Düren - Kitsch oder Kunst? Über das Streben nach Glückseligkeit

Kitsch oder Kunst? Über das Streben nach Glückseligkeit

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Das Ensemble des Rheinischen Landestheater Neuss zeigte ausgezeichnete schauspielerische und gesangliche Leistung. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall. Foto: Schmitz

Düren. „Wie im Himmel” fühlte man sich zu Beginn der Aufführung der gleichnamigen Spielfassung nach Kay Pollacks schwedischen Erfolgsfilm aus dem Jahr 2005 nicht. Etwas zäh begann die Inszenierung durch das Landestheater Neuss im sehr gut besuchten Haus der Stadt.

Eine Zeitlang dauerte es, bis das Publikum begann, auf der „Himmelsleiter” nach oben zu steigen oder sich Richtung „Fegefeuer” bewegte, je nach seelischer und geistiger Verfassung. Sollte man es als Herz-Schmerz-Stück, religiösen Kitsch oder einfach nur als ein Märchen einordnen?

Der Sinn des Lebens

Der Dirigent Daniel Daréus hat Karriere gemacht. Auf einer Welttournee erleidet er plötzlich einen Zusammenbruch, der ihn zu einer Pause zwingt. Er kehrt zurück in sein Heimatdorf in Nordschweden. Dort freut man sich über den berühmten Heimkehrer und überträgt ihm mit leichtem Druck die Leitung des vor sich hin dümpelnden Kirchenchors. Mit seinen unkonventionellen Arbeitsmethoden zeigt er den Chormitgliedern Visionen auf, inspiriert sie, den Sinn des Lebens neu zu definieren, formt aus den Einzelnen eine zusammenhaltende Gruppe. Und schon zieht Glückseligkeit ein.

Eine Frau verlässt ihren prügelnden Ehemann, der ihr das Singen verbieten will, ein behindert junger Mann wird über das Singen integriert, die „Dorfschlampe” lernt wieder, der Liebe zu vertrauen. Über die Auseinandersetzung im Chor findet jeder zu sich selbst. Die Gruppe funktioniert als Einheit, wenn sie sich gegen das Ansinnen der Kirche stellt. Die Musik sei immer schon da, hatte der Dirigent seinem Chor zu Beginn der Proben erklärt, man müsse nur zuhören. Die Mitarbeit daran, dürfe aber den Menschen nicht zu Kopfe steigen, vertritt der örtliche Pfarrer seine Ansicht und wird zum Gegenspieler.

Schauspielerisch ist es sicherlich der Höhepunkt des Stücks, wenn der Geistliche seinen Neid und seine Neigungen im Liebesspiel mit seiner Frau hervorbrechen lässt, um dann festzustellen: „Diese Nacht hat es nie gegeben.” - und sich wieder seiner Verklemmtheit und seinem verlogenen Entsagen unterwirft. Eine versteckte Anspielung auf die Erfindung der Erbsünde.

Aber auch in anderen Szenen scheinen die Erzählstränge des Neuen Testaments durch, wenn etwa „Lena” (Magdalena) ihre Liebe zum Dirigenten findet und geläutert erscheint, der wiederum seine Liebesfähigkeit zurückerlangt.

Zum Schluss dann der etwas verwirrender Ausklang der Inszenierung. Das Publikum feierte noch gerade den Chor, der es sehr gut verstand, die musikalische Entwicklung zu verdeutlichen, als auf der Bühnenseite der Chorleiter stirbt, während in der Bühnenmitte die Gesangsgruppe ihren Erfolg bei einem Musikwettbewerb feiert. Erst nach kurzer Pause dankte das Publikum dem sehr gut spielenden Ensemble für die Aufführung mit lang anhaltendem Beifall, in deren Mittelpunkt der offene oder versteckte Wunsch nach Glück stand.

Wer sich über den eigenen Realitätssinn hinweg setzte, wurde im Laufe der Aufführung bestens unterhalten.
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