ein russischer Komponist, die Hörer mit auf eine Vernissage.

Vor zehn Bildern lässt er den Gast verweilen und vermittelt ihm seine Impressionen der Gemälde. Da erscheinen „Der Gnom“, „Das alte Schloss“, die „Tuilerien“, „Bydlo“, ein polnischer Bauer mit seinem schweren Ochsenkarren, „Die Katakomben“ oder „Das große Tor von Kiew“, um nur einige Titel zu nennen.

Alle Klangbilder nehmen die Menschen mit in eine dramatische Welt gegensätzlicher Gefühle und Vorstellungen. Zwischen den zehn Stationen lässt Mussorgski seine Begleiter mit den „Promenaden“, so heißen die Wege zwischen den Gemälden, verschnaufen.

Carl Wolf entließ die Besucher des Konzerts mit „Clair de lune“ von Debussy und „Black Earth“ des türkischen Komponisten Fazil Say, zwei wunderbaren Zugaben.

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