Kissen noch rechtzeitig vom Gesicht des Opfers gezogen

Von: hp
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Düren. Ein Gutachten sollte Licht in das Seelenleben der 62 Jahre alten Angeklagten bringen. Schließlich ging es um die Frage der Schuldfähigkeit.

Die bisher unbescholtene Frau, die einem alten Mann in Mariaweiler den Haushalt führte und die Beziehung als eng und freundschaftlich beschrieb, hatte im November 2010 dem damals 85-Jährigen ein Kissen ins Gesicht gedrückt. Da sie das Wohn-Accessoire rechtzeitig wegzog und der Senior die Attacke überlebte, hatte sie sich vor dem Schöffengericht nur wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten.

Nach dem Prozessauftakt am 26. Januar sollte das Gutachten eingeholt werden. Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung dieses rund 50-seitige Werk jetzt schriftlich vorlag, verlas die Vorsitzende Richterin nur die Zusammenfassung. Danach konnte die Angeklagte nach einem Streit zwar Recht und Unrecht unterscheiden, befand sich aber in einem „affektiven Ausnahmezustand”. Durch ein Abhängigkeitsverhalten der Frau zu dem alten Mann sowie früherer traumatischer Beziehungserfahrungen habe sie bei der Auseinandersetzung offenbar einen Wutausbruch gehabt. In diesem Erregungszustand sei ihre Fähigkeit, das Handeln zu kontrollieren, deutlich minimiert gewesen.

Oberstaatsanwalt Robert Deller erinnerte daran, dass die Frau rund 60 000 Euro, die der Mann versteckt hatte, zunächst an sich genommen, einen Tag vor der Tat aber nach Aufforderung des Opfers zurückgegeben hatte. Deller erklärte, die Frau habe das Vertrauen des Opfers missbraucht, und beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Der Verteidiger sprach von „zu vielen Ungereimtheiten”, zumal die Zeugen aus seiner Sicht das Geschehen nur vom Hörensagen (des Opfers) kannten. Hinzukomme, dass der Mann zur Tatzeit bereits an Demenz litt und knapp neun Monate später verstarb. Der Anwalt beantragte einen Freispruch oder allenfalls eine milde Bewährungsstrafe.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Anne Utzelmann verurteilte die 62-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Zu den Auflagen gehört allerdings, dass sich die Frau in psychologische Behandlung begibt.

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