Düren - Kinderstück „Tote Maus für Papas Leben” birgt Stoff zum Nachdenken

Kinderstück „Tote Maus für Papas Leben” birgt Stoff zum Nachdenken

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Die Familie versucht ihren alten Hund durch Erschrecken ins Jenseits zu befördern. Foto: Elberfeld

Düren. Die Bühne zu ebener Erde im Haus der Stadt ist spärlich mit Kulissen bestückt. Sechs Stühle, ein Tisch und eine hohe, bunte Wand, hinter der die Schauspieler bei Bedarf verschwinden können. Gegenstände und Tiere werden pantomimisch angedeutet.

Orts- und Zeitwechsel erkennen die Zuschauer - an diesem Nachmittag etwa 80 Kinder mit einigen Erwachsenen - an den Positionswechseln der Akteure. Stühle werden in den einzelnen Szenen hin und her getragen.

Und dann ist da noch etwas Entscheidendes, ja Ungewöhnliches, gelungen: Die Schauspieler sind keiner Rolle zugeordnet. Jeder übernimmt im Wechsel die Rolle des Vaters, der Mutter, der Oma oder gar, wenn notwendig, des Hundes. Dem altgriechischen Schauspiel nachempfunden: mehrere Schauspieler sprechen im Chor eine Rolle. Das gibt dem Schauspiel „Tote Maus für Papas Leben”, für Kinder ab etwa acht Jahren, etwas Unbeschwertes.

Das Gute oder auch das Böse lässt sich nicht an einer Person, einer Rolle festmachen. Nach anfänglicher Verwirrung begreift der Zuschauer, dass Regisseur Rob Vriens das sehr ernste Stück bewusst durch dieses Nichtzuordnen ganz auf die Problematik Krieg und Verlassenwerden und Tod und Elend lenken will.

Dann wäre es schon zu spät

Um was geht es? Kikis Vater ist Arzt und hilft den Verwundeten in Kriegsgebieten. Kiki bittet ihren Vater, sich vor verirrten Kugeln in Acht zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit getroffen zu werden, sei groß. Vater antwortet, er habe noch keine verirrte Kugel gesehen. Dann wäre es ja auch schon zu spät, erklärt ihm die Tochter altklug.

Dass Kiki und ihre Familie sich Sorgen machen, dem Familienoberhaupt in ihrer Verzweiflung sogar vorwerfen, er würde seine Familie vernachlässigen, ist nachzuvollziehen. Kiki überlegt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ihr Vater wieder heil zu ihnen zurückkehrt. Eine Maus kommt ins Spiel. Welches Kind hat schon einen Vater und eine tote Maus? Das dürfte, so meint Kiki, nicht oft vorkommen.

Eine betagte Maus scheidet auf natürlichem Weg aus dem Leben. Vaters Wagen fährt auf eine Mine. Er überlebt, verliert jedoch ein Bein. Kikis Rechnung ist aufgegangen. Eine tote Maus für Papas Leben. In einer ungewöhnlichen Inszenierung spielte das Theaterhaus Ensemble Frankfurt (Günther Henne, Michael Meyer, Uta Nawrath, Jule Richter, Susanne Schyns und Verena Wüstkamp) dieses ungewöhnliche Kinderstück mit ernstem Hintergrund recht leicht, nur scheinbar oberflächlich. Zur großen Freude der Kinder wurden sie immer wieder ins Geschehen miteinbezogen.

Kurzum: „Tote Maus für Papas Leben” ist ein gelungenes Kinderstück, das Erwachsenen aber ebenfalls Freude macht, ohne dass das Nachdenken vernachlässigt wird.
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