Düren - Klassiker über Dürens Stadtgeschichte wird neu aufgelegt

Klassiker über Dürens Stadtgeschichte wird neu aufgelegt

Von: Ingo Latotzki
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Diese Vogelperspektive zeigt, wie Dürens City vor einem halben Jahrhundert ausgesehen hat. Vor dem Rathaus parken und fahren Autos, ebenso auf dem Marktplatz und in der Kölnstraße. Noch zu erkennen sind die alten Straßenbahnschienen. Foto: Stadt Düren / inla
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Architektin und Denkmalpflegerin: Heike Kussinger-Stankovic.

Düren. An einem Tag im September ist Heike Kussinger-Stankovic gefragt worden, was ihre größte berufliche Niederlage war. Sie hat gesagt, dass die größte Niederlage der Denkmalpflege in der Stadt Düren der Abriss der Stadthalle war. Heike Kussinger-Stankovic ist Denkmalpflegerin, sie ist auch Architektin und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Gebäuden und auch ihrer Geschichte.

Die Stadthalle, ein Gebäude aus den 1950er Jahren, war vielen Dürenern ans Herz gewachsen und galt als die gute Stube der Stadt. Heike Kussinger-Stankovic ist auch Autorin, sie hat das Buch „Düren - Gesicht einer Stadt der 1950er Jahre“ geschrieben. Das Buch ist ein Stück Stadtgeschichte und längst vergriffen. Deshalb wird es jetzt vom Dürener Geschichtsverein neu aufgelegt.

Dass Düren heute gerne auch aus den eigenen Reihen als hässliche Stadt bezeichnet wird, weiß Kussinger-Stankovic gut, sie ist allerdings ganz anderer Meinung. Düren biete jede Menge Schätze, die nur gehoben werden müssten, die einem Laien vielleicht verborgen blieben, weil nicht genau hingeschaut werde.

Düren wurde nach der völligen Zerstörung der Innenstadt am 16. November 1944 bis zum Ende der 50er Jahre neu aufgebaut. Zunächst hatte die Stadt dem früheren Stadtbaurat Heinrich Dauer, nach dem in Düren heute eine Straße benannt ist, die Planung übertragen. Er legte zu Beginn des Jahres 1947 ein Konzept vor, das sich an alten Grundzügen der Stadt orientierte. und überdies eine „zukunftweisende Verkehrslösung“ bot, wie Kussinger-Stankovic in ihrem Buch schreibt.

Gegen diesen Plan aber formierte sich Widerstand der Geschäftsleute und der Haus- und Grundbesitzer. Sie befürchteten einen Wertverlust ihrer Grundstücke, da Dauer umfangreiche Straßenveränderungen vorgesehen hatte, die ihr Land womöglich betroffen hätten. Schließlich wurde Düren nach den Plänen von Walther Kenneweg wiederaufgebaut. Kenneweg war seit 1939 Nachfolger von Dauer als Stadtbaurat, aber erst seit dem 1. November 1947 wieder im Dienst.

Wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft sei eine Wiedereinstellung nach dem Krieg zuerst nicht möglich gewesen, heißt es in dem Buch. Als er zurück an den Schreibtisch kehrte, meldete sich Heinrich Dauer kurz darauf krank, sein Dienstverhältnis endete Ende 1947. Kenneweg orientierte sich bei seiner Planung an der alten Grundstruktur der Stadt.

Das war schon einigermaßen bemerkenswert, wenn das Ausmaß der Zerstörung 1944 zugrunde gelegt wird. Als die Amerikaner im Februar 1945 die Rur überquerten, lebten nur noch sehr wenige Zivilisten in der Stadt. 1940 zählte Düren gut 46.000 Einwohner. Der amerikanische Captain Arthur H. Larkins sagte 1945 einem Kriegsreporter, „falls die Deutschen nach dem Krieg wieder eine Stadt namens Düren haben möchten, werden sie sich vermutlich ein paar Meilen nördlich ein nettes Plätzchen aussuchen und da etwas Neues bauen“.

Es kam anders und heute zieren in der Innenstadt immer noch Schriftzüge aus den 50er Jahren die Fassaden. Die Dürener SPD hatte einst die Idee, genau diese Werbezüge viel mehr zu nutzen und als Marketinginstrument für die Stadt einzusetzen. Diese Schriftzüge könnten Standard werden und wie ein Alleinstellungsmerkmal wirken, so der Plan, mit dem sich auch Diplom-Architektin Kussinger-Stankovic hätte anfreunden können. Die Idee wurde nie umgesetzt, es fanden sich letztlich keine Mehrheiten. „Düren sollte zu dem, was es ausmacht, stehen“, sagt die Denkmalpflegerin. „Es gibt keinen Grund sich zu verstecken.“

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