Heimbach - Kinderkonzert: Forellenmusik, Eis und ein trauriges Cello

Kinderkonzert: Forellenmusik, Eis und ein trauriges Cello

Von: Sarah Maria Berners
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550 Kinder und Jugendliche bekamen beim Kinderkonzert im Rahmen des Kammermusikfestivals „Spannungen“ einen Einblick in die klassische Musik. Foto: Sarah Maria Berners
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Vor dem Konzert musizierten Schüler der Realschule Wernersstraße und des Burgau-Gymnasiums. Foto: Sarah Maria Berners
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Till, Fynn und Leo (v.l.) hat das Konzert gut gefallen. Foto: Sarah Maria Berners

Heimbach. Den „Gangnam-Style“ findet Leo Voßen (10) ziemlich cool und sein Schulfreund Fynn Müller (8) mag den Rapper „Crow“ ganz gerne. Und wie steht es um die klassische Musik? „Naja, das werden wir ja gleich sehen“, sagt Till Klees (10).

Die drei Jungs besuchen die KGS „An der Rur“ Winden/Obermaubach. Wie fast 550 andere Kinder auch, sind sie an diesem sonnigen Tag im Heimbacher Jugendstilkraftwerk. Lars Vogt und seiner Mitstreiter vom Kammermusikfestival „Spannungen“ haben zum Kinderkonzert eingeladen.

Dabei merken Leo, Fynn, Till und die anderen Kinder schnell, dass es keineswegs langweilig ist, wenn Musiker zu Instrumenten wie Cello, Geige, Kontrabass und Flöte greifen oder sich an einen Flügel setzen. Und sie erfahren, dass Kammermusik und Eiscreme sogar Gemeinsamkeiten haben.

Vanille und Erdbeere

„Es gibt Erdbeere, Schoko, Vanille. Aber die Grundzutaten sind dieselben“, erklärt Alois Posch, der den Kontrabass spielt. Und was hat das mit Musik zu tun? „Die Sorten sind Variationen, und Variationen gibt es auch in der Musik“, erläutert Alois Posch. Und bei Schuberts „Forellenquintett“ bekommen die Kinder die Gelegenheit, die wiederkehrende Melodie zu entdecken.

Es ist mucksmäuschenstill im Kraftwerk. „Die Zuhörer müssen mitmachen“, betont Lars Vogt. Mitmachen, indem sie still seien. Denn die Musik könne nur leben, wenn es still sei. „Ich finde den Kontrabass besonders toll“, sagt Leo andächtig. „Weil der so schön tief klingt.“

Besonders begeistert sind die Kinder vom Schlagzeuger Hans-Christian Sørensen. Und sie amüsieren sich köstlich über den Auftritt des Norwegers. Denn der beweist komödiantisches Talent, verwandelt den Flügel mit Papier auf den Saiten in ein schrilles Instrument und beweist: Musik überwindet sprachliche Barrieren. „Der ist richtig witzig“, kommentieren die Schüler.

Toll finden sie aber auch Marie-Christine Zupancic. Die hält eine Querflöte in der Hand, die viel länger ist als es normale Querflöten sind. Mit ihrer Altflöte spielt sie eine Melodie. Nach wenigen Noten recken fast alle Kinder die Hände in die Höhe. „Das war aus Harry Potter“, haben sie gleich erkannt.

Und dann wird es wieder still im Kraftwerk, denn jetzt ist ein „trauriges Instrument“ an der Reihe. „Wir Leute, die Cello spielen, erzählen mit unserer Musik gerne traurige Geschichten, weil die auf diesem Instrument einfach so schön klingen“, erklärt Tanja Tetzlaff. Und als sie und Kiveli Dörken zu spielen beginnen, lernen die Kinder, wie Musik Geschichten erzählen kann. Von jemandem, der sich erinnert und dabei erst traurig, dann wütend wird und am Ende weinend einschläft.

Die Musik kann aber auch lustige und wilde Geschichten erzählen, und Danae und Kiveli Dörken können das am Flügel besonders gut. Die beiden erzählen eine musikalische Geschichte von zwei Stämmen, die sich bekämpfen. So manches Mal zuckten die Schüler überrascht zusammen, wenn die Pianistinnen kräftiger in die Tasten schlugen.

Dann wird die Musik ruhig. „An dieser Stelle, könnt ihr euch vorstellen, kommen weise Menschen, um zwischen den Stämmen zu vermitteln, damit es wieder Frieden gibt“, beschreibt Tanja Tetzlaff. Und es scheint, als habe die Geschichte die Kinder gepackt. „Das war wirklich eine schöne Schulstunde“, sagen Till, Fynn und Leo. Alle drei finden Kammermusik viel spannender, als sie vorher erwartet hätten. 

Dürener Schüler musizieren vor Konzertbeginn

 

Vor dem Konzert musizierten Schüler der Realschule Wernersstraße und des Burgau-Gymnasiums. Zum Auftakt des Kinderkonzertes sang der Kinderchor der Carl-Orff-Schule Hürth. Als alle Kinder gemeinsam „Alle Vögel sind schon da“ anstimmten, sangen die Kinder der KGS „An der Rur“ sogar die zweite Stimme. Dafür gab es Lob vom Festival-Leiter Lars Vogt.

Begeistert waren die jungen Zuhörer auch von einem Musiker, der ebenfalls noch in die Schule geht. Der zwölfjährige Levi Julius Sochor aus der Nähe von Magdeburg ist Schüler von Lars Vogt und hat auch bei drei Konzerten für Erwachsene in dieser Woche gespielt. Die Kinder lauschten andächtig.

Förderpreise in Höhe von 1000 Euro gab es für den Windener Grundschulchor und für Renold Quades Bläserklasse an der Musikschule Nideggen/Heimbach. Zuhörer waren Kinder der Grundschulen aus Heimbach, Niederzier und Hambach, Winden und Obermaubach, Düren-Süd, Hürth sowie der Realschule Wernersstraße und des Burgau-Gymnasiums.

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