Kiosküberfall: Räuber hat eine Pistole, Hasan Kalin einen Karton

Von: Carsten Rose
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Hasan Kalin und seine „Waffe“: eine Verpackung . Foto: C. Rose

Düren. Hasan Kalin schmeißt eigentlich nie Kunden aus seinem Kiosk an der Frankenstraße in Düren. Er wird vor allem nicht handgreiflich. Vergangenen Freitag aber ist etwas passiert, dass der 49-Jährige in den zehn Jahren, die er den Laden betreibt, noch nicht erlebt hat.

Ein maskiertes Duo hat versucht, den Kiosk zu überfallen – mit vorgehaltener Waffe. Ein Schuss fällt nicht, die Täter fliehen ohne Beute, weil Kalin sich auf seine Art bewaffnet und wehrt.

Herr Kalin, was ist passiert?

Hasan Kalin: Ich saß hinten im Lager auf meinem Stuhl und war mit dem Handy beschäftigt. Ich wollte kurz bei Facebook nachschauen. Und plötzlich stand jemand vor mir, hat gebrüllt, dass ich zur Kasse gehen soll und hat mit einer Pistole auf meinen Kopf gezielt.

Das Lager ist von dem zweiteiligem Einkaufsbereich des Kiosks frei zugänglich, es gibt weder Tür noch Vorhang. Der Stuhl, auf dem Kalin öfter sitzt, wenn gerade nichts los ist, steht samt kleinem Bartisch direkt rechts neben dem Durchgang. Von seinem Platz aus hat Kalin seinen Laden auf einem Monitor mit Bildern von vier Überwachungskameras im Blick.

Sie haben sich direkt gewehrt. Haben Sie keine Angst vor Pistolen?

Kalin: Ich habe mich erschrocken, klar, und zuerst gedacht, dass er Spaß macht. Dann habe ich zurück gebrüllt, dass er verschwinden soll, und ihn mit der linken Hand am Hals gepackt und zurückgedrängt.

Hasan Kalin wird von dem 1,80 bis 1,85 Meter großen Mann mit der Pistole überrascht, weil er ein paar Sekunden aufs Smartphone und nicht auf den Bildschirm mit den Überwachungsbildern geschaut hat. Sonst hätte er sehen können, wie ein vermummter Mann mit gezückter Waffe Richtung Lager geht, und ein anderer ebenfalls Vermummter an der Eingangstür Schmiere steht.

Schreien und schubsen hat gereicht, um den Mann zu verjagen?

Kalin: Ich habe ihn mit links festgehalten und mir mit rechts einen leeren Karton geschnappt. Damit habe ich die ganze Zeit vor ihm her und auch auf seinen Kopf geschlagen – er hat dann wohl Angst bekommen. Der zweite Mann am Eingang auch. Ich habe beide verjagt.

Dass der 49-Jährige nach der Verpackung greift, ist Zufall. Im Regal über dem Monitor liegt ein Holzstück für den Fall der Fälle bereit. Da Kalin aber aufs Smartphone und nicht auf die Kamerabilder schaut, kann er nicht schnell genug reagieren.

Konnten Sie erkennen, ob die Pistole echt war?

Kalin: Ich habe die Täter nicht gefragt, und ich habe auch keine Ahnung von Pistolen. Hier verkaufe ich Spielzeug, keine Waffen. (lacht)

Der Vorfall dauert weniger als eine Minute. Die Videos zeigen, wie der Eindringling und Kalin kurz im Lager rangeln, dann schiebt Kalin den Mann mit der Pistole scheinbar mühelos und mit dem Karton fuchtelnd durch den Kiosk zum Eingang. Der zweite Mann an der Tür greift nicht ein, beide verschwinden schnell in Richtung Oststraße, wie Zeugen der Polizei später berichten.

Würden Sie immer so reagieren?

Kalin: Es kommt auf die Situation an. Wenn ich hinter der Kasse gestanden hätte, wäre es anders gelaufen. Dann hätte ich direkt gefragt: „Was willst du haben? Nimm es einfach!“

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, gibt es keine neuen Erkenntnisse über das flüchtige Duo.

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