Kirmes-Sirene heult, aber sie heult nicht laut genug

Von: Sarah Maria Berners
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Geräuschmessung für die Sicherheit: Professor Gebhard Rusch von der Universität Siegen hat die Lautstärke der Sirene und der Durchsagen erfasst. Foto: Sarah Maria Berners, Jörg Abels
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Sie heult nicht laut genug: Die Sirene auf dem Kirmesplatz.

Düren. Ab Samstag tummeln sich täglich Tausende Menschen auf dem Annakirmesplatz. Am Freitag war der Platz noch fast menschenleer. Trotzdem drehten die Fahrgeschäfte ihre Runden. Sie drehten ihre Runden ohne Fahrgäste und die laute Musik erklang nur für die Wissenschaft.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes für zivile Sicherheit hat auf dem Kirmesplatz ein Sirenentest stattgefunden. Jedes Jahr wird für die Kirmestage eine mobile Sirene aufgestellt. Wenn diese auf dem Annakirmesplatz losheulen würde – was noch nie erforderlich war –, könnte das auf dem Riesenrad ganz schön unangenehm sein.

Sirenen sind – das ist ihre Aufgabe – laut, machen die Menschen darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt. Aber ist die Sirene überall gut zu hören? Funktioniert das Informationssystem auf dem Kirmesplatz? Im Falle eines Alarms müssen alle Schausteller die Musik abschalten, sechs Schausteller an verschiedenen Stellen des Platzes müssen dann Durchsagen machen: Funktioniert diese Kette? Sind die Anweisungen verständlich?

Diese Fragen stellen sich Wissenschaftler und Feuerwehr – und der Probelauf hat gezeigt, dass diese Forschung wichtig ist: Die Sirene war sehr viel leiser als alle erwartet hatten. Ein Schausteller hörte sie erst sehr spät, die Durchsagen der Schausteller überlagerten sich an manchen Stellen so, dass sie für den Besucher nicht an allen Orten verständlich waren.

Professor Gebhard Rusch von der Universität Siegen zog schon ohne wissenschaftliche und mathematische Analysen seiner Daten eine erste Bilanz: „Eine Sirene reicht nicht aus, sie übertönt die Geräusche der Kirmes nicht ausreichend“, erklärte der Wissenschaftler, der den Test mit Pegelgeräten konzentriert verfolgt hatte.

Auch was die Verständlichkeit der Durchsagen anbelangt, sieht der Siegener Professor Optimierungsbedarf. In den kommenden Tagen wird er die Ergebnisse detailliert auswerten, seine Mitarbeiter haben haben an verschiedenen Stellen gemessen. „Was uns aber noch fehlt, sind die Geräusche, die die Kirmesbesucher verursachen“, beschreibt Rusch. Diese werden die Forscher in den nächsten Tagen messen und in die Ergebnisse des Sirenen-Tests einrechnen.

In den Diskussionen am Rande des Experimentes wurden ein oder zwei weitere Sirenen an verschiedenen Stellen des Platzes, sowie zentral gesteuerte Durchsagen und ein zentraler „Aus“-Knopf für die Musik als mögliche Lösungen diskutiert.

„Wir haben diesen Testlauf gemacht, um zu lernen und um das Sicherheitskonzept der Kirmes weiterzuentwickeln“, sagt Dürens Feuerwehrchef Hans-Jürgen Pelzer. Einige Ergebnisse aus den Untersuchungen im vergangenen Jahr habe man auf der Kirmes schon umgesetzt. So sei die Polizei nun an einem festen Anlaufplatz ständig präsent.

Experimente im Rahmen des Bundesprojektes „Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“ (Basigo) hatten im vergangenen Jahr gezeigt, dass es für die Besucher nicht einfach ist, die auf dem Platz umhergehenden Beamten anzutreffen. Weiterhin hat die Feuerwehr ihren Koordinierungsraum von einem Zimmer, in dem Personen behandelt werden, komplett abgekoppelt.

Ebenfalls auf den Untersuchungen im vergangenen Jahr basierend, wurden einige Fluchtwege deutlicher markiert und Versorgungsleitungen anders verlegt. „Es ist wichtig, dass Veranstaltungen wie die Kirmes auf den Prüfstand gestellt werden“, betont Hans-Jürgen Pelzer. Die externen Experten hätten der Kirmes aber ein positives Zeugnis ausgestellt.

Parkraumkonzept fehlt

Optimierungsbedarf sehen die Verkehrsexperten zum Beispiel bei der Ausschilderung der Parkplätze. So verdeutlichte Professor Jürgen Gerlach von der Universität Wuppertal, dass die Hinweisschilder auf den Parkplatz „Annakirmes“ in den Tagen des Volksfestes durchgestrichen werden müssten. Er forderte ein einheitliches Parkraumkonzept.

„Drei Schilder nach rechts, vier nach links und am Ende ein Schild, dass alle besetzt sind, ist nicht glücklich“, beschrieb der Wissenschaftler, der jedoch von „Kleinigkeiten“ sprach. Die Verkehrsführung zur Kirmes hin funktioniert in den Augen der Wissenschaftler gut, 14 Prozent der Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nur wenige mit dem Rad. „Zu kritischen Staus und Fußgängerdichten“ auf dem Weg zum Platz komme es nicht.

Gebhard Rusch verdeutlichte, dass es wichtig sei, auch die Besucher in das Sicherheitskonzept einzubinden. Ähnlich wie beim Feueralarm in der Schule müssten auch Besucher von Großveranstaltungen wissen, wie sie sich verhalten sollen. Dass die Sirenen mehr als eine Stunde später heulten, als es der Bevölkerung angekündigt worden war, war übrigens den ausführlichen Reden der Wissenschaftler und Offiziellen geschuldet.

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